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1968-1 Truppfahrt in den Spessart 1968

Teilnehmer:
Rolf Burfeind (Nuffy)
Gustav-Adolf Deutelmoser (Püster)
Volker Lemke
Manfred Mühler
Hermann Naused (Mini)
Jochen Tiessen
Gunter Vogt

29. Juli 1968
Heute begann sie, unsere Großfahrt. Wir alle sind darauf gespannt wie sie enden wird. 15 Tage werden wir noch in dieser herrlichen Landschaft verweilen. Es werden schöne, aber auch anstrengende Tage sein. Der heutige Tag begann für alle von uns um 5.00 Uhr. Nach 45 min. erreichten wir unser 1. Etappenziel, Bremerhaven. Nach einiger Wartezeit im Bremerhavener HBf stiegen wir in unseren D-Zug, der uns über Bremerhaven, Elze, Northein, Böttingen, Eschwege, Bebra und Jassa nach Gmünden brachte. Von da aus fuhren wir dann nach Aschaffenburg. Vom Bahnhof zogen wir dann durch die Stadt, was natürlich für einigen Aufruhr sorgte. In einiger Distanz von Aschaffenburg hatten wir dann unseren Übernachtungsplatz (wir schlugen keine Kohte auf) erreicht. Jetzt müssen wir flüchten, die Ziegen haben uns entdeckt. Nuffy und Gunter holen ein. Wir anderen sitzen im Baum und halten Ausschau und rüsten uns zum erbitterten Kampf. Nur Püster behält die Ruhe und liest überzeugt die "Hannoversche Allgemeine". Nachdem Nuffy und Gunter vom Einkaufen zurück waren haben wir zu Abend gegessen. Da uns der Lagerplatz nicht besonders gefiel, zogen Püster und Gunter los, um einen besseren Platz zu erkunden. Nach einiger Zeit kamen sie wieder und hatten auch einen besseren Platz ganz nahe am Main gefunden. Dorthin zogen wir dann mit unserem Gepäck und machten unsere Schlafsäcke bereit und verstauten das Gepäck in den Büschen. Darauf zogen wir am Main entlang nach Aschaffenburg hinein, um noch ein wenig durch die Stadt zu latschen. Todmüde krochen wir gegen 22.00 Uhr in die Schlafsäcke.

30. Juli 1968
Nach einer ruhigen Nacht wachten die ersten von uns schon gegen 5.00 Uhr wieder auf. Während Püster, Nuffy und Gunter noch längere Zeit in den Schlafsäcken blieben, tobten die vier jüngeren schon munter durch die Gegend und am Main entlang. Kurz nach 8.00 Uhr wurden die drei endgültig aus den Schlafsäcken geholt, und runter ging es an den Main zum Baden und Waschen. Nachdem wir dort eine Stunde im Wasser getobt hatten, machten wir uns ans frühstücken. Anschließend räumten wir den Schlafplatz auf, verstauten das Gepäck und zogen wieder in die Stadt. Die Sonne brannte inzwischen auch schon ganz schön. Beim ersten Eisladen warf Gunter erst mal eine Runde Soft-Eis auf den Markt. Nachdem wir einige Zeit planlos durch die Stadt gezogen waren, machten wir uns in den großen Kaufhäusern auf die Suche nach einem guten, aber nicht zu teuren Mittagessen. Fanden aber nichts passendes. Schließlich landeten wir im Bahnhofsrestaurant, wo wir dann auch "speisten". Nach dem Mittagessen machten wir uns auf, um das Fürstenhaus "Johannisburg" zu besuchen. In der "Johannisburg" die noch restauriert wird, sahen wir einigen Steinmetzen bei der Arbeit zu. Dann zogen wir durch die riesigen Räume der Burg, die eine Gemäldesammlung Lucas Cranach und eine Korbmodellausstellung beherbergte. Nach der Burgbesichtigung zogen wir noch ein wenig durch die Stadt, kauften etwas zu Essen ein und zogen dann zu unserem Lagerplatz zurück. Da uns die Hitze aber sehr zusetzte, mußten wir noch 2 Liter "Radlermaß" trinken. Um uns dann ein wenig zu erfrischen, sprangen wir noch einmal in den Main. Dann aßen wir Abendbrot und krochen bald darauf in die Schlafsäcke, da das viele Laufen auf dem Pflaster uns doch wohl sehr ermüdet hat.

