1969-1_4
1969-1 Roverfahrt nach Irland 1969  (15. Aug. - 2. Sept. 1969)

Bremen - London - Dublin - Carrick on Shannon
- Limerick

Teilnehmer:
     Robert Glier (Giel)
         Gunter Vogt


Mit dem Faltboot von Carrick on Shannon nach Limerick

Es war das zweite mal, dass ich einen Urlaub in Irland verbringen wollte. Das erste mal waren wir eine Gruppe von vier jungen Männern. Mit dem Rucksack auf dem Rücken waren wir durch Connemara gewandert. Auch diesmal sollte es etwas "anderes" sein, was wir uns zur Erkundung der Grünen Insel vorgenommen hatten: zu zweit in einem Paddelboot Irlands längsten Fluss, den Shannon, abwärts zu paddeln.

Mit Planungen hatten Robert und ich eine lange Zeit zugebracht. Landkarten von Irland wurden studiert, das Boot und das Zelt noch einmal einer genauen Inspektion unterzogen, Flugtickets besorgt und auch eine Übernachtung "Bed & Breakfast" für die beiden ersten Nächte in Dublin gebucht.
Nachdem die Vorbereitungen zu Hause, so weit es uns irgend möglich war, abgeschlossen waren, ging die Reise ins Ungewisse los. Das Bootsgestänge und die Bootshaut waren in zwei festen Segeltuch-Säcken verstaut und unsere wenigen Habseligkeiten waren in zwei Rucksäcken untergebracht. So kamen wir vom Gewicht gerade mit den Freigrenzen fürs Fluggepäck aus. Von Bremen flogen wir nach London und von dort weiter nach Dublin. Unsere Unterkunft war in Clontarf, ein wenig weit vom Stadtzentrum Dublins entfernt. Aber mit dem Bus war es mit unserem unhandlichen Gepäck kein Problem.
Wir richteten uns in unserer Pension ein und machten uns auf den Weg in die Dubliner City, wo wir uns in das Nachtleben stürzen wollten. Von unserem ersten Irland-Urlaub kannten wir die Stadt schon ein wenig, so dass wir gezielt einige Pubs ansteuern konnten. Nachdem wir die ersten Pint Guinness geleert hatten, fühlten wir uns wieder "heimisch", denn bei unserem vorherigen Urlaub in Connemara hatten wir Irland bereits lieben und schätzen gelernt. Selbstverständlich hielten wir durch, bis das letzte 'time now' im Pub ausgerufen wurde. Das erwies sich im Nachhinein nicht gerade zu unserem Vorteil, denn die Busse nach Clontarf fuhren nur noch in sehr langen Zeitabständen. So machten wir uns dann auf Schusters Rappen auf den Rückweg zu unserer Unterkunft. Wer schon einmal in Clontarf war, der weiss, wie lang der Weg ist, und besonders in der Nacht. Ich erinnere mich, dass wir das letzte Stück des Weges barfuß gelaufen sind, weil uns die Füße in den Schuhen schmerzten. Aber wir haben es überstanden und sind letztendlich todmüde ins Bett gefallen und haben tief und fest geschlafen.

Als wir am Sonntag Morgen aufwachten, schien die Sonne von einem blauen Himmel, als wollte sie uns für den beschwerlichen nächtlichen Heimweg entschädigen. Uns war es nur recht. Wir genossen das reichhaltige irische Frühstück mit gebratenem Schinken, Eiern und gebratenen Würstchen, so wie Toastbrot und herber Orangen-Marmelade und Tee ausgiebig. Mit dem Bus fuhren wir wieder ins Zentrum nach Dublin hinein. Heute wollten wir auskundschaften, ob unser Plan, über den Royal Canal zum Shannon zu gelangen, durchführbar sei.
Mit einem Stadtplan bewaffnet machten wir uns auf die Suche nach dem Royal Canal. Endlich hatten wir ihn gefunden und waren ein wenig enttäuscht. Etwas breiter hatten wir uns die Wasserstraße doch vorgestellt. Zum Paddeln war es jedoch von der Breite her ausreichend. So marschierten wir etliche Meilen am Kanal entlang, vorbei am Croke Park, wo ein Hurlingspiel stattfand. Es fiel uns auf, dass im Kanal etliche Staustufen mit Schleusen vorhanden waren, die aber, je weiter wir zum Stadtrand gelangten, weniger wurden. Wir waren uns nicht sicher, ob die Schleusen überhaupt noch funktionsfähig waren. Zur Not mussten wir unser Boot herumtragen. Das war jedoch das kleinere Übel. Schließlich kamen wir nach längerem Zögern und Abwägen der Vor- und Nachteile zu dem Schluss, dass wir es versuchen und wagen wollten, den Royal Canal mit dem Paddelboot zu bezwingen, und machten uns auf den Rückweg in die Stadt.
Im Croke Park war das Hurlingspiel zu Ende und die Zuschauer strömten nach Hause oder in die Pubs um Sieg oder Niederlage ihrer Favoriten zu feiern. So ließen wir uns von diesem Strom mitreißen und landeten in irgendeinem Pub. Aber heute waren wir schlauer und machten uns so rechtzeitig auf den Heimweg nach Clontarf, dass wir mit dem Bus fahren konnten. Denn es gibt schließlich auch in Clontarf Pubs, wo man noch ein letztes Pint Guinness zu sich nehmen kann.

