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1963-1 Jungroverfahrt nach Südfrankreich 1963

LE GRAU D' AGDE

Teilnehmer:
Helmut Buck (Bucki)
Uwe Claus (Caul)
Bodo Edling
Robert Glier (Giel)
Uwe Paulsen (Paulus)
Bernhard Sanning
Gunter Vogt


Mit sieben Jungen machten wir uns im Sommer 1963 auf, um einmal richtig Urlaub zu machen. Nach einigem Palaver einigten wir uns, nach Südfrankreich, und zwar in die Gegend um Agde am Mittelmeer zu fahren. Die Vorbereitungen begannen dann auch schon im Mai.
Im Juni tauchten die erste Schwierigkeiten wie nicht genügend Teilnehmer, Schwierigkeiten bei der Fahrtkostenbeschaffung und ähnliches auf.

Aber schließlich fuhren wir dann am 21. Juli, morgens um 03.30 Uhr aus Bremervörde ab. Um 06.00 Uhr fuhr unser Zug aus Hamburg. Klaus Seeck brachte uns mit dem Wagen bis Stade, wo wir in den Zug nach Hamburg stiegen. Dort hatten wir dann auch bald Anschluß. Die Bahnfahrt war grausam. Es war eine drückende Hitze. Obwohl alle Fenster geöffnet waren, lechsten wir alle nach etwas Trinkbarem. Als wir abends in Basel ankamen, wurde es kühler und fing an zu regnen. Als wir aber über die französiche Grenze gelangt waren, wurde das Wetter wieder besser.
Gleich nach dem Zoll kam auch der französische Schaffner. Wir hatten gemerkt, wie er von Abteil zu Abteil ging und sagte: "Les tickets, s'il vous plait", und daß er leicht angetrunken war. Da wollten wir uns einen Spaß machen, er sollte unsere Pfadfinderausweise lochen. Wie er dann unsere Tickets verlangte, hielten wir ihm unsere Ausweise hin. Er sah sie sich an, gab sie uns zurück und wollte unsere Tickets haben. Wir beharrten darauf, daß dies unsere Fahrkarten seien, aber er gab sich nicht damit zufrieden. Schließlich gaben wir nach und zeigten ihm unsere Fahrkarten. Anschließend haben wir ihn aber doch überredet und er hat unsere Ausweise gelocht. Anschließend legten wir uns noch ein wenig schlafen.
Um 03.30 Uhr erreichten wir unser vorläufige Endstation Beziers. Da es noch früh war, legten wir unsere Sachen in der Bahnhofshalle ab und zogen in die Stadt. In der Stadt war schon reger Betrieb. Als die ersten Geschäfte aufmachten, kauften wir uns erst einmal etwas zu essen. Als dann um 08.00 Uhr die Banken aufmachten, tauschten wir unser Taschengeld.
Darauf ging es zurück zum Bahnhof, denn um 08.40 Uhr fuhr unser Zug nach Agde. Vorher bestellten wir noch Platzkarten für die Rückfahrt.
In Agde angekommen, gab es schon den ersten Krach. Einige wollten nicht mit auf den Campingplatz, aber woanders konnte man die Zelte gar nicht aufbauen. So zogen wir schließlich doch mit einigem Widerwillen auf den Campingplatz. Wir bauten die Zelte auf und dann ging es aber nichts wie zum Baden. Das sollte für die nächsten 14 Tage auch unsere Hauptbeschäftigung sein.
Am Strand bekamen wir zum ersten Male die Sonne und die damit verbundene Hitze zu spüren. Wir hatten etwa 4o Grad (im Schatten versteht sich). Nachdem wir uns am Strand ausgeschwitzt hatten, begaben wir uns gegen Abend wieder zu unseren Zelten und machten uns eine warme Mahlzeit.
Nach dem Essen zogen wir 7 Mann in unseren besten Klamotten und mit 2 Klampfen los, um uns das Dorf anzusehen und ein wenig zu singen. Aber am Eingang zum Campingplatz blieben wir schon hängen. Dort ist nämlich ein Stand, wo man alles mögliche und unmögliche kaufen konnte, nebst Ausschank.