31. Juli 1968
Heute mußten wir früh aufstehen, denn um 8.30 Uhr wollten wir mit dem Schiff den Main aufwärtsfahren. Deshalb weckte Gunter uns bereits um 5.30 Uhr. Keiner wollte so recht aufstehen, denn es war noch recht kühl. Endlich raffte Püster sich auf und zog die anderen aus ihren Schlafsäcken. Schnell runter zum Main zum Waschen und dann ging es ans frühstücken. Punkt halb acht verließen wir unseren Lagerplatz und zogen zum Floßhafen. Wir waren mit die ersten Fahrgäste an Bord und konnten uns vorne auf dem Deck noch gute Plätze sichern. Kurz nach 9.00 erreichte das Schiff die erste Staustufe Obernau, wo das Wasser in der Schleuse 4 Meter angehoben wird. Nach einer weiteren Schleusendurchfahrt erreichten wir unseren Zielhafen Klingenberg/Main um 11.30 Uhr. Dann zogen wir in die Stadt und kauften noch Brot und Bananen und Gurken ein. Anschließend zog es uns zur Klingenburgruine hinauf. Nachdem wir genügend in den Mauerresten herumgetobt und die herrliche Aussicht über den Odenwald und Main auf- und abwärts genossen hatten machten wir uns im Burghof Brote und aßen erst einmal. Als wir dann ausgiebig gegessen und uns den Magen vollgehauen hatten, wanderten wir auf gekennzeichneten Wanderwegen zu einem Aussichtsturm. Leider machten wir dabei einen gewaltigen Umweg, da die Wege teilweise schlecht gezeichnet waren und wir dadurch eine Abzweigung verpaßten. Endlich hatten wir uns bis zum Turm emporgearbeitet, als wir enttäuscht feststellen mußten, daß der Turm gesperrt und es mit der schönen Aussicht vorbei war. Nach einer kurzen Rast ging es durch herrliche Waldungen zu einer Tonkuhle, die noch zu Klingenberg gehört. Hier wird der Ton im Untertagebau gefördert. Leider konnten wir auch hier nichts besichtigen und wir zogen weiter nach Schmachtenberg. Dort kauften wir bei einem Höker noch Lebensmittel ein und suchten uns einen Schlafplatz, den wir auch bald gefunden hatten. Mini beschäftigte sich dort erst einmal mit den ersten Ansätzen von Blasen. Sie schienen gut zu werden. Die anderen bauten schnell eine Feuerstelle und suchten Feuerholz, damit wir unser Essen kochen konnten. Wir kochten heute zum ersten Male auf der Fahrt und es gab Nudeln mit Eiern. Kurz vor 20.00 Uhr gingen wir noch einmal nach Schmachtenberg um den berühmten Klingenberger Rotwein zu probieren. Nach einem heißen und anstrengendem Tag ging es aber bald in die Schlafsäcke.

1. August 1968
Heute morgen wurden wir gegen 6.00 Uhr von einigen Regentropfen geweckt. Noch im Halbschlaf packten wir die Sachen regensicher weg und verkrochen uns mit unseren Schlafsäcken in den Ponchos. Mit dem Regen wurde es glücklicherweise nicht schlimm und wir konnten noch bis 8.00 Uhr weiterschlafen. Dann standen wir langsam auf, packten und frühstückten. Währenddessen merkten wir schon, daß sich ein Gewitter zusammenbraute. Als wir dann knapp einen Kilometer gelaufen waren, fing es auch schon fürchterlich zu regnen an. Wir retteten uns mit 4 anderen Leuten unter ein Vordach einer Kapelle. Dort zogen wir die Ponchos über und zogen weiter. Plötzlich hörten wir ein Geschrei hinter uns. Es waren die vier anderen Leute, die mit unserem Fernglas winkten, das Manfred hatte liegen lassen. Dann zogen wir, vermummt wie wir waren, in Mouchberg ein. Die Leute staunten und sahen uns lachend nach, wie wir im strömenden Regen schnurstracks zur Badeanstalt zogen. Dort zogen wir die große "Show" ab, als wir erst gegen jedes Wasser gefeit auf einmal die einzigen Leute im Wasser waren. Nachdem wir ausgiebig gebadet hatten, zogen wir in die Stadt, wollten zur Post und Geld holen, war aber schon geschlossen, und kauften noch einige Sachen ein. Dann zogen wir Richtung Eschau. Die Wege waren ganz schön aufgeweicht vom Regen. Gegen 14.00 Uhr waren wir in Eschau angekommen. Leider machte die Post hier erst um 15.00 Uhr auf. Da wir aber unbedingt Geld benötigten, mußten wir die 1 Stunde Wartezeit in Kauf nehmen. Inzwischen kauften wir für unser Mittagessen ein. Kurz vor Eschau hatten wir einige Brote gegessen und den Topf in einem Bach gewaschen. Von Eschau ging es dann weiter nach Wildenstein. Kurz vor Wildenstein ist ein Wildgehege, in dem täglich ab 16.00 Uhr Wildschweine gefüttert werden. Das konnten wir uns natürlich nicht entgehen lassen. Wir packten unsere Affen in den Straßengraben und eilten auf dem ausgeschilderten Weg zur Fütterung. Dort trafen wir gerade noch rechtzeitig ein! An der Futterstelle waren sehr viel Wildschweine, von denen eine große Anzahl Frischlinge waren. Von der Fütterung waren wir ein wenig enttäuscht, weil wir uns das ganze ein wenig anders vorgestellt hatten. Bald fing es dann auch wieder an zu regnen, und wir schlugen uns unter den Bäumen zu unserem Gepäck zurück. Nach kurzer Zeit hörte der Regen auf und es ging weiter. Bald hatten wir Wildenstein erreicht und da führte der Weg steil bergan. Plötzlich standen wir vor Ruinen. Da uns der Platz gut gefiel und wir unser Tagesziel auch fast erreicht hatten, beschlossen wir hier zu bleiben. Dann ging alles sehr schnell. Die Kohte aufgebaut, Wasser und Feuerholz geholt und Essen gekocht. Um 20.00 Uhr war gegessen und die Kohte eingeräumt. Zum Essen gab es heute eine kräftige Gemüsesuppe mit Wursteinlage. Nachdem wir etwas Warmes im Magen hatten, krochen wir bald in die Schlafsäcke.