Recht früh starteten wir beiden am Montag, schleppten unser Gepäck zur Bushaltestelle und fuhren mit dem Bus in die Stadt zum zentralen Busbahnhof. Dort stiegen wir um und fuhren weiter Richtung Stadtgrenze, Blanchardstown. In der Nähe von Blanchardstown bauten wir unser Paddelboot zusammen, ließen das Boot unter einer Brücke in das Wasser des Royal Canal gleiten und verstauten das Gepäck. Das Bootsabenteuer konnte beginnen.
Frohen Mutes paddelten wir drauflos. Es war freundliches Wetter; nicht zu warm, nicht zu kalt mit sonnigen Abschnitten. Anfangs hatten wir noch viel freies Wasser. Je weiter wir voran kamen um so beschwerlicher wurde das Paddeln. Das Wasser war vor lauter Grün von Pflanzen gar nicht mehr zu erkennen und die Schlingpflanzen verfingen sich in den Paddeln. Es war sehr anstrengend und machte keinen Spaß. Unser Mut sank von Paddelschlag zu Paddelschlag.
Bei einer der vielen geschwungenen Steinbrücken machten wir Rast und kletterten auf die Brücke. In die Richtung, in die wir weiter wollten sahen wir nur noch Pflanzen und kaum noch Wasser. Wir wurden immer mutloser und beratschlagten, wie es weiter gehen sollte. Fest stand, so würden wir den Shannon nicht erreichen. Dorthin mussten wir auf andere Weise gelangen. Wir befragten unsere Landkarten und beschlossen, nach Carrick on Shannon zu fahren und unsere Paddeltour von dort neu zu starten.
In der Nähe der Brücke verlief eine Hauptstraße. Das war unsere Chance. Wir holten das Boot aus dem Wasser, bauten es wieder auseinander und schleppten es an die Hauptstraße. Unsere Hoffnung war, einen Bus stoppen zu können, der uns mitnehmen würde. So warteten wir geduldig, bis ein Bus in der Ferne auftauchte. Durch Winken machten wir auf uns aufmerksam und der Busfahrer hielt tatsächlich an. Wir waren froh und verstauten unser Gepäck im Bus. So gelangten wir zunächst bis Mullingar.
Hier war Endstation der Busstrecke und es hieß umsteigen in einen anderen Bus. Bei der Bushaltestelle war auch ein Pub. Dort erkundigten wir uns beim Wirt, wann der Bus Richtung Carick on Shannon fahren würde. Freundlich erklärte er uns, der Bus stünde bereits vor der Tür, aber wir hätten noch eine Weile Zeit. So bestellten wir ein Pint Guinness und während der Wirt einschenkte, verstauten wir unser Gepäck im Bus.
Vom Busfahrer war noch nichts zu sehen. Es waren aber schon Fahrgäste im Bus. So gingen wir wieder in den Pub um in Ruhe unser Guinness zu trinken. Plötzlich ging die Tür auf und der Busfahrer steckte den Kopf herein. Er meinte, „Wir sollten uns beeilen. Hier bei uns in Irland fahren die Busse pünktlich, es wäre hier nicht so wie bei uns in England“. Ich glaube, so schnell habe ich nie wieder ein Guinness heruntergestürzt, wie in dieser Situation. Als wir im Bus saßen fragten wir uns, warum der Busfahrer uns für Engländer gehalten hat. Denn auch bei uns in Deutschland fahren die Busse pünktlich.
Noch im Hellen erreichten wir mit dem Bus Carrick on Shannon und suchten uns in der Nähe des Shannon ein Plätzchen, wo wir unser Zelt für die Nacht aufbauten. Zu damaliger Zeit war es noch möglich, an fast jedem Ort in Irland ein Zelt aufzubauen, ohne dass sich jemand daran störte oder sich darüber aufregte. Wir hatten ein kleines, auffälliges orangefarbenes Zweimannzelt, das wir nur „die Apfelsine“ nannten. Durch die Farbe fiel es weithin ins Auge und wir waren immer gut zu erkennen. Nach einer kalten Mahlzeit, die aus einer Dose 'Batchelors Baked Beans' bestand, machten wir uns landfein und gingen in den Ort. Den Durst bekämpften wir mit einigen Guinness, bevor wir in unsere Schlafsäcken krochen und uns in unserer Apfelsine zur Ruhe begaben. Ein aufregender und von schwerwiegender Entscheidung geprägter Tag ging zu Ende. Aber im Rückblick war der Entschluss, die Paddeltour gleich auf dem Shannon zu starten, richtig.

