1960-2_4

1960-2 Hollandfahrt der Sippe "Cristoph von Issendorf" 1960

Teilnehmer:
Uwe Claus (Caul)
Gustav-Adolf Deutelmose (Püster)
Hein-Arne zum Felde (Heino)
Hans-Hermann Ruhsam (Qualle)
Heiner Schmid (Pille)
Gunter Vogt

1. Tag, 30. Juni 1960
Wir trafen uns bei Heino. Um 6.10 Uhr fuhren wir ab, in Richtung Dedesdorf. Petrus meinte es nicht besonders gut mit uns. Es nieselte ein wenig und wehte tüchtig, aber wir hofften auf Besserung und traten kräftig in die Pedalen. Wir warteten noch einen Augenblick auf Hans-Hermann, da wir glaubten, daß er doch noch kommen würde. Obgleich er uns gestern gesagt hatte, daß er nicht mitkomme. Er hatte sich Montag den Fuß verstaucht. Dieser war inzwischen so schlimm geworden, daß er damit zum Arzt gewesen ist. Dieser hatte ihm verboten, bis auf weiteres, seinen Fuß stärker anzustrengen oder zu belasten. Darum mußte er so kurz vorher absagen. Kurz hinter Glinde fing es stärker an zu regnen. Bei Barchel fuhren wir an einem Erdbeerfeld vorbei. Dort wurden wir angerufen, wir sollten herkommen und uns welche holen. Als wir unsere Räder an die Straßenbäume stellen wollten, riefen sie uns zu, wir sollten vorher den Chef fragen. Da fuhren wir weiter. Inzwischen regnete es stärker. Wir schimpften schon tüchtig, aber umkehren wollten wir auch nicht. Wenn tüchtige Schauer kamen, stellten wir uns unter Bäume. Bei solch einer Gelegenheit beschlossen wir dann, bei Gunters Onkel in Loxstedt zu bleiben und dort zu schlafen. Also fuhren wir ohne Unterbrechung bis Loxstedt durch. Gunters Onkel sagte zu und wir zogen uns erst einmal trockenes Zeug an. Dann verbrachten wir die restliche Zeit mit schwatzen. Mittagessen bekamen wir zu. (Grünkohl,Kartoffeln,Speck. Nachtisch: Erdbeeren) Gegen 13.00 Uhr zogen wir ins Dorf. Püster und Pille wollten sich einen Fahrradregenumhang kaufen. Um 14.00 Uhr machten die Geschäfte auf. Also gingen wir noch ein paar Straßen weiter und machten einen kleinen "Schaufensterbummel". Aber zu unserem tiefsten Bedauern wurde unser Warten nicht mit Erfolg belohnt. In ganz Loxstedt konnten wir keinen Regenumhang auftreiben. Als wir wiederkamen, gammelten wir noch eine halbe Stunde mit dem Hund und den Katzen herum. Dann legten wir uns ins Heu, und nahmen eine Mütze voll Schlaf. Gegen 17.30 Uhr waren alle wieder aus den Schlafsäcken herausgekrochen. Hat manchen bestimmt Überwindung gekostet. In der Zwischenzeit war das Wetter aufgeklart. Zwar war noch starker Wind, aber der Regen hatte nachgelassen. Es gingen nur ab und zu noch Schauer nieder. Hoffentlich wird das Wetter morgen noch besser. Wir hofften das Beste, denn wir fahren auf jeden Fall weiter. Nach dem Abendessen, es gab Bratkartoffeln und Milchsuppe, gingen wir in die Loxstedter Eisdiele und aßen ein schönes Eis. Später schliefen wir dann im Heu nach einigen Erzählungen ein.

