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1966-1 Bundeslager in Forchheim 1966

Jungrover fahren zum Bundeslager nach Forchheim

Teilnehmer:
Helmut Buck (Bucki)
Rolf Burfeind (Nuffy)
Gustav Adolf Deutelmoser (Püster)
Wolfgang O. Meincke (Otto)

Samstag, 30.07.1966
Gestern abend um 21.45 Uhr starteten wir nach dem Treffen zum Bundeslager nach Forchheim. Zuvor bemühten wir uns Nuffy die Grundregeln des Skat beizubringen. Bei der Autobahnabfahrt Verden-Nord machten wir unseren ersten technischen Halt. In der Raststätte Hannover-Kronsberg aßen wir eine Ochsenschwanzsuppe. In Kassel tankten wir und tranken Kaffee. Dort trafen wir Herbert Schulz. In Kirchheim fuhren wir von der Autobahn. Von dort fuhren wir über Fulda nach einem Abstecher zur Zonengrenze nach Bamberg. Dort fuhren wir zum Dom und spazierten durch die Stadt. Früher als geplant erreichten wir das Lagergelände. Über die Organisation waren wir ein wenig gerührt, das Komitee hatte leider einen unvollständigen Prospekt herausgegeben. Wir aßen Brot und Erbsensuppe und fuhren in die Stadt. Dort besorgtem wir Karten für die Rallye. Dann fuhren wir nach Oesdorf. Dort fanden wir eine Gastwirtschaft mit Fernsehapparat. Bis zum Spielbeginn spielten wir Skat. Danach begaben wir uns ins Lager. Die Wagen durften wir nicht mit hinein- nehmen. Abends tagten wir anfangs mit einheimischen Altpfadfindern in der "Fuchsfalle". Später statteten wir dem "Schinderhannes" einen Besuch ab. Otto war es in der Kohte zu kühl und er zog es vor im Auto zu übernachten.

Sonntag, 31.07.1966
Otto erschien schon um 6.00 Uhr bei der Kohte, er wollte nur zur Toilette, mußte uns aber vorher wecken. Um 9.00 Uhr packten wir unsere Sachen und statteten Otto einen Besuch ab. Er konnte seine Peilritzen weder völlig öffnen noch schließen. Nach der Morgenwäsche im Kanal kauften Bucki und Püster ein. Dann starteten wir Richtung Pottenstein. Unterwegs mußten wir mehrere Male halten. Otto war ja sooo schlecht. Auf das Frühstück verzichtete er. Die Landschaft, durch die wir fuhren, war so schön, daß man sie mit Worten nicht beschreiben kann. Da muß das Dia schon Hilfestellung geben. Bevor wir die "Teufelshöhle" besichtigten, tranken wir auf der Terrasse Kaffee. Nach der Wanderung durch die Höhle, die über viele Treppenstufen auf und ab fürte, ging es Otto schon wesentlich besser. Er war der einzige, der den vollen Eintrittspreis zahlen mußte. Er trug zwar stolz sein Klufthend, sein Pfadfinderausweis lag aber recht gut im Auto. Nach der Besichtigung fuhren wir nach Haselbrunn zu dem Bauern, bei dem wir schon vor 5 Jahren gezeltet hatten. Wir bauten unser Zelt auf und kochten dann unser Mittagessen aus der Dose. Otto hielt sein Mittagsschläfchen auch ohne zu essen, während wir in die Badeanstalt fuhren. Nach dem erfrischenden Bad fuhren wir auf einen Berg, von dem wir eine herrliche Aussicht auf die Stadt hatten. Als wir wieder auf unserem Lagerplatz eintrafen hatte Otto schon die Kartoffeln geschält. Wir brieten sie roh. Da die Pfanne nicht groß genug war, mußten wir in zwei Etappen essen. Nach dieser Mahlzeit warfen wir uns in Schale und begaben uns in die "Kuhstallklause". Dort bekamen wir gerade noch die letzten Flaschen Becks Bier. Danach mußten wir uns auf Pilsener Urquell umstellen, da "Juliane" weder Rauchbier noch Dortmunder Union vorrätig hatte. Wir begaben uns früher als gewöhnlich in unsere Schlafsäcke, da wir am folgenden Tag früher als gewöhnlich aufstehen wollten.