Das Wetter hatte gehalten, aber es war weiterhin durchwachsen und trocken. So bauten wir unser Boot zum zweiten Mal zusammen und ließen es im Shannon zu Wasser. Dabei wurden wir von einigen Kindern bestaunt, die unsere Tätigkeiten aufmerksam verfolgten. Um das Gepäck im Boot zu verstauen, mussten wir auch ins flache Wasser. Ich zog meine Sandalen aus und stellte sie am Ufer auf dem Trockenen ab. Als endlich alles verstaut war und auch noch ein wenig Lebensmittelvorräte eingekauft waren, starteten wir den nunmehr zweiten Anlauf unserer Paddelboot-Reise nach Limerick.
Es war ein ganz anderes Vorankommen als auf dem zugewachsenen Royal Canal. Mit der Strömung ging es viel leichter und es wurde auch ordentlich was geschafft. Andererseits konnte man sich auch mal ein Stück von der Strömung des Shannon treiben lassen und die Ruhe auf dem Wasser und die Landschaft genießen.
In Drumsna machten wir einen Zwischenstopp. Als wir an Land gingen, suchte ich meine Sandalen. Vergeblich. Die waren in Carrick on Shannon am Ufer stehen geblieben.
Einen weiteren kurzen Stopp machten wir in Roosky, bevor wir am späten Nachmittag Lanesborough erreichten. In der Nähe der Brücke suchten wir uns einen Platz, wo wir gut mit dem Boot aus dem Wasser kommen konnten. Dann lief das tägliche Ritual ab. Wir suchten einen geeigneten Platz, wo die Apfelsine aufgebaut werden konnte, wo auch ein Feuer zum Kochen entzündet werden konnte und Feuerholz vorhanden war. Wenn die Apfelsine aufgebaut und das Gepäck darin verstaut war, ging es an die Essenvorbereitungen. Den Abend verbrachten wir meistens in einem Pub.

In Lanesborough hatten wir unsere Apfelsine auf einer kleinen Erhebung auf einer großen Weide aufgebaut. Wir waren gut von allen Seiten zu sehen. Nur wir hatten nicht gesehen, dass auf der Weide eine größere Herde von Kühen graste. Es wurde eine sehr unruhige Nacht. Wir waren wohl gerade eingeschlafen, als wir unsanft aus dem Schlaf gerissen wurden. Unser Zelt wackelte und bebte mächtig. Wir wussten im ersten Moment gar nicht, was da geschah. Die Kühe hatten sich um das Zelt versammelt und zwei der Hornviecher scheuerten sich daran. Wir hofften, dass die Kühe sich bald verziehen würden, aber das war ein Irrtum. So rafften wir uns auf, krochen aus dem Schlafsack und verscheuchten die Kühe. Dieses Spiel wiederholte sich noch zwei- oder dreimal in dieser Nacht.
Am Morgen, wir waren gerade beim Frühstücken, kam der Farmer, dem augenscheinlich die Kühe gehörten, über die Weide auf uns zu. Wir waren auf einiges gefasst. Schließlich hatten wir nicht gefragt, ob wir hier zelten dürfen. Aber nichts Unerfreuliches passierte. Nach einem freundlichen Morgengruß begann eine nette Unterhaltung. Ob wir mit dem Platz zufrieden seien, ob alles in Ordnung wäre oder ob wir irgendwelche Hilfe brauchten. Wir beruhigten den Farmer und erzählten ihm von unserer unruhigen Nacht. Er lachte nur darüber und wünschte einen guten Tag.
Wir packten unsere Habe zusammen und gingen noch einmal in den Ort. Robert hatte am Vortag einen Laden entdeckt, in dem es ein reichhaltiges Angebot an Angelzubehör gab. Er kaufte ein paar Angelhaken, Sehne und einige Blinker. Irgendwann wolle er den Speiseplan um selbst gefangenen Fisch bereichern. Na, warten wir es ab.

Wir verließen Lanesborough und bald tat sich die Weite des ersten großen Sees die der Shannon durchfließt, der Lough Ree, vor uns auf. Heute hatten wir wieder sonniges Wetter aber es wehte eine frische Brise. Diese war aber nicht so stark, dass das Wasser des Sees dadurch aufgewühlt wurde und wir mit starken Wellen zu kämpfen hatten. Trotzdem hielten wir unseren Kurs in angemessener Entfernung zum Ufer. Im Lough Ree gibt es eine ganze Anzahl von kleinen unbewohnten Inseln. Auf einer dieser Inseln gingen wir am Nachmittag an Land und erforschten zunächst einmal das Eiland. Es gab zwar einige verfallene Häuser aber keine Kühe auf der Insel, so dass wir hier keine nächtlichen Ruhestörer befürchten mussten. Wir suchten uns ein ruhiges, geschütztes Plätzchen für unser Nachtquartier und bauten dort unsere Apfelsine auf.
Robert wollte es einmal mit dem Angeln probieren und wir machten uns auf die Suche nach Regenwürmern. Aber so viele Steine wir auch umdrehten, es ließ sich kein Wurm finden. Ohne Wurm kein Fisch, also wurde nichts aus dem Angeln. So griffen wir wieder einmal auf die bewährten 'Batchelors Baked Beans' zurück. Davon hatten wir immer genügend Vorrat an Bord. Es war geplant gewesen, auf einer Insel zu nächtigen. Darum hatten wir auch vorsorglich einige Flaschen Guinness gekauft, damit wir nicht verdursten mussten. Da kein Ort auf der Insel war, konnten wir den Abend auch nicht in einem Pub verbringen und kamen verhältnismäßig früh zur Ruhe.