2. Tag, 1. Juni 1960
Wir sind um 7.00 Uhr aufgestanden. Dann das übliche: Waschen, Anziehen, Packen und Aufräumen. Zum Frühstück hatte uns Gunters Tante Milch warm gemacht. Wir aßen unsere mitgebrachten Brote. Um 9.00 Uhr kamen wir dann glücklich los. Bei Dedesdorf kam die erste "Unterbrechung". Die Fähre. Und dann: die Weiterfahrt ist kaum zu beschreiben. Es war windig, man konnte kaum gegen den Wind anfahren. Hinter Schwieburg haben wir erstmal im Straßengraben unsere restlichen Brote gegessen. Um 12.30 Uhr ging es weiter. Immer in Richtung Westerstede. Dort kamen wir gegen 15.30 Uhr an. Wir stellten die Räder an den Straßenrand, zogen durch die Stadt, kauften Brot und Essen ein, und Pille und Püster konnten sich endlich ihren Regenumhang kaufen. Gegen 16.00 Uhr ging es weiter. Kurz hinter Apen fanden wir einen kleinen Wald, wo wir unsere Kohte aufbauten. Dort kochten wir eine Maggi-Suppe, die wir im Stehen schlürften und einen Kanten Brot dazu aßen. Um 20.00 Uhr krochen wir alle todmüde in die Schlafsäcke.

3. Tag, 2. Juli 1960
Immer noch bedeckter Himmel. Aber es nützt nichts. Wir müssen raus. Wie wollen heute noch über die Grenze. Also ging es um 7.00 Uhr raus. Um 9.00 Uhr waren wir startbereit. Heute ging es einigermaßen mit dem Wind. Bei 1/2 12 Uhr herum kamen wir in Leer an. Auch hier pilgerten wir durch die Stadt. Auf der Post schrieben wir nach Hause und eine Karte an Käpt'n (Günther Hogenkamp) nach Oslo. Als es Zeit zum Essen wurde, stürmten wir einen Bäckerladen. Dort kauften wir für jeden für eine Mark Kuchen zum Sattessen. Um 13.30 Uhr sind wir aus Leer gefahren. In Weener kauften wir für Sonnabend und Sonntag ein. Dann noch 5 Km bis zur Grenze. Schnell gewechselt, Paßkontrolle diesseits, dann jenseits und wir waren in Holland. Uns fielen gleich die Fenster ohne Gardinen auf. Man kann von einer Seite des Hauses bis zur anderen hindurch und hinausschauen. Kurz hinter Beekta suchten wir uns in einem kleinen Gehölz einen Kohtenplatz. Wir hängten die Kohte zwischen zwei Bäumen auf. Püster und Pille holten Wasser zum Kochen. Als die beiden kurze Zeit weg waren, bekamen wir Besuch von einem jungen Holländer. Er erzählte uns: Ihr braucht hier aber noch ein paar Mädchen! Als Pille und Püster zurückkamen suchten wir Holz und kochten in der Kohte. Wir hatten uns in Weener 2 Dosen Reis mit Speck gekauft. Diese machten wir nun warm, denn einmal am Tag müssen wir ja etwas Warmes essen. Bald war alles in der Kohte ruhig. Wir schliefen fest.

4. Tag, 3. Juli 1960
Letzte Nacht war es sehr kalt. Ich glaube, wir haben alle tüchtig gefroren. Als wir aufwachten, hatten wir alle kalte Füße. Nachdem wir gegessen, abgebaut und aufgeräumt hatten, kamen wir glücklich um 9.00 Uhr los. Es war lausig kalt. Im nächsten Kanal wuschen wir uns. Zwischen 12.00 Uhr und 12.30 Uhr erreichten wir Groningen. Wir stellten die Räder in einer Seitenstraße ab, und los ging es in die Stadt. Groningen hat etwa 150 000 Einwohner. Wir hielten uns aber nur im Stadtkern auf. Als erstes kauften wir uns für unser holländisches Geld ein schönes Sahneeis zu 25 Cents. Später kauften Heino und Caul sich noch eine Tasse Tee zum aufwärmen. Um 14.15 Uhr besuchten wir das Schiffahrtsmuseum. Danach ging es aus Groningen raus. Nun waren wir nur noch auf der Suche nach einem Kohtenplatz. Es ist nämlich sehr schlecht, hier einen zu finden. Erst wollten wir bei einem Bauern übernachten. Da sahen wir einen Campingplatz. Es waren nur drei Zelte dort. Kurz, wir faßten den Entschluß, dort blieben wir. Wir bekamen sogar so etwas ähnliches wie Kohtenstangen. Dann ging alles sehr schnell. Kohte mit vieren geknüpft. Püster machte die Bindung. Dann die ersten vier Häringe rein gekloppt, die Kohte hochgezogen und wir konnten einziehen. Auf offenem Feuer konnten wir hier nicht kochen. Wir bekamen einen Gaskocher und bald kochten unsere Nudeln. Dann schnell das Gulasch hinein und wir bekamen wieder etwas Warmes in den Bauch. Wir besprachen noch kurz die Weiterfahrt, wuschen den Topf und die Kochgeschirre aus und krochen in die Schlafsäcke. Hoffentlich wird es diese Nacht nicht wieder so kalt.