2. August 1968
Nachdem wir 11 Stunden geschlafen hatten, weckte uns Gunter um 7.00 Uhr. Wir frühstückten und bauten ab. Kurz nach 9.00 Uhr machten wir uns wieder auf den Weg. Allerbest sah das Wetter nicht aus, aber vorerst war es trocken. An einer Wegekreuzung hatten wir plötzlich unseren Wanderweg verloren. Gunter und Püster gingen erst einmal ohne Gepäck weiter, um das Wegezeichen wiederzufinden. Es dauerte eine ganze Weile ehe sie wiederkamen. Aber sie hatten den Weg gefunden. Dann näherten wir uns dem Ludwig Keller Turm nahe Oberwintersbach von dem man bei guter Sicht einen schönen, weiten Ausblick über den Spessart hat. Leider war der Himmel heute sehr bedeckt und wir hatten nicht die beste Aussicht. Von Oberwintersbach ging es rüber nach Krausenbach. So hoch wir uns vorher über den Berg gequält hatten, so steil ging es jetzt wieder bergab. Als wir in Krausenbach ankamen, kauften wir noch schnell einige Sachen zu Essen ein. Dann ging es weiter, bis wir an einen Bach kamen. Dort haben wir uns erst einmal gründlich gewaschen und weil dort eine Quelle war, haben wir dort auch gleich gegessen. Dann ging es wieder steil bergan. Wir hatten ganz schön zu pusten und schwitzten, bis wir die Höhe erreicht hatten. Mittlerweile hatte es auch ein wenig zu regnen angefangen, aber wir gingen zügig weiter, und immer noch bergauf. Gegen 16.30 Uhr erreichten wir Heimbuchenthal. Hier kauften wir noch Kerzen. Dann suchten wir einen Kohtenplatz. Auf einer Plattform am Hang hatten wir einen geeigneten Platz gefunden und bauten die Kohte auf. Es regnete zwar nicht mehr so stark, aber es tröpfelte immer noch. Gleichzeitig mit dem Kohtenaufbau fingen wir auch zu kochen an. Heute gab es Labskaus. Um 19.30 Uhr war das Essen fertig und der Topf wurde schnell leer. Bald darauf krochen wir, zwar unter einigem Meckern der jüngeren, in die Schlafsäcke und erzählten noch ein wenig.

3. August 1968
In der letzten Nacht hat es fürchterlich geregnet, aber unsere Sachen sind noch trocken geblieben. Gunter hatte zwar Bedenken, daß es irgendwo durchleckte und ist ein paarmal mit der Taschenlampe durch die Kohte gekrochen, aber die Bahnen hielten dem Regen stand. Um 8.00 Uhr rum wachten die ersten auf, und da es immer noch regnete und sie nicht rauskonnten, fingen Volker und Mini an "phantastische Geschichten" zu erzählen. Um 9.30 Uhr fing Manfred an zu quaken, er könne nicht mehr liegen. Gunter machte ihm den Vorschlag, einkaufen zu gehen. Sofort standen die 4 Jüngsten auf und Gunter sagte ihnen an, was sie einkaufen sollten, was Manfred sich auf einen Zettel schrieb. Die anderen 3 wuschen sich und sammelten anschließend Feuerholz. Gegen 11.30 Uhr kamen die 4 endlich vom Einkaufen wieder. Wir hatten schon gedacht, sie wären auf einem Minigolfplatz, aber sie kamen mit einem großen Karton Lebensmittel an. Sofort fingen wir an zu kochen. Heute gab es Milchreis mit Apfelmus. Um 13.00 Uhr war der Reis gar und wir aßen mit Heißhunger, da wir ja kein Frühstück bekommen hatten. Dann wurde der Topf geschrubbt und unsere Jüngsten zogen in die Gegend. Später erzählten sie uns, daß sie schon bis zum Schloß Mespelbrunn getippelt waren. Wir andern gingen zum Minigolfplatz und spielten eine Runde. Sieger wurde Nuffy mit 58 Schlägen. Dann tranken wir dort noch ein Bier und gingen zur Kohte zurück. Die anderen waren inzwischen auch wieder zurück und bruzzelten sich eine Wurst überm Feuer. Da schon wieder Regen aufzog, machten wir uns alle daran einen großen Haufen Feuerholz zu sammeln. Dann kochten wir Tee und aßen Abendbrot. Da es inzwischen ganz schön regnete, krochen wir in die Kohte und in die Schlafsäcke.

4. August 1968
Die ganze Nacht hat es wieder geregnet und das Wetter wurde und wurde nicht besser. Gefrühstückt wurde heute in der Kohte. Dann wurde in der Kohte rummgegammelt und gealbert. Gegen Mittag ließ der Regen ein wenig nach und wir hatten nichts eiligeres zu tun, als ans Essen kochen zu denken. Für heute stand "Himmel und Erde" auf dem Küchenzettel. Nach einer Stunde war auch dieses Essen, dank unseres gestern gesammelten Holzes, gar und fertig. 2 Leuten schmeckte es nicht besonders, aber man muß sich halt der Mehrheit fügen. Bald setzte der Regen wieder ein und wir krochen in die Kohte. Dort spielten wir dann bis kurz vor 16.00 Uhr Karten und versuchten anschließend 1 Stunde zu schlafen. Gegen 17.00 Uhr wachte Gunter wieder auf, da sein Schlafsack am Fußende langsam aber sicher naß wurde. Nach einigem Suchen war die undichte Stelle gefunden und der Schaden bald behoben, indem ein Kochgeschirr unter die undichte Stelle gehängt wurde. Bald begannen wir dann mit dem schmieren der Brote für das Abendessen. Volker schlief immer noch. Als wir dann fertig waren wurde Volker geweckt. Mit seinem Erwachen entfachte er ein großes Gelächter, weil er ganz benommen zu sich kam und eine ganze Weile brauchte, bis er richtig wach war. Nach dem Abendbrot ging es gleich wieder in die Pennbeutel, da es immer noch regnete.