Für heute hatten wir uns vorgenommen, den See bis zum Ende zu durchqueren und uns Athlone als Tagesziel gesetzt. Bei der Überquerung des Lough Ree hatten wir keine Schwierigkeiten. Auch heute wehte ein günstiger Wind, den wir nutzen wollten. Auf der Insel suchten wir uns einige kräftige, gerade gewachsene Stangen von einem Haselnussstrauch, die wir als Segelmast und Querstangen benutzen wollten. Dann funktionierten wir einen unserer Regen-ponchos um und hissten diesen als Segel. Schnell blähte der Wind dieses Segel und wir glitten kräfteschonend übers Wasser.
Wir begegneten sogar einigen Kabinenbooten. Das Geschäft mit den „Ferien auf einem Kabinenkreuzer“ auf dem Shannon steckte noch in den Kinderschuhen. Die sehr wenigen Bootstouristen, denen wir begegneten und die uns zuwinkten, staunten nicht schlecht über unsere kleine Nussschale, mit der wir unterwegs waren. Das störte uns aber in keiner Weise. Wohlbehalten erreichten wir Athlone, paddelten noch ein Stück weiter unter der großen Brücke hindurch bis kurz vor die Schleuse und suchten uns dort am Ortsrand einen Ankerplatz. Ausnahmsweise suchten wir hier einen Zeltplatz, wo wir nicht gerade auf dem Präsentierteller zu sehen waren.
Als wir nach einem Stadt- und Einkaufsbummel zum Lagerplatz zurück kamen, bemerkten wir, dass etwas nicht stimmte. Bei näherem Hinsehen stellten wir fest, dass sich jemand am Boot und den darin befindlichen Sachen zu schaffen gemacht hatte. Ausser ein paar Angelhaken und der Sehne fehlte aber nichts. Diesen Verlust konnte Robert noch verschmerzen. Es wurden ein paar Angelhaken und Angelschnur nachgekauft. In Athlone streiften wir ausgiebig durch den Ort, besichtigten das Castle bei der Brücke und besuchten das Postamt, um nach lagernder Post für zu fragen und Briefmarken zu erstehen, damit wir ein paar Karten an die "Lieben zu Hause" schreiben konnten.

Das Wetter trübte ein, es wurde frisch und windig, aber es blieb wenigstens trocken. Nachdem wir die Schleuse in Athlone problemlos passiert hatten, waren wir wieder auf dem eigentlichen Shannon, der sich durch die wellige Landschaft schlängelt. Lange Zeit waren die Kühe, die uns vom Ufer aus bestaunten, die einzigen Lebewesen, die wir zu sehen bekamen.
In aller Ruhe arbeiteten wir uns bis Clonmacnoise vor. Schon von Weitem konnten wir die Rundtürme der alten Kloster- und Kirchenanlage an der großen Schleife des Shannon erkennen. Es war selbstverständlich, dass wir diese Anlage ausgiebig besichtigten. Da wir die einzigen Besucher waren, konnten wir dies in aller Ruhe angehen. Dabei war viel Zeit verflossen und wir beschlossen, hier die Nacht zu verbringen.
Wir holten das Boot an Land und suchten einen Platz, wo wir die Apfelsine aufbauen konnten. Ausserhalb der Mauern der Klosteranlage fanden wir in einer Ruine eine sehr geschützte Ecke. Ideal für uns, da wir hier vor dem frischen Wind geschützt waren. Da Clonmacnoise für Leute, die zu Fuß unterwegs sind, doch recht einsam liegt, verbrachten wir den Abend in unserer geschützten Ecke am Lagerfeuer.