5. Tag, 4. Juli 1960
Nachdem wir um 7.00 Uhr aufgestanden waren, uns gründlich gewaschen und die Kohte gut aufgeräumt und abgebaut hatten, machte Püster die Geldsachen in Ordnung. Um 9.00 Uhr fuhren wir weiter nach Leeuwarden. Dort wollten wir das "Princessehof Museum" besichtigen. Wir fanden es nach einigem umherirren auch. Wir fragten die Leute nach dem Museum, und sie zeigten uns den Weg dorthin. Es war eine Sammlung friesischer Kunstwerke ausgestellt. Als wir die Sammlung betrachtet hatten, kauften wir in einem Selbstbedienungsladen ein. Dann begaben wir uns zu unseren Rädern zurück und aßen jeder ein halbes Honigbrot mitten in der Stadt. Hinterher fanden wir dann das richtige "Princessehof Museum". Dort war eine großartige Sammlung orientalischer Kunst. Nach eingehenden Betrachtungen fuhren wir weiter Richtung Damm. Kurz vor dem Damm auf dem Nordseedeich aßen wir Abendbrot. Weiter gings über den Damm. Am Anfang besichtigten wir die Dammschleusen. Es waren insgesamt 16. Unterwegs hielten wir noch ein paarmal an und stiegen auf den Deich. Bei einer solchen Deichbesichtigung fand Gunter einen toten Seehund. Gegen 10.00 Uhr waren wir an der Stelle, wo der Damm am 8. Mai 1952 geschlossen wurde. Und weiter gehts. Es wird dunkler und auch etwas kühler. Gunters Rücklicht brennt nicht. Er will es am Ende des Dammes, wir erreichen es gegen 23.00 Uhr, an einer Tankstelle nachsehen. Als wir dort sind, spricht uns ein Autofahrer an und bietet uns an, uns bis Amsterdam mitzunehmen. Wir wollten eigentlich Haarlem und Alkmaar besichtigen, aber wir fuhren mit. 5 Minuten nach 24.00 Uhr setzte der gute Mann uns mitten in Amsterdam ab. Wo schlafen? Wir kurz entschlossen aus Amsterdams leeren Straßen raus, in Richtung Den Haag. Dort haben wir uns mitten zwischen zwei Autobahnen auf den Grünstreifen gelegt und sehr gut geschlafen.

6. Tag, 5. Juli 1960
Morgens wurden wir durch Flugzeuglärm geweckt. Wir stellten fest, daß wir nur etwa 1,5 Km vom Amsterdamer Flughafen, genannt Schiphol, geschlafen hatten. Wir machten kurzen Prozeß. Um 9.00 Uhr ging es ab nach Schiphol zur Besichtigung. Es war sehr interessant, die Flugzeuge landen und starten zu sehen. Wir hätten noch viel länger bleiben können, aber die drei Stunden, die wir da waren, haben es auch getan. Caul, Püster und Pille besichtigten noch das Luftfahrtmuseum. Heino und Gunter hatten keine Lust mehr. Um 12.15 Uhr fuhren wir zum Campingplatz. Der Verwalter oder Besitzer war ein gräsiger Knatterbeutel. Auf dem Campingplatz bekamen wir keine Kohtenstangen, also bauten wir Kröten. Dazu mußte der Wimpel herhalten. Dann ging es ab ins "Dorf". Gegessen hatten wir nichts, aber es fing an, zu regnen. Darum stürmten wir erst einmal den nächsten Bäckerladen und kauften uns etwas zum Sattessen. Dann zogen wir mit einer Tüte Kuchen bewaffnet durch die nassen Straßen Amsterdams. Wir wollten zur Post. Unterwegs kauften wir noch einen Riemen für den Kochtopf zum festmachen. Zuerst konnten wir die Post nicht finden, da uns die Leute, die wir fragten uns immer in andere Richtungen schickten. Als wir die Post endlich gefunden hatten, war für jeden, außer Pille etwas da. Dann fuhren wir, nachdem wir noch nach Hause geschrieben hatten, mit der Trambahn zum Campingplatz zurück. Dann schnell jeder wie üblich ein halbes Weißbrot gegessen, und dann Matratzenhorchdienst gemacht. Es regnete immer noch.