Montag, 01.08.1966
Schon um 7.00 Uhr erhoben wir unsere müden Leiber. Auf die Morgenwäsche verzichteten wir, aber nicht auf das Frühstück. Wir packten unser Badezeug und einige Brotschnitten in Püsters kleinen Rucksack. Um 8.00 Uhr begann dann unser Wandertag. Über Haßbach und Paffen- berg gelangten wir nach Oberailsfeld. Unterwegs versuchte Nuffy einen Pfau zu photographieren. Durch das Ailsbachtal gelangten wir zur Sophienhöhle. Zuvor stärkten wir uns für den weiteren Weg. Bei der Führung durch die Höhle drückte der Führer Otto und Püster Karbidlampen in die Hand. In der Höhle tropfte es noch recht fleißig. In einigen tausend Jahren werden dort noch mehr Tropfsteingebilde sein, wenn inzwischen nicht der Kalk ausgegangen ist. Von der Höhle gingen wir zur Burg Rabenstein, die wir uns nur von außen anschauten. Über die Höhen wanderten wir wieder nach Ober- ailsfeld. Dort aßen wir eine Gulaschsuppe und tranken flüssiges Brot. Die Gastronomin unterschrieb noch auf einer von Püsters Ansichtskarten. Nach dieser längeren Rast ging es weiter auf Schusters Rappen nach Behringsmühle. Otto brannten die Füße schon so sehr, daß er mit dem Postbus fahren wollte. Aber er kam tapfer mit. Von Behringsmühle latschten wir auf einem Wanderweg ( ein rotes Kreuz ) über Tüchersfeld bergauf und bergab nach Pottenstein. Dabei sahen wir, wie die Polizei die Campingplätze und solche die es sein sollten, kontrollierte. Oft trauten wir uns nicht in die Tiefe zu schauen, wo die Straße verläuft und die Püttlach fließt. In Pottenstein holte sich Bucki bei der Post Geld. Dann tätigten wir einen kleinen Großeinkauf. Die Sachen trugen wir im Plastikeimer nach Hasekbrunn. Nuffy wollte anfangs die Kurven zählen, gab es jedoch später auf. Nach dem Abendessen fuhren wir an einen Bach nahe der Straße zum Waschen. Die Passanten "unfreiwillige Zuschauer" juckten uns in keinster Weise. Unseren Käsemauken war diese Erfrischung sehr willkommen. Wir machten uns hübsch und fuhren nach Pottenstein. Dort spazierten wir durch die Stadt. In einer Gastwirtschaft schmiedeten wir die Pläne für den nächsten Tag. Da das Wald-Cafe geschlossen hatte, nahmen wir den Stellungswechsel nach Haselbrunn vor. Dort bestellten wir uns ein Alsterwasser, das hier unter dem Namen Radlermaß bekannt ist. Wie das aussieht kann man auf einem Dia betrachten, falls Nuffy den richtigen Film eingelegt hat.