5. August 1968
Als wir heute Morgen aufwachten, schien endlich die Sonne. Um 7.30 Uhr standen wir dann auf, gingen zum Waschen und begannen dann zu frühstücken. Anschließend machten wir uns ans Packen und Aufräumen. Von unserem restlichen Feuerholz machten wir ein schönes Feuer in der Kohte, damit die Bahnen noch abtrocknen konnten. Ganz trocken haben wir sie nicht bekommen. Kurz nach 10.00 Uhr waren wir startbereit und zogen los in Richtung Mespelbrunn. In Mespelbrunn ging es dann gleich zum Wasserschloß, wo wir uns einer Führung anschlossen. Wir wurden durch den Rittersaal, den Speisesaal, das Echterzimmer und verschiedene andere Räume geführt. Das Schloß wurde im 17. Jahrhundert erbaut und wird noch heute von den Grafen Ingelheim bewohnt. Nachdem die Fotografen unter uns sich an den vielen Motiven des Schloßes ausgetobt hatten, ging unsere Wanderung weiter. Durch den riesigen Waldbesitz des Schloßes zum Echterpfahl und weiter nach Weibersbrunnen. Kurz vor Weibersbrunnen kreuzten wir die Spessartautobahn und sahen dem regen Verkehr auf der Autobahn eine ganze Weile zu. In Weibersbrunnen kauften wir dann erstmal Brote und weitere Lebensmittel ein. Mitlerweile war es 15.00 Uhr geworden und gleich nach den letzten Häusern schmierten wir Brote und aßen etwas. Dann ging es noch über einige Höhen und Täler nach Rothenbuch. Da Gunter das Knie schmerzte und Mini die Fußballen schmerzten, beschlossen wir in der Nähe von Rothenbuch zu bleiben. Am anderen Ende des Dorfes stiegen wir einen Berg hinauf und bauten unsere Kohte auf, da uns das Wetter nicht ganz geheuer war. Nuffy ging wieder ins Dorf um Wasser zu holen und die anderen bauten die Kohte auf. Als die Kohte stand, begannen wir zu kochen. Da stießen wir auf Schwierigkeiten. Gunter hatte vergessen Mehl und Eier einzukaufen. Volker und Mini schossen noch einmal ins Dorf und versuchten, das Vergessene zu besorgen. Ihr Unternehmen war mit Erfolg beschieden. Gegen 20.30 Uhr kamen sie wieder. Nun wurde es auch langsam Zeit, denn es wurde schon dunkel, und Gunter mußte das Essen beim Schein einer Taschenlampe zubereiten. Aber die Nudeln mit Hackfleisch und Tomatensoße gelangen ihm auch bei den gegebenen schlechten Verhältnissen. Nachdem das Feuer herruntergebrannt war, gingen Nuffy, Püster und Gunter noch einmal nach Rothenbuch, um ein Bier zu trinken. Die anderen krochen schon die Schlafsäcke.

6. August 1968
Nachdem es die Nacht über trocken war, begann es um 5.30 Uhr zu regnen. Es war zwar nur ein kleiner Schauer, aber die Kohte war mal wieder naß. Langsam quälte sich dann im Laufe des Vormittags die Sonne hervor und trocknete die Kohte. Jochen und Volker waren inzwischen auch zum Einkaufen gewesen und wir konnten frühstücken. Die Zeit war inzwischen auch schon weit vorgeschritten und es war 12.15 Uhr als wir unseren Lagerplatz aufgeräumt hatten und weiter ziehen konnten. Nach einigen hundert Metern wurden wir von einem Gewitter überrascht und mußten unsere Ponchos überziehen. Dann zogen wir weiter und nach wenigen Metern gab es eine neue Überraschung: der ganze Weg lag voller frisch gefällter Bäume, und es begann eine interessante Turnerei über die Baumstämme. Nachdem auch dies Hindernis genommen war, gelangten wir an einen Bach. Hier wuschen wir uns erst einmal gründlich und putzten unsere Kochgeschirre und den Kochtopf. Damit ging die Zeit hin. Während Nuffy noch den Topf schrubbte, begann Volker mit Steinen und Gras den Bach zu stauen, worauf sich ein schöner See zu bilden begann. Nach dieser längeren Rast zogen wir nach Neuhütten. Hier meldeten sich auch unsere Mägen wieder, und bei einer Mühle machten wir Mittagspause. Auf der Brücke über den Mühlbach machten wir uns breit und schmierten Brote. Jochen zog mit dem Pott los um Wasser zu holen, damit wir uns einen Saft mischen konnten. Während wir noch beim schmieren waren, braute sich wieder ein Gewitter zusammen. Wir haben die letzten Brote noch nicht verspeist, als ein Wind aufkam und ein Regenschauer niederprasselte. Wir flüchteten mit unserem Gepäck in die Mühle, wo wir vor dem Unwetter geschützt waren. Dann wurde die Mühle erst einmal einer genauen Untersuchung, mit Kerze und Taschenlampe, unterzogen. Als der Regen aufhörte, zogen Volker und Jochen los ins Dorf und wollten versuchen, bei einem Bauern unterzukommen. Aber ihre Aktion war erfolglos. Nach ihrer Rückkehr beschlossen wir weiter zu gehen, jedoch vorher noch für das Abendbrot einzukaufen. Also mußten Mini und Manfred los. Es dauerte eine ganze Weile, ehe sie wiederkamen. Endlich zogen wir weiter. Es war zwar trocken, aber die Luft war ziemlich feucht. Es war interessant zu beobachten, wie von den umliegenden Hängen dicke Nebelschwaden aufstiegen. Auf der Hälfte zwischen Neuhütten und Wiesthal, 100 Meter vor der Bahnstrecke Frankfurt/M Gemünden, fanden wir einen halbwegs geeigneten Kohtenplatz. Warmes Essen hatten wir für heute schon aufgegeben, aber es zeigte sich ein Silberstreif in Form eines Sägewerkes am Horizont. Püster, Nuffy und Gunter bauten die Kohte auf und die andern vier zogen zum Sägewerk und versuchten Holz und Wasser zu bekommen. Vollbepackt kamen sie wieder. Nun konnten wir doch noch kochen. Es wurde zwar 21.45 Uhr, als das Essen, Linsen mit Speck, fertig war, aber wir hatten ja genügend Abwechslung. Wir mußten unsere durchnäßten Schuhe am Feuer trocknen und hatten genügend damit zu tun, die vielbefahrene Eisenbahnstrecke zu betrachten. Damit und mit "Eisenbahnfachsimpeleien" ging die Zeit schnell hin. Unsere Schuhe waren zwar noch nicht trocken, die Mägen aber gefüllt, und die Augendeckel schwer. So krochen wir in die Kohte.