7. Tag, 6. Juli 1960
Sehr spät aufgewacht. Um 11.00 Uhr sind wir aufgestanden und um 13.00 Uhr mit der Trambahn zur Post und in die Stadt gefahren. Es war keine Post da. Dann bummelten wir an den Grachten entlang. Dabei entdeckten wir eine Reederei, die Grachten und Hafenrundfahrten veranstalteten. Da ein Boot gerade leer war, machten wir eine Fahrt mit. Ein Führer erklärte auf englisch, holländisch und deutsch die Sehenswürdigkeiten. Unter anderem: den Münzbrunnen, die alte Kirche, die engste Straße (68 cm) und das schmalste Haus (Türbreite). Bei der Rundfahrt hatten wir herrlichen Sonnenschein. Nach der Rundfahrt suchten wir lange nach einem Bäcker bis wir endlich unser Brot kaufen konnten. Mit der Trambahn fuhren wir zurück. Als wir am Olympiastadion vorbeikamen war das Tor auf. Wir konnten es besichtigen, ohne Eintritt zu bezahlen.

8. Tag, 7. Juli 1960
Heute morgen ging es früh raus. Wir hatten noch viel vor. Wir wollten heute noch weiter Richtung Leiden. Um 9.00 Uhr etwa waren wir wieder reisefertig, und ab ging es noch einmal in die Stadt. Dort besichtigten wir das Rijksmuseum mit vielen von Rembrandts Bildern. Zuletzt hatte man schon gar keine Lust mehr. Das Museum ist zu groß und zuletzt weiß man gar nicht mehr was man alles gesehen hat. Trotzdem gingen wir noch ins Städtische Museum. Dort war das Programm etwas abwechslungsreicher. Die ältesten Bilder waren von van Gogh, der Rest stammte aus neuer und neuester Zeit. Gegen 14.00 Uhr fuhren wir aus Amsterdam raus. Unterwegs mußte Püster ein paarmal Luft pumpen. Etwa 3 Km hinter Amsterdam füllten wir unsere Feldflaschen auf. Dabei haben wir Püsters Rad geflickt. Um 15.20 Uhr fuhren wir weiter. Das Wetter war heute wieder gut. Es ging an einem Kanal entlang. Es war bisher in dieser Gegend schlecht, einen Kohtenplatz zu finden. Nach unseren bisherigen Erfahrungen können wir keiner Gruppe empfehlen, mit einer Kohte nach Holland zu fahren. Auf der Fahrt spähten wir immer schon nach einem Kohtenplatz aus. Als wir wieder an die Autobahn kamen, war in dem Wegedreieck ein Erlenbruch. Dort blieben wir, bauten die Kohte auf und kochten unsere Bohnensuppe, die wir eigentlich schon vor drei Tagen hatten essen wollen. Pille und Caul holten Wasser und Kartoffeln, während die anderen drei die Feuerstelle bauen und Feuerholz sammeln. Dann fingen wir an zu kochen. Um 21.00 Uhr waren die Bohnen einigermaßen gar, und wir bekamen endlich seit drei Tagen wieder etwas Warmes in den Bauch. Hinterher kochten wir noch einen schönen starken Pfefferminztee, den wir am nächsten Morgen zum Frühstück trinken wollten. Dann legten wir uns in die Schlafsäcke. Als wir einige Zeit gelegen hatten, wurden wir von einem Mückenschwarm überfallen. Wir konnten uns nicht mehr helfen. Wir gingen auf Tauchstation, das heißt, wir krochen ganz in die Schlafsäcke. Das half etwas. Aber Heino und Caul genügte das noch nicht. Sie flüchteten aus der Kohte, nahmen ihre Schlafsäcke mit und legten sich an die Straße in die Nähe der Überführung. Es soll da ja angeblich besser gewesen sein. Ob sie geschlafen haben weiß ich nicht. Wir in der Kohte haben jedenfalls auf Tauchstation geschlafen. Auf einmal wachte Gunter auf. Es plätscherte auf die Kohte, und wir hatten keine Abdeckplane auf der Kohte. Er weckte die andern und denn legten wir schnell eine Abdeckplane auf. Es war nur notdürftig. Caul und Heino hatten inzwischen auch festgestellt, daß es regnete. Sie schnappten ihre Schlafsäcke und beeilten sich, unter die Unterführung zu kommen. Da hielten sie es aber auch nicht lange aus, denn das Regenwasser sammelte sich und plätscherte munter durch Abflußrohre unter die Brücke. Also kamen die beiden in die Kohte zurück. Sie waren bis auf die Haut durchgeregnet. Dann schliefen wir trotz der Mücken ein.