Dienstag, 02.08.1966
Während der Nacht regnete es recht lustig. Wie gut, daß unser Zelt einen Boden hat. Wir standen erst auf, als es nicht mehr regnete (10.00 Uhr) Wir fuhren dann zu unserer Waschstelle und befreiten uns vom Schmutz. Bucki und Püster fuhren anschließend in die Stadt. Dort besorgten sie Brot und Zeitungen. In der Kneipe trafen sich die beiden Wagenbesatzungen wieder. Beim Frühstück schauten uns zwei Damen von hoher Warte aus zu. Sie kamen nicht zu uns, da wir ihnen zu gefährlich erschienen. Wir putzen dann unsere Schuhe, die es doch sehr nötig hatten. Die Wagen wurden aufgeräumt, während Otto wieder einmal schlief. Nuffy kochte das Mittagessen. Otto mußte mit dem Wecker aus seinen schönsten Träumen gerissen werden. Nach dem Essen bauten wir das Zelt ab und verabschiedeten uns beim Bauern. Dann fuhren wir über Pottenstein nach Gößweinstein. Dort suchten wir nach einem Parkplatz. Anschließend gingen wir auf die Burg. Sie enthält eine kleine Waffensammlung. In dem Verließ waren außer Papierabfällen auch einige Knochen (Schädel). Auf dem Rückweg warfen wir noch einen Blick in die Basilika. Wir wollten die Andächtigen nicht stören. Wir setzten uns wieder in unsere fahrbaren Untersätze und gondelten nach Wichstenstein. Dort stiegen wir auf den gleichnamigen Felsen. Gott sei Dank, man hatte für uns und natürlich auch für andere Leute eine Treppe hinaufgebaut. Nuffy stieg auf die Tafel, in die die Richtungen zu den umliegenden Orten eingraviert waren, um noch besser fotografieren zu können. Nach dem mühevollen Abstieg fuhren wir nach Egloffstein. Dort wollten wir zur Burg, die wir vom Tal aus gesehen hatten. Auf Umwegen gelangten wir doch noch zum Ziel. Man wollte uns aber nicht hineinlassen. Es gibt hier ja noch mehr Burgen und Schlösser. Von dem Schloß wanderten wir zum Felsentor. Otto kam auf diesem gefahrvollen Weg nicht mit. Er fährt lieber mit dem Auto. Mit unseren Fahrzeugen fuhren wir zum Bundeslager. Unterwegs schlantzten wir in einem Wald. Im Lager hatte man an unserer Kohte ein Schild mit der Aufschrift "zu vermieten" angebracht. Außerdem hatte Sammy eine freudige Überraschung für uns. Wir sollten Lagerwache schieben. Zuvor begaben wir uns zur Zentralbühne Forchheim. Als Kultur- beitrag sang der Bundesjochen einige Lieder. Es folgten dann die Spiele "Im Banne des Dämonen" und "Zauberklänge". Bei dem letzteren Stück stürmten die Beat-Fans die Bühne. Leider hatte Nuffy seinen Picturegraph nicht mit und konnte leider das Gebaren dieser jungen Menschen nicht dokumentarisch festhalten. In der "Fuchsfalle" tranken wir noch eine Flasche Bier und zogen dann auf Wache. Otto blieb am Lagertor, weil er nicht laufen wollte. Wir machten dann unseren Streifengang. Dabei gelangten wir auch in den "Schinderhannes". Dort konnten wir ja nicht weggehen, ohne ein Glas Apfelwein zu trinken. Da die Ablösung auf sich warten ließ, machten wir uns um 1.00 Uhr ruckartig aus dem Staub. Um 7.00 Uhr war für uns die Nachtruhe beendet.

Mittwoch, 03.08.1966
Wir schnappten unsere Klamotten und verließen das Lager. Auf der anderen Seite des Kanals wuschen wir uns. Danach schaufelten wir die Ätzung eimerweise in unsere Mägen. Anschließend fuhren wir mit dem Wagen ins Lager und machten sie dort für die Rallye startklar. Wir fuhren in den gewohnten Besetzungen. Otto war bei Nuffy Beifahrer und Püster bei Bucki. Beide fuhren die erste Kontrolle von der falschen Seite an. Kurz hinter dem zweiten Posten saß Bucki fast fest. Zuvor hatte es einen gewaltigen Schlag getan. Den vierten Kontrollstempel holte er sich zusammen mit den Verkehrs- fragen im strömenden Regen aus einer Höhle. Vor der fünften Kontrolle verfuhr er sich ein wenig. Er fuhr daher ein Stück im Rückwärtsgang zurück, bevor er wendete. An dieser Stelle wollte Nuffy es ganz clever machen und fuhr nicht auf dem vorgeschriebenen Weg. Daher erreichte er die Kontrolle von der falschen Seite. Er preschte vorbei, wendete und bekam so keine Strafpunkte. Bucki und Püster fuhren nach Forchheim zum Essen. Nuffy und Otto verzichteten darauf, sie hatten unterwegs Würstchen und Brötchen verzehrt. Nach dem Mittag absolvierten wir das Geschicklichkeitsfahren. Es begann mit dem Schätzen der Wagenbreite. Es folgten die Parklücke und die Garage. Dort war das Öffnen der Tür verboten (Strafpunkt) Dann fand ein Sandbahnrennen gegen die Uhr statt. Püster setzte sich bei Bucki auf den Kofferraum und so kam er ohne schieben durch. Zum Schluß mußte man am Berg anfahren, ohne zurückzurollen. Danach stärkten wir uns und gingen zum Festival. Anfangs waren die Leistungen schwach, man bemerkte jedoch die Steigerung. Viele Gruppen verstanden es nicht, die Verstärkeranlage richtig einzu- stellen. Die Stimmung war nicht so gut wie bei den "Zauberklängen". Anschließend begaben wir uns in den "Schinderhannes" zur Siegerehrung der Rallye. Bucki belegte den 15. und Nuffy den 18. Platz unter 21 Teilnehmern. Die Schlechteren verpflichteten sich den Besseren einen auszugeben. Da die Appelwoikneipe Betriebsferien wegen Ausflug hatte, gingen wir in den Club "R". Dort fand im Rahmen des Presseseminars eine Diskussion über Pressefreiheit statt. Leider war es nur ein Podiumsgespräch, weil sich die Fachleute an regionalen Begebenheiten festhielten. Die Stunde war schon vorgerückt und daher begaben wir uns in die Horizontale.