Das Wetter hatte sich ein wenig gebessert, als wir am nächsten Morgen aus den Schlafsäcken krochen. Die Sonne schien wieder häufiger. Das Zelt war abgebaut und alles wieder im Boot verstaut. Wir konnten also wieder starten. In Shannonbridge machten wir einen kurzen Stopp, um uns die Beine ein wenig zu vertreten. Wir gingen die Hauptstraße des Dorfes einmal rauf und wieder zurück. Das nannten wir "Die Meile abschreiten". Es gab jedoch nichts zu besichtigen und so paddelten wir weiter, bis wir nach Banagher kamen.
Hier wollten wir die Nacht verbringen. Bald hatten wir einen geeigneten Platz zwischen Straße und Hafen gefunden und bauten die Apfelsine auf. Beim Einkaufsbummel fiel uns ein Pub auf, der uns irgendwie anzog. Von außen machte er nicht gerade den ansprechendsten Eindruck, aber davon ließen wir uns nicht beirren. Da Einkaufen ja durstig macht, gingen wir hinein um ein Pint Guinness zu trinken. Es war schummerig und sehr rustikal aber das Guinness schmeckte.
Am Abend beschlossen wir, in diesen Pub zurück zu kehren. Wir haben es nicht bereut. Schon bald war die Bar mit Männern gefüllt. Ein paar mutige Frauen saßen in der Lounge, denn zu dieser Zeit war es den Frauen noch nicht gestattet, in der Bar gemeinsam mit den Männer zu trinken. Dafür war die Lounge vorgesehen. Bald kam auch Mary, um das alte klapprige Klavier, das in der Bar stand, zu bearbeiten. Wir waren in einem Sing-Song-Pub gelandet. Es wurde viel gesungen an diesem Abend.
Natürlich hatte man bald erkannt, dass wir Fremde waren und wir wurden gedrängt, auch etwas zu singen. Damit taten wir uns schwer. Robert hatte nicht gerade die beste Stimme zum Singen und ich selbst hatte auch noch nicht vor Publikum gesungen. Schließlich, als das Bitten denn kein Ende nahm, versuchten wir beide es gemeinsam mit dem Lied "Auf der Lüneburger Heide". Ich weiß nicht, wie es sich angehört hat. Jedenfalls bekamen wir riesigen Applaus (big hand for the singers). Nur mit einem Lied konnten wir nicht dienen. Es wurde immer wieder gefragt, ob wir "Lili Marleen" singen könnten. Leider kannten wir den Text dieses Liedes nicht.
Der Dorfpolizist war scheinbar weit und mit dem 'time now' nahm man es nicht so genau. Es wurde ein langer Abend.

Am nächsten Morgen wurden wir gegen 09:00 Uhr von dem Klappern und Rumpeln der Holzbohlen auf der Brücke geweckt. Wir hatten schon bemerkt, dass die Iren späte Aufsteher sind. Gegen 09:00 Uhr begann allmählich das Leben zu erwachen. Dann begann auch das Geklapper auf den Bohlen der Baily-Brücken, wenn die Leute mit dem Auto zur Arbeit fuhren. Bei fast jeder Steinrücke, die über den Shannon führte, war ein Bogen gesprengt und durch eine Stahlkonstruktion, eine so genannte Baily-Bridge, ersetzt worden. Der Boden dieser Brücken war mit starken Bohlen ausgelegt. Diese klapperten und rumpelten, wenn ein Fahrzeug darüber fuhr. Das war dann auch die Zeit, zu der wir aufstanden.
Morgentoilette, Feuer machen und Frühstück zubereiten, das heißt, Schinken, Eier und Würstchen brutzeln und Tee kochen. Anschließend Abwasch und die Sachen wieder verstauen und das Boot klar machen. Das war der normale Verlauf des Morgenrituals.
Die Strecke bis Portumna war bald bewältigt. Petrus meinte es auch gut mit uns und ein gutes Plätzchen für die Nacht fanden wir auch bald in der Nähe der großen Drehbrücke über den Shannon.
Heute wollten wir auch mal ein wenig in Sachen Kultur unternehmen und machten uns auf die Suche nach den Ruinen des Klosters und des Castles bei Portumna. In beiden stöberten wir herum, aber etwas aufregendes haben wir nicht entdeckt. Sie sind halt wie die meisten Ruinen in Irland. Das Dach fehlt und mit ein wenig Glück stehen noch alle vier Aussenwände. Den Abend verbrachten wir im Ort. Von der Brücke war es noch ein Stück zu laufen, aber den Weg nahmen wir gerne auf uns.