9. Tag, 8. Juli 1960
Heute morgen spät aufgewacht. Wir versuchten vergebens Püster klar zu machen, daß er ins Dorf fahren müsse, um Brot zu holen, aber er ließ sich nicht erweichen. Schließlich erbarmte sich Gunter und holte etwas zu essen. Dann aßen wir erstmal gemütlich Frühstück. Als wir schließlich gegen 10.30 Uhr anfingen die Kohte abzubauen, kam ein Polizist.
Polizist: Du hier campen ?
Wir: Ja
Caul: Wir bauen aber gleich wieder ab
Polizist: murmel, murmel (Bahnhof... Koffer klauen)
Wir: Dann ist ja alles gut
Der Polizist verschwand wieder und wir verschwanden auch bald in Richtung Leiden. Gegen 13.00 Uhr fing es mit einem kleinen Gewitter an zu regnen und hörte gegen 17.00 Uhr wieder auf.Als wir etwa um 13.00 Uhr in Leiden ankamen, fragten wir uns zum Waffenmuseum durch. Dort wurden wir einem Führer zugeteilt, der die Sachen leider nur auf holländisch erklärte. Wenn wir uns zu weit von ihm entfernten, rief er uns zurück. Alleine durften wir nicht durch die Gebäude gehen. Es war trotzdem sehr interessant und lehrreich. Gegen 17.30 Uhr fuhren wir aus Leiden nach Gravenshage (Den Haag). Dort hatten wir schon immer nach einem Kohtenplatz ausgespät, aber der Wald war immer eingezäunt. Darum blieb uns nur der Campingplatz. In Den Haag fanden wir uns gar nicht zurecht. Als wir nach dem Campingplatz auf der Karte suchten, wußten wir noch weniger Bescheid. Da kam uns das Glück zu Hilfe. Aus dem Haus, vor dem wir standen kam ein Mädchen, sprach uns auf Englisch an und bot sich, da sie in der Nähe des Campingplatzes zu tun hatte an, uns dort hinzubringen. Wir nichts wie eingewilligt. Dann ging es ungefähr 14 Km durch die Stadt zum Campingplatz. Nachdem Püster und das Mädchen ihre Adressen ausgetauscht hatten, verabschiedeten wir uns mit vielen "Dankeschön" von ihr. Inzwischen fing es wieder an zu regnen. Nachdem die ersten Formalitäten erledigt waren, bauten wir wieder einmal die umständlichen Kröten auf. Dann schliefen wir alle schnell ein, denn dieser Tag war ziemlich anstrengend gewesen.