Donnerstag, 04.08.1966
Wir wollten gerne aufstehen, aber es regnete leider, um nicht zu sagen, es goß. Daher blieben wir liegen. Nach einem schwer- wiegenden Entschluß begannen wir zu frühstücken. In einer Regen- pause luden wir unsere Sachen ein und begaben uns aus dem Lager. Man kommt besser mit den Wagen raus als rein. Dann schmissen wir den Riemen auf die Orgel und im Nu waren wir in Streiberg. Da Bucki den Weg zur Binghöhle nicht fand, fuhr dieses Mal Nuffy vorweg, da er dort schon am Vortag gewesen war. Wir hatten Glück und konnten noch die letzte Vormittagsführung mitmachen. Wir bildeten wieder mal das Schlußlicht. Deshalb hörten wir nur sehr wenig von den Ausführungen des Führers. Von dort fuhren wir nach Heiligenstadt. In der Neumühle aßen wir zu Mittag. Es gab Schnitzel. Zuvor schrieben wir einige Ansichts- karten. Nach unserem fürstlichen Mahl fuhren wir weiter zum Schloß Greifenstein. Der Eintritt war uns zu teuer (1.50). So schwangen wir uns in die Wagen, und rollten gen Bamberg, nachdem wir unsere Aufnahmen geschossen hatten. In der Bischofstadt suchten wir krampfhaft nach einem Parkplatz. Es gelang uns doch noch. Wir brachten unsere Äppelwoiflaschen weg und besorgten uns Eis. Dann bummelten wir durch die Stadt. Dabei gelangten wir auch zu "Schlenkerla". Dort tranken wir Rauchbier. Wir hatten leider vergessen unsere Brotzeit mitzunehmen. Die Mannen waren zu müde um noch zum Dom zu gehen. Wir kauften ein und fuhren dann ins nächste Dorf. Dort tankten wir und besorgten Coca-Cola. In einem Wald in der Nähe eines Sees speisten wir gepflegt. Zur Vorbereitung auf den Abend verputzten wir Ölsardinen. Wir begaben uns ins Lager. Dort töteten wir unsere Rumflasche. Püster organisierte noch einen Menschen zum Drücken auf den Aus- löser. Wir spendierten ihm für seine Tätigkeit eine Flasche Becks. Wir gingen dann in den "Schinderhannes". Dort grölten wir fleißig mit. Nuffy war in der Kohte geblieben. Otto und Bucki gingen, während Püster noch blieb. Das war ein Fehler, denn nun erwischte es ihn total. Auf jeden Fall konnten alle gut schlafen.