Dort setzten wir uns an die Tische und begannen zu singen. Bald hatten wir das Gefühl, als ob der halbe Campingplatz um uns herumstand, soviel Zuhörer hatten wir. Das gab uns Mut und wir sangen kräftig weiter. Ab und zu gab es auch ein Gläschen Wein für die trockenen Kehlen.
Dann wurden auch bald die ersten Liederwünsche aus der Zuhörerschaft laut. Wir sollten Lieder wie "Lili Marleen" und ähnliches singen. Leider konnten wir damit nicht dienen. Wir wunderten uns nur, daß die Leute diese Lieder gerne hören wollten.
Die Jugendlichen in unserem Alter dagegen wollten gerne Schlager hören, besonders gerne "Chila", einen Schlager, der im Augenblick sehr populär in Frankreich war. Zum Glück war er uns bekannt, und die Franzosen sangen kräftig mit.
Nach diesem ersten Abend haben wir noch öfter abends gesungen und jedesmal hatten wir viele Zuhörer und jedesmal war es das gleiche. Wir sollten Soldatenlieder und Schlager singen. Aber unsere Fahrtenlieder kamen auch sehr gut an.
Nachdem uns der Wein ein wenig in den Kopf gestiegen war, gingen wir noch mit ein paar jungen Franzosen, die sich uns angeschlossen hatten, ins Dorf und anschließend, um einen klaren Kopf zu bekommen, noch gegen 22.45 Uhr ins Wasser.
Als wir dann wieder bei den Zelten waren, stellte Bernhard fest, daß seine Sandalen weg waren. Er konnte sie nur beim Baden verloren haben. Morgens in aller Frühe, es war noch halb dunkel, zog es ihn an die nächtliche Badestelle zurück, um seine Schuhe zu suchen. Aber es war alles ohne Erfolg. So kamen wir zu dem Schluß, daß er mit den Sandalen ins Wasser gegangen sein müsse. Da hatten wir andern erstmal wieder Stoff zum Lästern.
Von da an verlief fast jeder Tag wie der andere. In chronologischer Reihenfolge: Morgens gegen 8.00 - 8.30 Uhr, nachdem wir ordentlich geschimpft hatten, daß schon so ein Lärm um uns herum gemacht wurde, standen wir auf, wuschen uns und räumten das Zelt auf. Anziehen brauchten wir uns nicht, wir liefen den ganzen Tag in der Badehose herum.
Dann zogen 2 Mann los um für jeden 1 Liter Milch und außerdem 2 Brote (75 cm) und Tomaten zum Frühstück zu holen. Nachdem wir in aller Gemütsruhe gefrühstückt hatten, gingen wir bis gegen 12.00 Uhr zum Baden an den Strand. Dann konnte man es in der Sonne nicht mehr aushalten.
In der Mittagszeit spielten wir auf dem Campingplatz im Schatten Skat und Doppelkopf. Gegen 16.00 Uhr ging es wieder zum Strand und gegen 18.00 Uhr hieß es Abendbrot machen.
Jeden 2. Abend gab es Maggi- oder Knorrsuppe, denn wir hatten uns für ungefähr 30,- DM Suppen mitgenommen. Die Franzosen schüttelten bloß immer mit dem Kopf, wenn sie unsere Suppe sahen. Aber uns hat sie geschmeckt.
An anderen Abenden gab es richtig kräftiges Essen. Zum Teil auch französiche Gerichte, die uns eine Familie aus Straßburg, die zwei Zelte neben uns lagen, erklärten und zubereiten halfen. Meist waren es Salate, auf alle mögliche Art angerichtet.
Einmal boten uns unsere Zeltnachbarn Muscheln und Austern an. Nachdem wir sie probiert hatten, waren die meisten dafür, daß wir uns auch einmal welche kochen sollten. Aber als es dann welche geben sollte, machten die meisten einen Rückzieher, und so ließen wir es dann wieder fallen. Im übrigen war uns aufgefallen, daß die Franzosen zu fast jeder Mahlzeit einen Salat aßen, und vor allen Dingen Wein tranken. Außerdem aßen sie viel Fisch, aber weniger Kartoffeln. Dafür aber mehr Früchte, wie Melonen oder Pfirsiche.