10. Tag, 9. Juli 1960
Heute etwas früher (für unsere bisherigen Verhältnisse) aufgestanden, denn wir wollten Den Haag in einem Tag schaffen. Als wir bezahlt hatten, wir mußten für jeden einen Gulden bezahlen, trafen wir einen holländischen und zwei amerikanische Pfadfinder. Mit den Amerikanern tauschten wir unsere Adressen aus. Sie sagten uns, sie wollen auf englisch, und wir auf deutsch schreiben. Der Holländer sagte uns, daß wir hätten sagen sollen wir seien Pfadfinder. Dann hätten wir 1. nur 50 cent bezahlen brauchen und 2. einen Platz nur für Pfadfinder zum Zelten bekommen. Aber man lernt ja bekanntlich nie aus. Jedenfalls wissen wir für die Zukunft bescheid. Dann fuhren wir die 14 Km ins Zentrum zurück, gaben unsere Räder in einer Fahrradaufbewahrung ab, und zogen in die Stadt zum Einkaufen. Hinterher brachten wir die Lebensmittel zu den Rädern und zogen erneut aus. Zum Mittag hatten wir einen ganzen Karton Kuchen eingekauft. Dieser wurde unterwegs verschlungen. Dann zogen wir ziellos durch die sehr große Stadt. Dabei stießen wir auf den "Ridderzaal", den Sitzungssaal der Könige. Man sagte uns, daß man im ganzen Gebäude keinen Nagel fände. Alles was sonst genagelt würde, wäre mit einem Holzdübel gemacht worden. Auf unserem Rückweg kamen wir am Planetarium vorbei. Da gerade Besuchszeit war, sind wir hineingegangen. Uns wurde der Lauf des Mondes sehr eingehend auf holländisch erklärt. Wir haben zwar nicht alles verstanden, sind aber gut mitgekommen. Danach holten wir unsere Räder ab, und fuhren aus Den Haag in Richtung Delft raus. Zwischen Den Haag und Delft fanden wir einen kleinen Wald wo wir hätten kohten können. Aber denkste! Hinter den ersten Bäumen versteckt waren Häuser und ein Bauernhof. Das war schon schlechter. Wir kurz überlegt, ob wir den Bauern fragen sollten, oder nicht. Aber fragen, wie jeder weiß, kostet ja nichts und mehr als nein sagen kann man auch nicht. Aber der Bauer sagte sofort ja. Wir freuten uns wie Schneekönige. Unsere Räder von der Straße weg und auf den Hof holen war eins. Dann fragten wir ihn nach Kohtenstangen, damit war es schon schlechter bestellt. Aber wir fanden, was wir brauchten. Dann bauten wir schnell die Kohte auf, denn wir wollten noch kochen. Wir suchten uns von den Bäumen das nötige Holz zusammen und bald brodelte es munter im Topf. Die Kartoffeln kochten. Heino und Gunter schnitten Gurken klein. Es sollte Labskaus geben. Es hat allen, glaube ich, gut geschmeckt, denn der Topf war bald leer. Gegen 21.30 Uhr schliefen wir langsam ein.

11. Tag, 10. Juli 1960
Spät aufgestanden. Frühstück vergessen. Es regnet. Wir sind den ganzen Tag nicht aus der Kohte raus gewesen. Nur dann, wenn wir dahin mußten, wo selbst der Kaiser zu Fuß hingeht. Dabei holte Püster sich ein ewiges Andenken. Er ist irgendwo hintergehakt und holte sich dabei ein "kleines Löchelchen" im Knie weg. Es war zwar nur etwa 1 cm tief, aber es blutete nicht schlecht. Nachdem wir ihn verarztet hatten, war es Zeit zum Mittagessen. Was wir dann auch gemütlich zu uns nahmen. Es regnete immer noch, auch durch die Kohte. Wir hatten ganz schön darin herumgetobt und waren dabei an die Kohtenbahnen gekommen. Gegen Abend wuschen wir die Kochgeschirre und den Topf aus und holten Milch, denn wir wollten Kakao kochen. Als der Bauer sah, daß unser Feuer mit dem nassen Holz nicht brennen wollte, gab er uns einen Sack voll Holz. Trotzdem brauchten wir infolge der Witterungsverhältnisse 1 Stunde und 18 Minuten bis unsere 5 l Milch kochten. Aber der Kakao schmeckte trotz und alledem vortrefflich. Dann legten wir uns bald wieder auf die faule Haut und schliefen ein.