Freitag, 05.08.1966
Um 9.00 Uhr war für uns die Nacht vorbei. Nach Frühstück und Morgenwäsche fuhren wir nach Forchheim. Dort löschten wir unseren Nachdurst. Dann ging es weiter nach Nürnberg. Unterwegs füllte Bucki Wasser für die Scheibenwaschanlage von Nuffy nach. Über Erlangen und Fürth gelangten wir an unser Ziel. Dort gingen wir zum Bahnhof. Dort besorgte sich Nuffy einen neuen Film. Dann begaben wir uns in die königlichen Marställe. Darin befindet sich eine Jugendgaststätte. Die jungen Gäste machten einen Spektakel wie zehn nackte Neger. Besonders viel Freude machten uns die Mädchen im Minirock. Sie sehen ja verheerend aus. Leider versuchte Nuffy vergeblich ein weibliches Wesen mit solch einem Kleidungsstück auf das Zelluloid zu bannen. Nachmittags besichtigten wir die Burg. Otto mußte wieder einmal vollen Eintritt bezahlen. Die Führung war ausgezeichnet. Wir nehmen an, daß der Führer ein Student war. Wir warfen noch einen Blick in den 60m tiefen Brunnen, der in den Fels gehauen ist und bestiegen den Sinwellturm, von dem man einen ausgezeichneten Blick auf die Altstadt hat. Danach gingen wir zum Weinstadel. Nuffy reizte es sehr, die Blumenkastenfront zu fotografieren. Da es gerade zu regnen begann, begaben wir uns schnurstracks ins Rathaus. In den Lochgefängnissen war es zwar dunkel, aber wir waren im Trockenen. Hier erfuhren wir, wie man früher die Leute vor und während des Gitterlehrganges behandelte. Da es immer noch regnete, gingen wir in eine Gastwirtschaft. Als es aufgehört hatte, schlenderten wir durch die Stadt und kauften ein. Wir entschlossen uns auf dem Campingplatz zu übernachten. Dank Ottos hervorragender Führung gelang es Nuffy, mit ein- stündiger Verspätung dort einzutreffen. Bucki und Püster hatten sich nach längerer Wartezeit auf den Weg ins Lager gemacht. Dort aßen sie zu Abend und sahen sich den "Sturm" an. Später traf auch Nuffy ein. Otto vergnügte sich derweil im "Schinderhannes".

Sonnabend, 06.08.1966
Diesen Tag verbrachten wir fast in seiner Gesamtheit im Lager. Wir machten uns ein erstklassiges Frühstück. Wir brieten uns nämlich Spiegeleier. Nach dieser Mahlzeit machten wir dann einen Rundgang durch das Lager. Wir setzten unseren Kocher zur gegebenen Stunde in Betrieb und bereiteten unser Mittagessen (Gulasch und Makkaroni). Während die anderen ihr Mittagsschläfchen hielten, spielte Püster mit den Dortmunder Rovern Volleyball. Danach gingen wir zum Bundesfest auf der Lagerbühne. Wir ergatterten dort Sitzplätze in der ersten Reihe. Jochen verteilte die Preise und in den Pausen gab es einige Tanz- und Gesangsein- lagen. Nach dem Abendessen fuhren wir in Schale nach Forchheim zum Deutsch- Französischen Festival. Dort spielten eine deutsche und eine französische Beatband zum Tanz, der auf der Straße statt- fand. Die Franzosen brachten einige Volkstänze und einige Protestsänger traten auf. Weil zu wenig Mädchen anwesend waren und keine Stimmung aufkam, nahmen wir einen Stellungswechsel vor. Wir gingen ins "Liverpool". Aber dort war auch nichts los. Daher fuhren wir ins Lager zurück. Am Tor ging es nicht weiter. Peter Jürgen Lüders, seines Zeichens Landeskanzler der LM Bayern, ließ uns mit den Wagen nicht rein. Aus Protest bauten wir im Schein- werferlicht der Autos am Wegesrand unser Zelt auf. Im "Schinderhannes" wollten wir noch tüchtig einen auf die Lampe gießen. Dort feierte aber die Bundesführung und man ließ uns auch dort nicht rein. Also holten wir uns unsere Becks-Kästen und hoben im eigenen Zelt einen.