Über Nacht hatte sich der Himmel wieder bewölkt und es war trübe geworden. Das waren für unser heutiges Vorhaben nicht die besten Voraussetzungen. Es war unser ehrgeiziger Plan, den Lough Derg in einem Rutsch in seiner gesamten Länge zu überqueren und kurz vor oder in Killaloe unser Nachtlager aufzuschlagen.
Wir paddelten also kräftig los und bald hatte uns die Weite des Sees aufgenommen. Um den Wind zu nutzen, setzten wir wieder unser Segel aus dem Regenponcho. Das half auch beim Vorankommen. Bis der Regen einsetzte. Da brauchten wir den Poncho selber, um uns vor der Nässe von oben, mit der Petrus uns nun bedachte, zu schützen.
Bisher hatten wir ja mit dem Wetter viel Glück gehabt, denn zumeist war es trocken geblieben. Aber nun hatte es uns mit ganzer Macht erwischt. Wir schipperten mitten auf dem See und die Ufer zu beiden Seiten waren weit entfernt und verschwammen im Regen.
In der Hoffnung, dass der Regen bald wieder aufhören würde, paddelten wir eifrig weiter. Aber die Lust, weiter zu paddeln, sank immer mehr. Wir versuchten, auf eine der vielen kleinen Inseln zu kommen um dort Schutz vor dem Regen zu suchen. Aber die Inseln, an denen wir vorbeikamen, bestanden fast ausschließlich aus Binsen und schwammigem Untergrund. Das bedeutete, dass sie gar nicht betreten werden konnten und wir weiter paddeln mussten
Allmählich zermürbte uns das widrige Wetter. Wir hatten die Orientierung ein wenig verloren, ich meine, wir wussten nicht mehr so recht, auf welche Höhe auf dem See wir uns genau befanden. Alles war in tristes Regengrau verhüllt und die Entfernungen waren kaum noch abzuschätzen. Es musste eine Entscheidung getroffen werden. Mein Vorschlag an Robert lautete: "Wir halten jetzt einfach auf das nächste Gemäuer zu, das wir erkennen können. "
Mit diesem Vorschlag war er einverstanden. Wir hielten den Kurs und suchten im Dunst nach etwas, das wie ein Haus oder eine Ruine aussah. Endlich schimmerte etwas Helles durch den Regen, das nach einem größeren Gebäude aussah. Zielstrebig steuerten wir darauf zu. Als wir näher kamen, konnten wir die Ruine eines dicken Turmes oder ähnlichem erkennen. Schließlich erreichten wir den angesteuerten ‘Turm‘ und waren überrascht, dass wir in einem kleinen, geschützten Hafen gelandet waren, aber wo? Das war uns im Augenblick auch völlig egal. Für uns war wichtig, dass wir einen festen Platz an Land gefunden hatten, der auch noch gute Lagermöglichkeiten zu bieten schien. Und wie, um uns zu ärgern, ließ jetzt auch der Regen nach und bald hörte es ganz auf zu regnen.
Erschöpft vertäuten wir das Boot an einem Poller und gingen erst einmal auf den Kai, um uns ein wenig umzusehen.
Was wir sahen war gar nicht so übel. Ein paar Häuser und sogar ein Pub. Unsere Stimmung besserte sich auch wieder merklich. Bald hatten wir auch Kinder als erste Zaungäste, die uns bestaunten. Diese befragten wir vorsichtig, wo wir hier gelandet waren. Der kleine Ort mit Pier entpuppte sich als Garrykennedy. Diesen Ort suchten wir dann erst einmal auf unserer Landkarte und staunten nicht schlecht, welche Strecke wir trotz der sehr widrigen Wetterverhältnisse geschafft hatten.
Nun begannen wir uns am Hafen für die Nacht einzurichten. Im Schutz des großen Gemäuers, auf das wir so zielstrebig zu gepaddelt waren, bauten wir die Apfelsine auf. Um uns herum wurde es verhältnismäßig lebhaft. Autos kamen und fuhren wieder weg. Es war ein ständiges kommen und gehen, das eine ganze Weile anhielt. Es muss sich in Windeseile herumgesprochen haben, dass da ein paar Verrückte mit einem kleinen Boot angekommen waren. Dieses Ereignis konnte man sich schließlich nicht entgehen lassen und doch mal eben vorbei schauen. Wir frotzelten schon, dass wir eine Besichtungsgebühr kassieren sollten. Als wir beim Abendessen waren, kam sogar noch die Sonne zum Vorschein und zauberte einen riesigen Regenbogen über den See. Es schien, als wollte Petrus sich damit für diesen verregneten Tag entschuldigen.
Zur 'Hafenbar' hatten wir es nicht weit. Natürlich waren wir die ersten Gäste, es war ja auch noch verhältnismäßig früh am Abend. Die Einrichtung war sehr einfach. Als Sitzgelegenheit dienten Guinness-fässer, an der Wand aufgereiht, über die ein Brett gelegt war. Eine nackte Glühbirne baumelte als Lichtquelle von der Decke und der Tresen mit dem großen Zapfhahn fehlte auch nicht.
Wir freuten uns richtig auf ein schön gezapftes Guinness. Aber vor den Erfolg haben die Götter den Schweiß gesetzt. Die ältere Lady, die den Pub bewirtschaftete, bedauerte, aber das Fass sei leer. Es müsse ein neues angestochen werden, aber das sei vom Gewicht her zu schwer für sie. Wenn wir etwas zu trinken haben wollten, mussten wir zur Tat schreiten. Wir bauten also die ‘Sitzbank‘ auseinander und klopften an die Guinnessfässer, um festzustellen, welche leer und welche voll sind. Das volle Fass rollten wir dann zum Tresen und tauschten es aus, stellten das leere Fass dann wieder in die 'Sitzbank' und bauten diese wieder zusammen. In der Folge mussten wir das Fass auch noch anschließen. Da ließen wir es uns dann auch nicht mehr nehmen, das erste Pint selber zu zapfen.
Irgendwann kam noch ein weiterer Gast, eine Frau, die sich zu uns gesellte und uns in eine Unterhaltung verwickelte. Wir mussten natürlich von unserer abenteuerlichen Reise berichten und von Deutschland erzählen. Singen brauchten wir heute Gott sei Dank nicht. Sie stellte sich als Lehrerin vor, die in den Ferien nach Hause gekommen war. Wir führten bis zum 'time now' tiefschürfende Gespräche über die irische Sprache und die vielen Dialekte. Die Lehrerin erklärte uns, sie könne an der Aussprache erkennen, aus welcher Gegend Irlands die Leute stammen. Wir glaubten es ihr.