12. Tag, 11. Juli 1960
Schon um 8.00 Uhr gefrühstückt, aber noch bis 10.00 Uhr im Schlafsack gelegen. Das Wetter war gut, aber es war sehr windig. Um 11.20 Uhr haben wir unseren Kohtenplatz wieder in Ordnung und waren reisefertig. Püster ging zum Bauern und bedankte sich. Dann fuhren wir nach Delft. Dort stellten wir unsere Räder in eine Seitenstraße und zogen in die alte Stadt. In Delft gibt es noch viele gotische Bauten. Das Rathaus ist ein Renaissancebau. Wir sind dort drin gewesen. Der Portier gab uns auf deutsch die näheren Erklärungen und übernahm die Führung. In einem Souvenirladen kauften wir uns ein paar Kacheln (keine echten, denn die sind zu teuer). Es gibt in ganz Delft auch nur ein Geschäft, das echte Delfter Kacheln verkauft. Dann haben wir noch zum Essen eingekauft und sind im Regen aus Delft gefahren. 11 Km hinter Delft sahen wir ein kleines Wäldchen, wo wir eventuell hätten kohten können. Aber rund um das Wäldchen war ein Wassergraben. Also nichts mit kohten. Aber wir nicht faul den nächsten Bauern gefragt. Pech gehabt. Beim nächsten klappte es. Im strömenden Regen bauten wir unsere Kohte im Apfelhof des Bauern auf. Als die Kohte stand, haben wir alle ein paar Karten Richtung Heimat geschrieben. Dann haben wir Brot geschmiert und gegessen. Es dauerte nicht lange, und wir schliefen. Nachts wurden wir wieder von Mücken tätlich angegriffen. Wir brannten Streichhölzer an, und ließen die Mücken in die Flamme fliegen. Das hat etwas geholfen. Später schliefen alle wieder ein.

13. Tag, 12. Juli 1960
Um 9.00 Uhr aufgestanden. Um 11.00 Uhr kamen wir in Rotterdam an. Die Sonne schien und es wurde uns schön warm. Darum zogen wir unsere Kohtenjacken noch vorm Stadtzentrum Rotterdams aus. Da gesellte sich ein etwa 10 - 11 jähr. Junge zu uns. Er sprach deutsch. Wir fragten ihn, ob er uns zur Post bringen wolle. Er willigte ein und brachte uns hin. Püster bekam Post. Dann brachte er uns noch zum Hafen und blieb bei uns. Im Hafen lag des zweite Schnellbootgeschwader der Bundesmarine. Wir versuchten auf die Boote zu kommen, aber man sagte uns, daß die Boote erst um 13.00 Uhr zur Besichtigung freigegeben würden. Da wir noch Zeit hatten, brachte uns unser kleiner Führer zum Tunnel, der unter Rotterdams Hafen hindurchführt. Er ist 2 Km lang. Wir gingen einmal durch und wieder zurück. Dann ging es auf die Boote. Als erstes stürmten wir die Kombüsen. Aber die Smutjes hatten die Essenreste schon weggeschüttet, und unsere Mägen knurrten weiter. Dann sahen wir uns die Boote etwas genauer an und beratschlagten, was wir dann machen wollten. Einige wollten unbedingt was essen, und die andern wollten unbedingt in die Floriade. Wir hungerten weiter und gingen in die Floriade, wo wir bis um 16.30 Uhr blieben. Dann gingen wir zu den Rädern, die dicht bei den Booten standen, zurück. Da kam Pille auf die Idee, zu fragen, ob wir auf den Booten essen könnten. Wir fragten den Posten, der schickte uns zum O.v.D. Es dauerte eine Zeit, bis wir den guten Mann fanden. Der fragte dann den Kommandanten und der sagte: Ja. Um 17.20 Uhr sollten wir uns auf der "Bussard" einfinden zum Essen. Die restliche Zeit lungerten wir noch im Hafen herum. Unser guter Führer fuhr nun auch nach Hause. Pünktlich um 17.20 Uhr fanden wir uns auf der "Bussard" ein. Wir staunten nicht schlecht. Es gab deutsches Brot. Wir haben gegessen für eine Woche auf Vorrat. Die "bauen Jungs" waren schwer in Ordnung und wir verstanden uns gut mit ihnen. Zum Dank mußten wir nach unserem guten Mahl Teller, Tassen, Messer, Gabeln und Geschirr für etwa 45 Mann abtrocknen. Um 19.00 Uhr gingen wir von Bord und fuhren weiter in Richtung Gouda. Wir suchten schon immer nach einem Kohtenplatz. Es war aber nichts gescheites zu finden. Da wir in Gouda etwas besichtigen wollten, hatten wir keine Lust hinter Gouda zu kohten. Also fragten wir einen Bauern. Nach einigem hin und her sagte er ja. Leider mußten wir wieder Kröten bauen. Aber gut geschlafen haben wir trotzdem.