Sonntag, 07.08.1966
Nach der Morgenwäsche bauten wir das Zelt ab, und fuhren, ohne Schwierigkeiten am Lagertor zu bekommen, ins Lager. Dort frühstückten wir und bauten unsere Kohte ab. Der Pfadfinder, der unseren Lagerplatz abnahm gab uns noch einige Reisetips. Dann verabschiedeten wir uns von den Dortmundern. Wir besorgten uns noch Lagerzeitungen, darunter eine Gesamtausgabe und warfen Postkarten in den Kasten. Wir zogen uns um und machten uns dann auf den Weg durch das Wisenttal. In Plankenfels aßen wir zu Mittag. Die Gaststätte war so stark besucht, daß wir vor der Tür warten mußten. In Bayreuth angelangt, suchten wir einen geeigneten Parkplatz. Wir besichtigten das Markgräfische Opernhaus, dessen Innenein- richtung völlig aus Holz ist. Anschließend statteten wir dem Neuen Schloß einen Besuch ab. Wir spazierten durch den Park zu Wagners Grab. An Haus "Wahnfried" vorbei kamen wir wieder zu unseren Fahrzeugen. Wir starteten dann gen Fichtelberg und warfen aus dem rollenden Wagen einen Blick auf das Festspielhaus. Mit 120 Sachen rasten wir hinter einem 20M her, aus dessen Rück- fenster zwei blitzsaubere Madeln schauten. In Weidemberg verließen sie die Hauptstraße und wir hinterher. Bucki erkundigte sich bei den beiden Schönheiten noch nach einer Zeltgelegenheit. Es sah gar nicht so gut aus, wie wir gedacht hatten, überall ging es bergauf, schließlich entdeckten wir einen Platz mit fließend Wasser. Wir bauten das Zelt entgegen Ottos Wünschen auf. Beim Abendessen wurden wir sehr von Mücken geplagt. Dann begaben wir uns nach Fichtelberg und brachten in einer Gastwirtschaft unsere geschäftlichen Dinge in Ordnung. Mit Otto, der nicht mit wollte, gingen wir dann ins Bierzelt, wo das ROTE KREUZ ihr 40jähriges Jubiläum feierte. Nuffy und Püster unterhielten sich angeregt mit einigen Damen aus der Gegend über Schottenröcke. Sie wollten sich nämlich solch ein Kleidungsstück zulegen. Allerdings soll ein Kilt, wie sie von Schotten im Lager erfuhren, zwischen 100 und 150 DM kosten. Später als Otto geplant hatte, verließen wir die Lokalität, in der eine Blaskapelle und eine Trapezkünstlerin ihr Talent unter Beweis stellten.

Montag, 08.08.1966
Wir standen verhältnismäßig früh auf. Nach dem Frühstück - Otto legte eine Fastenmahlzeit ein - sortierten wir unsere Sachen. Otto und Nuffy verabschiedeten sich und fuhren gen Heimat. Püster und Bucki, die von nun an das "wir" darstellen, bauten das Zelt ab. Wir fuhren dann nach Neubau. Von dort wollten wir auf den Ochsenkopf. Leider darf man mit dem Wagen nicht hinauf und so mußten wir Schusters Rappen bemühen. Nach einer längeren Wanderung erreichten wir den höchsten Punkt unserer Fahrt. Den Sedeturm kann man leider nicht besteigen, aber dafür den Asenturm bei der Gastwirtschaft. Beim Abstieg begegneten uns viele Leute. Wir kamen dabei fast an unserem Lagerplatz vorbei. In Neubau versorgten wir uns mit Proviant. Wir wollten eigentlich noch zum Fichtelsee, aber gegen gebührenpflichtige Parkplätze haben wir im allgemeinen etwas. So verzichteten wir auf diese Attraktion und fuhren weiter bis Marktredwitz. Dort speisten wir zu Mittag. Wir fuhren zurück zur Luisenburg. Mit Regenschirm streiften wir durch das Felsenlabyrinth. Schade, daß unser Fotograf nicht dabei war. Nach einem einstündigen Rundgang ließen wir unseren, "Verzeihung!" Bucki`s Wagen über Bad Berneck nach Kulmbach rollen. Dort fuhren wir nicht zu einer der Brauereien, sondern auf die Plassenburg. Der Turnierhof wäre ein Dia wert gewesen. In der Burg befindet sich ein Zinnfigurenmuseum. Hauptsächlich werden historische Szenen dargestellt. Auf der weiteren Fahrt hielten wir Ausschau nach einem Zeltplatz. Wir fanden einen abseits der Straße auf einer Wiese. Wir bauten unsere Behausung auf und abendbroteten. Nach dieser Mahlzeit schrieben und lasen wir bei Radiomusik. Da uns die Mücken plagten, machten wir das Zelt dicht und beleuchteten es mit einer Taschenlampe, die wir mit einem Weckring an der Zeltstange befestigten. Wir legten dann noch die weitere Marschroute fest und schliefen bald ein.