Nach unserem Mittag-Abendessen zogen wir uns dann um und gingen in das Dorf. Das Leben des Dorfes spielte sich auf einer Straße ab. Die Straße führte an einem Kanal entlang und endete auf einer Mole, die sich etwa 200 Meter ins Meer zog.
Links der Straße waren die Geschäftshäuser und Gaststuben. Die Wohnhäuser, die meisten waren an Sommergäste vermietet, zogen sich am Strand entlang.
Nachdem wir die Kanalstraße ein- oder zweimal rauf und runter geschlendert waren, setzten wir uns entweder auf die Mole oder vor eine der Gaststätten, tranken Wein oder ein Bier, und besahen die Leute, die vorbeigingen.
Bald stellten wir gewisse Eigenschaften bei den Leuten fest. Die Männer hatten fast alle einen Zigarettenstummel im Mund und dampften vor sich hin. Es wird überhaupt viel geraucht. In den Geschäften stehen die Verkäufer hinterm Tresen, Zigarette im Mund und verkaufen.
Auf den Bahnhöfen ist es uns besonders aufgefallen, die Schalter-
beamten qualmten kräftig und die Asche und die Stummel kamen immer in den "ganz großen Aschenbecher". Das störte uns am meisten, aber vermutlich, weil es für uns ungewohnt war. Was uns bei unseren abendlichen Betrachtungen auch noch störte, die Mädchen kauten viel an den Fingernägeln. Man kann es nicht verallgemeinern, aber es fiel uns doch auf.
Solange es noch hell war, waren wir auf dem Marktplatz. Dort waren immer einige Gruppen, die "Boule" spielten. Dabei machten sie ein Gezeter und Gejohle, als ob es um wer weiß was ginge. Erst fanden wir es albern und stiegen durch die Spielregeln gar nicht durch.
Die letzten Tage haben wir es jedoch selber fast jeden Abend mit geborgten Kugeln gespielt. Allerdings nicht ganz so temperamentvoll wie die Franzosen.
Eines abends, als wir die Kanalstraße oft genug auf- und abgewandert waren, verspürten wir Hunger. Wir sahen uns in einigen Gaststätten die Preistafeln an, und entschieden uns dann für einen Salat. Na, wir dann rein in die Gaststätte. Allzu sauber war es nicht gerade, aber das war es hier in der Gegend sowieso nicht.
Wir bestellten unseren Salat, aber die Wirtin tat, als verstünde sie uns nicht. Sie zeigte uns ein Hähnchen, ob wir das nicht haben wollten. Wir aber beharrten vorerst auf unseren Salat. Nachdem sie uns dann noch allerlei gute Sachen wie Kotelett, Schnitzel, Steak gezeigt hatte, einigten wir uns auf Omelette.
Bis diese fertig waren, bekamen wir erstmal ein Glas Wein. Der gehört zu jeder Mahlzeit. Dann brachte man uns einen Topf Salat und dann kamen endlich die Omeletts. Als wir diese verspeist hatten, stellte man uns einen Korb mit Pfirsichen, Bananen und Weintrauben hin.
Da wir unsere Klampfen mit hatten, bat man uns zu singen. Wir wollten erst nicht. Als dann die Wirtin meinte, sie würde im Preis etwas runtergehen, fingen wir natürlich sofort an. Denn für weniger Geld taten wir fast alles.
Wir hatten uns eigentlich vorgenommen, ein paar Tage ins Land hineinzuwandern oder zu trampen. Aber keiner konnte sich dazu auf- raffen, denn es war uns zu heiß und wir hatten keine Lust irgendwas zu tun.
In der zweiten Woche rafften Bodo und Gunter sich als zweite auf. Paulus war schon einmal nach Montpellier getrampt. Die beiden wollten nach Carcasonne. Gegen 8.00 Uhr zogen sie los. Bis Agde gingen sie zu Fuß. Dort bekamen sie gleich einen Wagen bis Beziers. Hier hielten sie sich nicht lange auf, sondern fuhren gleich weiter bis Narbonne.
Hier machten sie die erste Station und gingen erst einmal durch die Stadt. In dieser Stadt gibt es noch viele alte und vor allen Dingen enge Straßen, die nicht sauber sind. Da hier kaum Wind weht, stinkt es in den Gassen sehr. Bei ihrer Wanderung durch die Gassen standen die beiden auf einmal vor einer gewaltigen Kirche.