7. August 1968
Heute kamen wir sehr spät hoch. Bis 11.30 Uhr haben wir die Zeit vertrödelt. Püster, Nuffy und Gunter lösten Kreuzworträtsel und die andern strolchten durch die Gegend. Endlich raffen wir uns auf und wanderten gegen 12.30 Uhr weiter. Manfred hatte sich noch kurz vorher beim Toben den rechten Fuß verstaucht und saß an der Lohr, um ihn zu kühlen. Wir nahmen sein Gepäck ein Stück mit und dann ging es endgültig weiter. Bald erreichten wir Wiesthal. Hier mußten wir eine ganze Weile suchen, um unseren Wanderweg wiederzufinden. Als wir ihn gefunden hatten gingen wir wieder ins Dorf, kauften ein und erkundigten uns nach einer Busverbindung nach Frammersbach. Leider besteht aber nur an Samstagen eine Busverbindung dorthin. Wir wollten Manfred, um seinen Fuß zu schonen, mit dem Bus vorausfahren lassen, aber unter den gegebenen Umständen mußte er nun doch mitlaufen. Als wir schließlich vom Einkaufen zurückkamen, beschlossen wir auf das Essen zu verzichten, und gleich weiterzuziehen, damit wir nicht so spät in Frammersbach ankommen. Kurz nach 17.00 Uhr kamen wir in Frammersbach an und zogen, unserem Wanderweg folgend, durch den recht großen Ort. Da wir an einer Eisdiele vorbeikamen, entschieden wir, hineinzugehen und einen Eisbecher zu verdrücken. Dann zogen wir aus dem Ort heraus und hatten bald einen guten Kohtenplatz gefunden. Wir begannen dann auch gleich mit Kohtenaufbau und Kochen. Heute wollten wir mal wieder früher essen. Gunter mühte sich redlich ab, Reis und Gulasch zuzubereiten. Beim Bereiten der Soße schlugen ihm Flammen in die Pfanne und die Soße schmeckte dann auch ein wenig "flambiert". Aber wir haben heute wieder im Hellen gegessen. Gegen 21.00 Uhr krochen wir in die Kohte und erzählten noch eine ganze Weile über alles mögliche und unmögliche, ehe wir nach und nach einschliefen.

8. August 1968
Auch wenn wir heute in Frammersbach bleiben wollten, wollen wir doch nicht wieder den ganzen Vormittag vergammeln. Punkt 8.00 Uhr, beim Glockenläuten, standen wir auf und schmierten Brote. Nach dem Frühstück gegen 9.30 Uhr, hatten wir uns stadtfein gemacht und zogen geschlossen in den Ort. Mini mußte zur Post und Geld holen, während Püster und Gunter zur Gemeindeverwaltung gingen um die Anträge auf Fahrtenzuschüsse bescheinigen zu lassen. Dann zogen wir noch ein wenig durchs Dorf und kauften für das Mittagessen ein. Als wir wieder bei der Kohte ankamen, fing es auch mal wieder zu regnen an. Püster hatte sich die Zeitung gekauft, die dann erstmal von allen gelesen wurde. Als der Regen dann ein wenig nachließ, gingen Jochen, Mini, Manfred und Volker los um die Kochgeschirre und den Kochpott zu säubern, während Püster und Nuffy Feuerholz sammelten und Gunter das Essen vorbereitete. Aber der Regen setzte bald wieder ein. Es war gewaltig schwierig mit nassem Holz zu kochen, aber etwas warmes wollten wir in den Magen haben. Manfred, und später Volker, Nuffy und Gunter mühten sich, das Feuer durch fächeln mit einem Sack am Brennen zu halten. Es sollte zwar nur eine Gemüsesuppe geben, aber auch das Gemüse muß gar gekocht sein. Um 15.30 Uhr hatten sie keine Lust mehr. Die Kohlrabi waren zwar noch nicht ganz gar, aber es mußte eben gehen. Gemeckert hat dann auch keiner darüber. Als wir die Suppe verspeist hatten, gingen unsere 4 Lütten wieder zum Pottschrubben, da sie es am Vormittag nicht ordentlich gemacht hatten. Die anderen 3 gingen noch einmal ins Dorf um für das Abendbrot und das Frühstück einzukaufen. Dann trafen wir uns alle in der Eisdiele wieder. Als wir ein Eis und Milchmixgetränke verzehrt hatten, zogen wir wieder zur Kohte. Dort aßen wir dann das Abendbrot und krochen, da es immer noch regnete, in die Schlafsäcke. Nur Nuffy und Gunter hatten noch Durst und gingen noch in die Wirtschaft um ein Bier zu trinken und Zeitungen zu lesen. Als sie zur Kohte zurückkamen, waren die andern immer noch am Erzählen. Aber bald trat dann Ruhe ein. Der Regen hatte auch aufgehört.