Dienstag, 09.08.1966
Wir standen um 7.30 Uhr auf. Wir frühstückten, wuschen uns in einem vorbeifließenden Graben und bauten das Zelt ab. Dann fuhren wir nach Lichtenfels. Dort warfen wir unsere Post in den Briefkasten und besorgten uns anstelle von Milch, 1 Pfund Weintrauben. Wir fuhren dann zur Wallfahrtsbasilika "Vierzehnheiligen". Um niemanden zu schockieren, krempelten wir unsere Ärmel herunter. Wir fuhren über Staffelstein, dem Geburtsort Adam Riese's, nach Schloß Banz, einem ehemaligen Kloster. Dort besichtigten wir die Petrefaktensammlung (Versteinerungen). Besonders erwähnenswert sind die Versteinerungen von Jchtosauriern. Aus der Schloßkirche schallten Orgelklänge, als wir sie betraten. Von Banz fuhren wir nach Coburg. Hier besorgten wir uns zuerst eine neue Flasche Spiritus. Dann machten wir uns auf den Weg zu einer Gastwirtschaft, die erst gefunden werden mußte. Nach dem Essen bummelten wir durch die Stadt. Dabei kamen wir am SCHLOß EHRENBURG vorbei. Bucki nahm von einer Besichtigung Abstand und daher mußte Püster allein gehen. Der Gang durch die Prunksäle lohnte sich auf jeden Fall. Er traf Bucki am Wagen wieder. Wir fuhren dann auf die "VESTE COBURG". Man konnte dort nicht nur Waffen, sondern auch Geweihe, Bilder, Schnitzereien und weitere Einrichtungsgegenstände betrachten. Von der Bastion hat man einen schönen Ausblick. Leider waren bei der Führung ein wenig zu viel Leute, man verstand leider zu wenig vom Führer. Die Eintrittskarten sollten wir abgeben. Püster konnte seine noch retten. Von Coburg fuhren wir weiter gen Heimat. In Sulzdorf kauften wir ein. Wir kamen mit der Verkäuferin ins Gespräch. Durch sie kamen wir zu unserem Zeltplatz am Reutsee. Wir bauten unser Zelt auf und aßen zu Abend. Nach Sonnenuntergang fuhren wir dann ins Dorf zur Gastwirtschaft. Dort stellten wir bei einer Lampe einen Defekt fest. Wir lasen dort unsere Reiseprospekte und die Bildzeitung. Bevor wir gingen, sprachen wir der Gastwirtstochter noch ein wenig Mut zu. Sie machte nämlich ihren Führerschein.

Mittwoch, 10.08.1966
Nachdem wir die übliche Zermonie zum gewohnten Zeitpunkt abge- handelt hatten, fuhren wir zu einem Aussichtsturm an die Zonen- grenze. Der Turm war doch höher als wir dachten. Er war noch nicht ganz fertig -die Maler waren noch am Werk- ,aber das störte uns nicht. Die Zonengrenze konnte man daran erkennen, daß mitten durch den Wald eine Schneise gehauen war. Von dort fuhren wir weiter in die Röhn. In einem Dorf hielten wir an und peilten bei einer Cola die Lage. Wir fuhren dann auf die Wasserkuppe. Sie ist nicht bewaldet. Es befinden sich militärische Anlagen darauf. Da blies der Wind recht tüchtig. Er machte sich bei der weiteren Fahrt sehr bemerk- bar. An einem Waldrand wärmten wir unsere vorletzte Konservendose auf, die wir im Sternverfahren öffnen mußten, da wir keinen Dosenöffner hatten. In Hünfeld statteten wir einem Postkasten unseren Besuch ab und hinterließen dort unsere Karten. Kurz vor Bad Hersfeld fuhren wir auf die Autobahn. Auf einem Park- platz überprüfte Bucki den Ölstand. In Kassel faßten wir Benzin nach. Im Rasthaus erfrischten wir uns und warfen einen Blick in die Zeitung. Weiter ging es bis Northeim. Dort verließen wir die Autobahn und fuhren nach Osterode, hier kauften wir ein. Bei der Sösetalsperre gingen wir über den großen Damm. Wir fuhren nach einer Pause weiter nach Claustal-Zellerfeld. Dort machte Püster mittels eines Telefonbuches die Adresse seiner dortigen Verbindung ausfindig. Beim ersten waren jedoch die entscheidenden Blätter herausgerissen. Leider war keiner der Verbandsbrüder anwesend. Daher fuhren wir weiter durchs Okertal nach Bad Harzburg. Wir fuhren langsam, da wir nach einem Zeltplatz Ausschau hielten. Auf einem Campingplatz wollten wir allerdings nicht. Wir fanden doch noch etwas geeignetes. Nach Zeltaufbau und Abendbrot fuhren wir noch nach Eckertal, einem Stadtteil von Bad Harzburg. Die Zonengrenze wird dort von einem Bach gebildet, der etwa 150m entfernt vorbeifließt. Die Bundesstraße endet dort an einem Schlagbaum. Nachdem wir auf einer Terrasse einer Gastwirtschaft uns ein wenig bei Bier und Cola in der Bildzeitung informiert hatten, fuhren wir wieder zu unserem Übernachtungsplatz. Wir fuhren zu weit und wendeten beim Campingplatz. Beim zweiten Anlauf gelang uns das Manöver. Wir legten uns dann zur Ruhe.