Da diese offen war, gingen sie hinein und sahen sie sich an. Es sollen nach ihrer Meinung recht eindrucksvolle Kirchenfenster darin gewesen sein. Nach der Kirchenbesichtigung ging die Fahrt weiter nach Carcassonne.
Dort angekommen, knurrte der Magen anscheinend ganz schön, denn dort suchten sie erstmal ein Restaurant, wo sie noch etwas zu essen bekamen. Endlich fanden sie etwas. Sie bestellten irgend etwas zu essen. Als erstes bekamen sie ein Glas Wein auf den Tisch gestellt. Einen Augenblick stäter jeder einen Teller mit einem Stück Butter, einer Tomate und zwei Scheiben Wurst. Brot stand genug auf dem Tisch.
Nun aßen sie kräftig drauflos, denn sie dachten, das wäre die ganze Mahlzeit. Als sie satt waren, fragte der Wirt, ob sie fertig wären. Sie bejahten. Dann räumte er die Teller weg, stellte neue hin und brachte ihnen Pommes frites. Als sie wieder fertig waren, wurde wieder abgeräumt und neue Teller hingestellt. Dann folgte als dritter Gang ein neues Glas Wein und eine Schüssel mit Gemüsesalat und für jeden ein Steak.
Allmählich kamen ihnen Bedenken wegen des Preises. Aber nach dem Motto "zurückgegeben wird nicht!", aßen sie außer den Steaks auch noch den Salat auf. Zum Schluß brachte der Wirt ihnen dann noch für die bereits strapazierten Mägen einen Korb voll Früchte zum Nachtisch.
Dann kam die Rechnung. Insgesamt 12.- Franken! Was? Nur ingesamt 12,- ? Sie konnten es gar nicht fassen, denn soviel hatten sie insgeheim für jeden ausgerechnet.
Nach dem Essen machten sich die beiden auf den Weg zur Burg in Carcassonne. Das ist ein riesiger Komplex, in deren Mauern sich noch eine ganze Stadt verbirgt. Es war sehr interessant und hat uns sehr gefallen.
Inzwischen war es Spätnachmittag geworden und es sollte nun wieder Richtung Agde gehen. Ganz zurückgekommen sind sie nicht. Für diese Nacht mußten sie das Zelt mit dem Himmelszelt und den Mücken vertauschen. Am anderen Morgen zum Frühstück waren sie wieder auf dem Campingplatz.
Zwei Tage später machten Paulus, Caul und Bucki die gleiche Tour noch einmal. Ihnen ist es ähnlich wie Gunter und Bodo ergangen. Dieser Abstecher war wohl mit das schönste Erlebnis der Fahrt.
Am 6. August hieß es dann die Zelte abbrechen und die Sachen packen. Gegen 14.00 Uhr verließen wir den Campingplatz und fuhren zum Bahnhof und von dort mit dem nächsten Zug nach Beziers.
Dort gingen wir in die Stadt und kauften für die Rückfahrt etwas zu essen ein, und zwar: 10 Pfund Tomaten, etwa eben soviel Salami, für jeden eine Flasche Wein und zwei Brote. Diese brachten wir dann zum Bahnhof und stapelten es fein säuberlich in der Vorhalle auf. Die Leute sahen sich das an und lachten oder schüttelten mit dem Kopf.
Jetzt hatten wir noch etwa 4 Stunden Zeit bis zur Abfahrt des Zuges, denn dieser fuhr erst um 1.07 Uhr. Wir verbrachten die Zeit mit Kartenspielen. Anschließend gingen noch einige in die Stadt, um sich den Dom, der angestrahlt wurde, anzusehen.
Die Rückfahrt war etwas angenehmer, da das Wetter nicht so warm war. Die meiste Zeit hat es auch geregnet.
Um Punkt 0.00 Uhr waren wir wieder in Stade, von wo Klaus uns wieder mit dem Wagen abholte.
Die Fahrt hat uns allen sehr gefallen, Wir bedauerten sehr, daß wir schon wieder nach Hause mußten. Gerne wären wir noch einige Zeit länger in Le Grau d'Agde geblieben.

Vom Entwurf abgeschrieben am 7. Sept. 1968.
Der Originalbericht ging leider verloren.

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