9. August 1968
Die letzte Nacht war wieder unruhig. Um 0.30 Uhr setzte wieder starker Regen ein. An der Bindung am Kohtenkreuz leckte es wieder runter und Gunter mußte mal wieder ein Kochgeschirr darunterhängen um das Wasser aufzufangen. Es regnete dann noch eine ganze Weile weiter. Um 7.00 Uhr wurden wir vom Geläut der Glocken geweckt und punkt acht, mit dem Glockenschlag, standen wir auf. Dann frühstückten wir, räumten auf und bauten die Kohte ab. Es war zwar trocken, sah aber sehr nach Regen aus. Um 10.00 Uhr verließen wir dann Frammersbach und folgten unserem Wanderweg in Richtung Ruppertshütten. Zwischendurch hatten wir einige male Schwierigkeiten dem Wanderweg zu folgen, da einige Kreuzungen sehr schlecht mit Wegezeichen markiert waren. Wir kamen aber in Ruppertshütten an. Kaum hatten wir die ersten Häuser des Ortes erreicht, als es auch schon wieder zu regnen begann. Nebenbei zog auch ein kleines Gewitter auf. Nun, nach soviel Regen, wurden wir langsam mutlos und wollten nicht weiterlaufen. Bei einem Kaufmann schauerten wir unter einem großen Vordach. Heute wollten wir versuchen, im Heu bei einem Bauern zu schlafen. Volker zog gleich mit Begeisterung los um zu fragen. Nach kurzer Zeit kam er wieder und strahlte. Man hatte ihm erzählt, es gäbe ein Jugendheim, wo schon öfter mal Pfadfinder übernachtet hätten, dort sollten wir mal nachfragen. Also zogen wir los. Wir mußten erst an mehreren Türen klingeln, bis wir an der richtigen Adresse waren. Der zuständige Verwalter war zwar auch nicht zu Hause, aber die Schwiegermutter meinte, daß wir wohl in dem Haus schlafen könnten. Na, wir machten es uns in dem im gleichen Haus befindlichen Kindergarten bequem, das heißt, in den Kinderstühlen, die auf einer überdachten Veranda standen. Dann kauften wir noch zu essen ein und begannen dann zu essen. Plötzlich tauchte die Schwiegermutter bei uns auf und meinte, wir könnten in das Haus hinein, sie hätte mit ihrem Schwiegersohn gesprochen. Selbiger käme gegen 17.00 Uhr von der Arbeit nach Hause und das weitere könnten wir dann mit ihm regeln. Nachdem wir unsere Sachen eingeräumt hatten zogen wir wieder zum Einkaufen für das warme Essen. Heute waren wir gut dran mit kochen, denn wir durften im Jugendheim auf einem 4-flammigen Elektroherd bruzzeln, was Gunter dann auch voll ausnutzte. Heute wollten wir Kartoffeln mit Senfsoße und Eiern essen. Inzwischen hatten wir auch mit Herrn Inderweis, dem Verwalter des Hauses, gesprochen. Er hatte uns angeboten, daß wir einige Nächte hier verbringen dürften. Wahrscheinlich werden wir davon Gebrauch machen. Gegen 18.00 Uhr begannen wir zu kochen und um 19.00 Uhr war das Essen fertig. Heute konnten wir ganz vornehm von Tellern essen. Dann wuschen wir ab und machten unser Kochgeschirr auch gleich ordentlich mit sauber. Anschließend spielten Püster und Manfred ein Tischtennismatch, das Püster gewann. Jochen ging es schon den ganzen Tag nicht gut. Er klagte über Magenschmerzen und zog mit einem mißmutigen Gesicht durch die Landschaft. Später erzählte er uns, daß er am Vortage Pflaumen gegessen habe und wahrscheinlich hat er dann etwas darauf getrunken. Morgens nach dem Frühstück bekam er eine Pille. Die schlug aber wohl nicht schnell genug an. Am Nachmittag bekam er dann im Jugendheim einen Underberg und dann kochte ihm die Schwiegermutter des Verwalters noch eine Tasse Kamillentee. Da Jochen anschließend gleich in den Schlafsack kroch, hofften wir, daß er morgen wieder fit sein würde. Während Püster und Manfred Tischtennis spielten, räumten die anderen noch ein wenig auf. Mittlerweile war es auch Zeit geworden, schlafen zu gehen. Püster, Gunter und Nuffy gingen vorm Schlafengehen noch zum Spätschoppen.