Ohne den zur Gewohnheit gewordenen Wecker, das Rumpeln auf den Baily-Brücken, wurden wir wach. Als wäre nichts gewesen, schien heute wieder die Sonne. Da machte das Paddeln auch wieder Spaß. Gegen Mittag hatten wir Killaloe erreicht. In einem Restaurant gönnten wir uns eine kleine Mahlzeit und nachdem wir uns den Ort angeschaut hatten, wollten wir unsere Reise fortsetzen.
Da musste jedoch zunächst ein großes Hindernis überwunden werden. Die Bögen der Brücke über den Shannon waren mit Eisengittern versehen und versperrten die Weiterfahrt. Wenn wir bis Limerick wollten, blieb uns also nichts weiter übrig als das Boot und das Gepäck um dieses Hindernis herum zu tragen. Dazu benötigten wir eine Weile, denn wir brauchten eine Stelle, wo wir das Boot wieder bequem ins Wasser lassen konnten.
Nachdem auch diese Hürde genommen war, setzten wir die Reise noch eine kurze Weile fort. Bald versperrte ein weiteres, riesiges Hindernis die Weiterfahrt. Vor uns erhob sich eine hohe Staumauer, die den Weg in den Kanal, der zum Shannon-Kraftwerk führt blockierte. Zunächst gingen wir an Land um die Lage zu peilen. Eine Schleuse gab es nicht. Also mussten wir das Boot wieder auspacken, aus dem Wasser holen und unsere gesamten 'Klamotten' wieder einmal um das Hindernis herum tragen. Das war heute das zweite mal. Wir ließen uns Zeit dabei. Weit wollten wir auch nicht mehr paddeln. Deshalb wurde nur flüchtig alles im Boot verstaut.
Als am Ufer eine Holzhütte auftauchte, bei der auch noch ein Wasserhahn war, hatten wir unser Tagesziel erreicht. Hier war es sehr ruhig und es würde uns sicher kein Mensch stören. Als wir uns eingerichtet hatten, packte Robert der Ehrgeiz. Es war die letzte Chance. Endlich wollte er noch einen dicken Fisch aus dem Wasser holen. Ein paar Würmer zum Ködern hatten wir auch gefunden. Es konnte also probiert werden. Wenn man den vielen Reiseprospekten glauben darf, soll es in Irland ja sehr viele Fische geben. Davon haben wir jedoch nicht viel bemerkt. Nach zwei, drei Stunden hatte Robert nur 2 knapp 15 – 20 cm große Fische gefangen. Es waren eigentlich mehr Köderfische. Wir legten sie trotzdem auf den Grill. Wenigsten einmal wollten wir selbst gefangenen Fisch essen und betrachteten das ganze als Vorspeise. Für den Rest des Tages genossen wir die wärmende Sonne.