Donnerstag, 11.08.1966
Nach dem Frühstück und Zeltabbau wuschen wir uns in einem Rinnsal. Wir wollten zur Eckertalsperre fahren. Leider war für uns die Straße bald zu Ende und wir mußten umkehren. Wir fuhren dann nach Goslar. Dort besichtigten wir die Kaiserpfalz. Nach diesem Besuch fuhren wir nach Hannover zu Püsters Verbindung. Dort waren sogar Leute anwesend. Nach einer Erfrischung gingen wir mit einem Bundesbruder in die Stadt. Püster erkundigte sich beim Lehrstuhl für Recht nach einem Klausurergebnis. Auf einem Elektrokocher eines Bundesbruders wärmten wir unsere letzte Dose (Labskaus) auf. Zum Nachtisch gab es Pflaumen. Wir ließen dort unsere restlichen Lebensmittel. Dafür spendierte man uns zwei Flaschen Bier. Nachdem sich Püster in der Hochschule Zeichenkarton besorgt hatte, fuhren wir weiter gen Heimat. In Selsingen fuhren wir bei der Post vorbei. Gunter hat dort zur Zeit die Vertretung. Nach einem kleinen Klönschnack setzten wir unsere Reise fort. In Bremervörde angekommen, wollten wir erst einmal das Zelt und die Kochapparatur los werden. Doch bei Otto war niemand zu Hause. Vor dem "D-Zug" sahen wir einen Fiat 500 mit Lilie stehen. Wir waren kaum ausgestiegen, da begrüßte uns auch schon Otto. Nach einer kleinen Einkehr wurden wir dann unsere Sachen los. Bucki brachte Püster noch nach Hause, bevor er selbst zu den Seinen fuhr.

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Montag, 08.08.1966
Früher als gewöhnlich standen wir heute auf. Der Grund war, daß Nuffy und Otto in Richtung Heimat mußten. Nach dem letzen gemeinsamen Frühstück verabschiedeten wir uns von Püster und Bucki. Zurück ging es jetzt über Fichtelberg, Kulmbach und weiter nach Coburg. Während der Fahrt sahen wir uns die wunderschöne Land- schaft noch recht oft an. Kurz vor Coburg glückte es uns gleich, die Straße in Richtung Fulda zu befahren. In Fulda haben Otto und Nuffy noch einen Soldatenfriedhof, wo Nuffy das Grab eines Verwandten photographierte, besucht. Nachdem wir uns kurz verirrt hatten, fanden wir die Ausfahrtstraße in Richtung Bad Hersfeld. Dicht vor der Autobahnauffahrt knurrte uns der Magen. Wir fanden auch bald eine geeignete Gaststätte. Gut gestärkt rollten wir nun weiter. Weil wir die Tankstelle bei Kassel übersehen hatten, wurde es in der Nähe von Hildesheim kritisch. Deshalb verließen wir die Autobahn und tankten -Unser Glück!- Bei Verden gibt es leider 2 Autobahnabfahrten. Wir benutzten dummerweise die Ungünstigste. Doch auch so erreichten wir bald Rotenburg und weiter Zeven. Hier bogen Otto und Nuffy nach Godenstedt ab. Dort hatte Otto einen Onkel, bei dem wir herzlich empfangen wurden. Nach einem schmackhaften Abendessen erreichten wir etwa um 20.30 Uhr Bremervörde. Wie versprochen, meldeten wir uns bei "Tine" und "Hansi" zurück.

Püster

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