10. August 1968
Die letzte Nacht haben wir alle gut geschlafen. Jochen ist heute auch wieder ganz hergestellt. Nur das Wetter machte nicht mit. Um 8.00 Uhr bequemten wir uns aus den Schläfsäcken. Dann setzten wir Wasser auf für Tee und wuschen uns gründlich. Als wir mit waschen fertig waren, kochte das Wasser auch und Gunter bereitete den Tee zu. Dann schmierten wir Brote und frühstückten in aller Ruhe. Danach gingen wir zum Einkaufen und die Lütten spielten Tischtennis. Nach dem Einkaufen schälten Manfred und Gunter Kartoffeln und Püster und Nuffy versuchten in sämtlichen Läden des Ortes Corned Beef aufzutreiben, wir wollen nämlich morgen noch einmal Labskaus essen. Aber im ganzen Ort war kein Corned Beef aufzutreiben. Die Sonne hatte sich inzwischen auch durch die Wolken gequält und wir beschlossen, noch einen Abstecher zur Bayrischen Schanz zu machen. Bald war auch unser Essen fertig und wir hätten auch bald los tippeln können, wenn nicht ein aufziehendes Gewitter unsere Pläne durchkreuzt hätte. Gunter setzte Wasser auf und Nuffy räumte auf und fegte aus. Bis das Wasser kochte, spielten Püster und Gunter noch Tischtennis. Dann wuschen Gunter und Nuffy Geschirr ab, und Mini und Püster schrubbten draußen den Topf blitzblank. Inzwischen begann es auch wieder zu regnen, und es lohnte sich nicht mehr, noch wegzugehen. Nun vertrieben wir uns die Zeit bis zum Abendessen mit Kartenspielen, Schlafen und Kartenhäuser bauen. Es war jedenfalls stinklangweilig. Um 18.30 Uhr machten wir schließlich Abendbrot. Danach beratschlagten wir fast eine Stunde lang, ob wir noch ins Dorf gehen wollten oder nicht. Nach langem hin und her krochen wir kurz entschlossen in die Schlafsäcke, da wir morgen schon zeitig aufstehen wollen.

11. August 1968
Beim Glockenläuten um 7.00 Uhr standen wir heute auf. Nach dem Waschen schmierten wir Brötchen, frühstückten und räumten dann unsere Sachen nach draußen. Dann begann das große Aufräumen und Saubermachen im Jugendheim. Um 10 Uhr hatten wir das Haus wieder ordentlich sauber und aufgeräumt und unsere Sachen gepackt. Nun bedankten wir uns recht herzlich bei Herrn Inderweis und verabschiedeten uns von ihm. Geld für Strom und Übernachtung wollte er nicht haben. Unser Weg nach Reinach führte gleich wieder ziemlich steil an, und gleich an der ersten Kreuzung fehlten die Wegezeichen wieder. Nach 20 Minuten hatten wir endlich wieder den richtigen Weg gefunden und konnten weiterlaufen. Die Sonne traute sich auch nicht recht hervor. Aber es regnete wenigstens nicht. Nachdem wir 2 Stunden gewandert waren, entdeckte Gunter eine Jagdhütte. Der Vorplatz bot sich dann ausgezeichnet zum Mittagessen an und wir schmierten Brote. Nachdem wir in aller Ruhe gespeist hatten, zogen wir weiter. Endlich kam die Sonne hervor. Als wir dann die ersten Häuser von Reinach sahen, hatten wir auch gleich einen einigermaßen Kohtenplatz gefunden. Da wir ja unser Tagesziel erreicht hatten, blieben wir gleich hier. Wir legten uns erst einmal in die Sonne, die wir jetzt fast eine Woche vermißt hatten. Nach einiger Zeit zogen Nuffy und Püster los, um das Dorf zu erkunden. Wir anderen mühten uns dann in aller Ruhe mit dem Kohtenaufbau ab. Nach 1 1/2 Stunden kamen Püster und Nuffy wieder. Sie berichteten uns, daß im Dorf heute Kirchweih, oder so eine Art Jahrmarkt sei. Dann holten die beiden noch Wasser und wir begannen mit dem Kartoffelschälen und anschließend zu kochen. Um 19.30 Uhr hatten wir unser Essen verspeist und dann machten wir noch den Topf sauber und räumten die Feuerstelle auf. Nachdem wir endlich auch die Kohte ganz eingeräumt hatten, gingen wir ins Dorf, da wir alle Durst verspürten. Im Dorf war allerhand los. Die Wirtschaften waren sämtlich überfüllt und wir paßten nirgends mehr hinein. So haben wir wenigstens noch einen schönen Abendbummel gemacht. Um 22.00 Uhr lagen wir in den Schlafsäcken.

12. August 1968
Gegen 7.30 Uhr wachten die ersten heute auf. Nach einigem Mosern zogen Manfred, Jochen und Mini ins Dorf um einzukaufen und Wasser zu holen. Als sie wiederkamen waren die anderen auch gerade aufgestanden. Dann frühstückten wir und bauten ab. Gegen 10.45 Uhr verließen wir Reinach und zogen unserem letzten Ziel entgegen: Gmünden. In Reinach konnten wir mal wieder den Wanderweg nicht finden und zogen auf gut Glück durch die Landschaft. Nach einigen eingelegten Ruhepausen erreichten wir gegen 14.00 Uhr Gemünden. Dort suchten wir uns einen Kohtenplatz, kauften ein und schmierten Brote. Nach dem Essen bauten wir die Kohte auf und begannen zum letzten Male auf dieser Fahrt zu kochen. Heute sollte es noch einmal Erbsensuppe geben. Sie schmeckte allen ausgezeichnet. Nach dem Essen gingen wir noch ein wenig in die Stadt und zum Bahnhof. Nachdem wir dann noch etwas getrunken hatten, gingen wir zur Kohte zurück, und krochen zum letzten Male in die Schlafsäcke.