Auch heute am Sonntag lachte die Sonne vom Himmel, als wir wieder aufbrachen. Es war die letzte Etappe auf dem Shannon. Limerick war nicht mehr weit. Vorbei an einer Fischreiherkolonie, die ungestört in den Bäumen am Kanal nisteten, erblickten wir nach einer Biegung plötzlich das mächtige Kraftwerk, das große Teile Irlands mit Elektrizität versorgt. Wir näherten uns dem Kraftwerk und paddelten einmal die Wasserfront ab. Zu unserer Freude gab es hier eine Schleuse. Jetzt mussten wir nur noch jemanden finden, der sie auch betätigen würde.
Das Boot wurde festgemacht und über einige Stufen gelangten wir nach oben. Irgendwo fanden wir auch eine offene Tür, durch die wir in das Innere des Kraftwerks gelangten. Bisher hatten wir noch keine Menschenseele gesehen. Mutig und frech machten wir uns auf die Suche, bis uns jemand über den Weg lief. Der gute Mann war ganz verwundert. Mit fremden Leuten im Kraftwerk hatte er nun wirklich nicht gerechnet. Er war sehr nett. Als wir dann auch noch unseren Wunsch vortrugen durchgeschleust zu werden, nahm das Wundern kein Ende. Noch größer war das Staunen, als er aus der Höhe unser kleines Boot sah. Nun mussten wir erst einmal erzählen. Ganz von Carrick on Shannon kommt ihr damit und die beiden großen Seen habt ihr auch damit überquert!? Vielleicht hat er uns bewundert. Aber wahrscheinlicher ist, dass er uns für ein wenig "crazy" hielt.
Er erklärte sich bereit, die Schleusen für uns zu öffnen. Das dauere allerdings ein wenig. Immerhin seien es drei Kammern, die wir überwinden mussten. So nebenbei erwähnte er, dass seines Wissens die Schleusen heute seit 23 Jahren zum ersten Mal wieder betätigt werden. Darüber waren wir nun erstaunt.
Ganz kostenlos wollte er den Job wohl auch nicht machen. Er erkundigte sich, was wir an den anderen Schleusen auf dem Shannon bezahlt hätten. Diese üblichen 50 Pence zahlten wir gerne. Wir verabschiedeten uns von dem freundlichen Mann, bugsierten das Boot vor die Schleuse und das Schleusen konnte beginnen.
In jeder Kammer wurden die Wände bedrohlich höher. Aber es hat alles prima geklappt. Als wir die letzte Kammer verließen, winkten wir dem "Schleusenwärter" noch einmal dankbar zu.
In Limerick versperren ebenfalls Eisengitter die Weiterfahrt auf dem Shannon. So endete hier ganz unspektakulär die Reise. Nun mussten wir nur noch aus dem Wasser kommen. Wir landeten schließlich in einem verwilderten Garten. Rotzfrech bauen wir hier unser Zelt unter den aufmerksamen Augen einiger Kinder auf. Am Himmel zogen allmählich dunkle Wolken auf. Nach einem Abendessen machten wir uns Stadtfein und begaben uns in die Stadt. Als wir uns aus dem Garten auf die Straße schlichen, stellten wir fest, dass der Garten zu einem Pub gehörte. Das konnte man sich gut merken um den Platz wieder zu finden.
Wir erkundeten zunächst die nähere Umgebung, denn die Stadt würden wir am nächsten Tag genauer erforschen. Zum King’s John Castle war es nicht weit und auch der "treaty stone" war nicht weit entfernt. Diesen Stein hatten wir uns allerdings größer vorgestellt. Man kann ihn fast übersehen. Zwischendurch hatte es ein wenig geregnet und wir waren in einen Pub geflüchtet. Dort haben wir auch ein wenig gegessen.
Als wir nach dem 'time now' den Heimweg antraten, staunten wir, dass in "unserem" Pub noch Licht brannte und es recht laut zuging. Neugierig gingen wir hinein. Die Bar war noch voll und es herrschte eine gute Stimmung. Es wurde auch noch gesungen. Uns schwante nichts Gutes. Es dauerte auch nicht lange und wir wurden aufgefordert, mit einem deutschen Lied, möglichst Lili Marleen, einen Gesangsbeitrag zu liefern. Nachdem wir uns längere Zeit geziert hatten, sangen wir beiden dann doch noch unser Standardlied "Auf der Lüneburger Heide". Endlich wurde auch hier mit dem Licht geflackert. Heute war der Heimweg nicht weit. Wir schlichen durch den Hinterausgang hinaus zu unserem Zelt.

Vom Trommeln des Regens auf unser Zelt wurden wir geweckt. Alles grau in grau. Es half nichts, wir mussten doch aufstehen. Der Regen ließ zwar nach, aber den ganzen Tag wurde es nicht richtig hell. Um unser Zelt streunte ein typischer irischer Hund. Wir streichelten ihn einige Male. Das war ein gut gemeinter Fehler. Irische Hunde werden nicht all zu sehr verwöhnt und diese Streicheleinheiten hatten dem Hund offenbar recht gut getan. Als wir in die Stadt aufbrachen, hatten wir einen Begleiter. Der Hund ging brav an unserer Seite. Das hatte uns noch gefehlt. Wie sollten wir den nun wieder los werden? Wir beobachteten ihn genau. Wenn er mal irgendwo länger zum Schnuppern stehen blieb, gingen wir schneller, oder bogen um die nächste Straßenecke. Aber diese Tricks zeigten keine Wirkung. Als er einen Augenblick nicht zu sehen war, sahen wir die Rettung in einem Pub, in dem wir schnell verschwanden. Als wir unser Pint Guinness geleert hatten und wieder auf die Straße kamen, war der Hund wieder da. Er hatte vor der Tür gewartet.
Also begann das Versteckspielen von neuem. Schließlich hatte er einen anderen Hund gefunden, um den er sich zunächst kümmerte. Wieder verschwanden wir in einem Pub. Jedesmal wenn die Tür aufging, schauten wir ängstlich, ob der Hund hereinkommen würde. Endlich meinten wir, dass wir wieder weiter in die Stadt ziehen sollten. Der Hund war zu unserer Erleichterung nicht vor der Tür. So gingen wir in die Stadt um uns dort einiges anzusehen und ein wenig einzukaufen. Auch ein Gang zum Bahnhof gehörte dazu. Wir erkundigten uns nach Abfahrtzeiten der Züge nach Dublin. Denn unser Urlaub neigte sich dem Ende zu.

Noch eine weitere Nacht verbrachten wir in Limerick. Am nächsten Morgen ging es früh zum Bahnhof und mit dem Zug nach Dublin. Dort war nicht mehr viel Zeit. Mit dem Bus fuhren wir gleich weiter zum Flughafen. Nach dem Einchecken tranken wir noch ein letztes Guinness, bevor uns die Aer Lingus wieder nach London flog. Von dort ging es mit Britisch Airways zurück
nach Bremen, wo unsere Reise endete.

Aufgezeichnet im Jahre 2003
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