13. August 1968
Heute standen wir um 8.30 Uhr auf. Wir hatten ja noch einen Tag in Gemünden Zeit und konnten in aller Ruhe frühstücken und die Kohte abbauen. Als wir damit fertig waren, brachten wir das Gepäck zum Bahnhof zur Gepäckaufbewahrung und holten noch das letzte Geld vom Sparbuch. Anschließend marschierten wir zur Burgruine hinauf. Vom Turm der Ruine hatten wir eine gute Aussicht auf das Maintal und Sinntal. Schließlich kauften wir noch ein wenig zu Essen ein und zogen eiligen Schrittes zur Badeanstalt. Auf das Baden hatten wir uns schon lange gefreut und das Wetter war auch mit von der Partie. Nachdem wir in der Badeanstalt unser letztes Brot verzehrt hatten, aalten wir uns in der Sonne. Volker, Jochen und Manfred zog es gegen 16.00 Uhr noch einmal in die Stadt, sie wollten Souvenirs einkaufen. Wir machten mit ihnen einen Treffpunkt ab. Um 17.45 Uhr verließen auch wir anderen das Bad, trafen uns mit den Dreien und suchten ein Speiselokal auf, um noch ein richtiges Essen einzunehmen. Wir aßen Schnitzel und Rumpsteak. Nachdem wir gesättigt waren, zogen wir weiter in die Stadt in eine andere Wirtschaft. Hier hielten wir uns bis 23.30 Uhr auf. Die Zeit verstrich mit Fernsehen, Rätselraten und Kartenspielen. Draußen regnete es auch mal wieder. Dann wurde es langsam Zeit zum Bahnhof zu kommen, denn unser Zug fuhr um 0.32 Uhr und wir mußten noch unser Gepäck abholen und das Badezeug einpacken. Während wir noch dabei waren, hielt vor dem Bahnhof ein Polizeiwagen. Dem waren wir wohl nicht ganz geheuer vorgekommen. Der Polizist war aber nett und wir haben uns noch eine Weile über das Zelten in Bayern mit ihm unterhalten. Dann begaben wir uns auf den Bahnsteig und warteten die letzten Minuten bis zur Abfahrt des Zuges. Pünktlich um 0.32 Uhr verließen wir Gemünden. Wir hatten einen Kurswagen bis Bremerhaven und konnten daher lange schlafen. Zwei leere Abteile hatten wir auch gleich gefunden und konnten uns gleich zum Schlafen hinlegen.

14. August 1968
Kurz vor 5.00 Uhr wachten wir in Hannover wieder auf. Wir packten bald unsere Schlafsäcke zusammen und dösten noch ein wenig vor uns hin. Um 7.53 Uhr hatten wir Bremerhaven erreicht. Unser Anschlußzug nach Bremervörde wartete auf dem anderen Bahnsteig. Um 8.55 Uhr waren wir wieder zu Hause. Einige Eltern waren auf dem Bahnhof um ihre -verlorenen Söhne- nach einer schönen und manchmal auch aufregenden, aber leider von viel Regen begleiteten Fahrt, abzuholen.
GUNTER

Abschließende Gedanken über die Fahrt

Es war ein Versuch, daß Ältere und Jüngere zusammen auf Fahrt gehen. Es war ein maximaler Altersunterschied von 13 Jahren dabei. Schwierigkeiten sind deswegen jedoch nicht aufgetreten, wenngleich die vier jüngeren auch manchmal meinten, daß sie zuviel arbeiten mußten. Die Fahrt ist in guter Harmonie verlaufen. Ich möchte aber trotzdem nicht unbedingt empfehlen, Gruppenfahrten, bei denen solch krasse Alterunterschiede bestehen, durchzuführen.
GUNTER

Gefallen haben mir die 2. und 3. Nacht. Nicht gefallen hat mir das späte Essen. Ein Erlebnis war sehr lustig. In Heimbuchenthal schliefen wir an einem Abhang. Da Zweige von den Bäumen hingen schwangen wir uns weit über den Abhang. Als ich mich an einen Ast hängte, knackte dieser bedrohlich. Einige Zeit später wollte Volker Mini vormachen, wie man sich zu schwingen hätte, hängte sich aber gerade an den angebrochenen Ast. Plötzlich krachte es und Volker fiel, den Ast in den Händen haltend, auf den Hosenboden. Das sah sehr lustig aus und wir alle, außer Volker, haben tüchtig gelacht.
MANFRED

Dieses war meine erste Großfahrt. Sie gefiel mir gut. Vor allem lernt man Land und Leute kennen. So fragten öfters Leute: Wo macht ihr hin. Auch andere lustige Erlebnisse hatten wir. Schlecht dagegen fand ich einmal das späte Essen und die Nacht in Gemünden. Am 12. gab es Erbsensuppe mit Speck, meine "Leibspeise". Nach der ersten Portion wollte ich keine mehr, da sagte Nuffy: Sieh mal da oben. Ich sah hin, und schon wollte Gunter mir was einfüllen, automatisch zog ich mein Kochgeschirr weg, und die ganze Suppe ergoß sich über meine Füße. Alles lachte.
MINI

Mein bestes Erlebnis war in Wildenstein. Als wir von der Wildfütterung kamen, maschierten wir auf dem Wanderweg weiter. Als wir auf dem Hang hinterm Dorf waren wollten wir dort Zelten. Gunter und Manfred knoteten die Kohtenstangen. Indessen kletterten Volker und Mini in der Burg umher. Dann kamen wir darauf, daß wir ihm Burghof zelten wollen. Wir brachten das Gepäck in den Hof und suchten Feuerholz im Wald. Als auch das getan war, stöberten wir erst einmal die Ruine durch. Volker, Mini, Manfred und ich holten die Taschenlampe und gingen vorsichtig in ein unterirdisches Gewölbe. Wir leuchteten die Wände ab und gingen wieder hinaus, um einen anderen Eingang zu suchen. Danach gab es Abendbrot, was sehr gut schmeckte.
JOCHEN

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