14. Tag, 13. Juli 1960
Heute morgen haben wir uns erstmal tüchtig geschrubbt und gewaschen, ehe wir gegen 9.00 Uhr weiterfuhren. Als wir in Gouda ankamen, haben wir uns erstmal alle "Patates Frites" gekauft. Dann haben wir uns die Stadt angesehen und sind im Museum gelandet. Es soll ein Pfeifenmuseum sein. Es sind dort aber mehr Kacheln als Pfeifen ausgestellt. Dann fuhren wir aus Gouda in Richtung Utrecht. Dort kamen wir gegen 18.30 Uhr an. Wir haben unsere Räder in einer Fahrradaufbewahrung abgegeben und sind in die Stadt gezogen. Dort haben wir einige Kirchen von außen gesehen. Um 20.30 Uhr fuhren wir weiter. Hinter Amersfoort hatten wir keine Lust weiterzufahren. In dem nächstbesten Wald, kurz vor Nijkerk, haben wir uns hingehauen und geschlafen.

15. Tag, 14. Juli 1960
Um 8.30 Uhr aufgestanden. Die Kohtenbahnen gerollt und die Sachen gepackt. Dann Brot geschmiert und gegessen. Gegen 9.15 Uhr weitergefahren nach Harderwijk. Als wir in Harderwijk ankamen, hatten wir unsere Räder beim Rathaus abgestellt und haben dort unsere Anträge unterschreiben lassen. Dann gingen wir zur Post. Wir bekamen alle welche. Heino am meisten. Als wir unsere Post studiert hatten, fuhren wir weiter, um in der Umgebung Harderwijks einen Kohtenplatz zu suchen. Wir haben lange gesucht. Erst fragten wir bei einem Haus an, aber dort sagte man uns, daß wir auf den Campingplatz gehen sollten. Die sind nun gar nicht nach unserem Geschmack. Also suchten wir weiter. Schließlich bauten wir die Kohte heimlich, still und leise in einem kleinen Wald auf. Und wie konnte es anders sein. Als die Kohte stand, fing es an zu regnen. Nun hatten wir auch keine Lust mehr, uns die Stadt näher anzusehen. Aus diesem Grund blieben wir in der Kohte. Gegen 18.00 Uhr fuhren Heino und Caul doch noch los. Püster zögerte erst noch, aber er fuhr dann schließlich doch mit. Gunter blieb bei Pille, damit er nicht alleine blieb. Pille hatte nämlich ein ganz niedliches Furunkel am linken großen Zeh und konnte schlecht laufen. Als die drei wiederkamen, haben wir Abendbrot gegessen. Wir schimpften schon tüchtig über das holländische Brot. Es schmeckte uns ganz und gar nicht. Ich habe ganz vergessen zu erwähnen, daß wir zu Mittag eine Sandtorte verdrückt hatten, denn Pille hatte geschrieben, daß uns das Brot gar nicht mehr schmeckte. Danach krochen wir dann in die Schlafsäcke und waren nicht mehr zu sprechen.

16. Tag, 15. Juli 1960
Um 9.00 Uhr hatten wir ausgeschlafen. Hinterher gab es ein langes Palaver, ob wir einen Tag bleiben wollten, oder weiterfahren wollten. Schließlich blieben wir dann. Das Wetter war auch nicht gerade besonders gut. Um 11.00 Uhr aßen wir erstmal Frühstück. Dann wühlten wir bis zum Mittagessen um etwa 14.30 Uhr in der Kohte herum. Dann, es führte ja kein Weg umhin, denn wir mußten ja Brot haben, fuhren Caul und Gunter noch in die Stadt. Caul hatte geschrieben, und erwartete ein Paket. Es kam auch. Wir lachten uns bald halbtot als wir es in der Kohte aufmachten. Was war unter anderem darin? 1 Pfund Schwarzbrot (ganz verschimmelt)! Im stillen hatten wir auch mit einem Kuchen gehofft. Schließlich aßen wir gegen 19.00 Uhr Abendbrot und krochen dann zum Schlafen in die Pennbeutel.

17. Tag, 16. Juli 1960
Heute schon um 6.30 Uhr aufgestanden. Um 8.00 Uhr hatten wir abgebaut, aufgepackt und gegessen. Dann fuhren wir weiter. Das Wetter war nicht gerade gut, aber es regnete nicht. Gegen 9.00 Uhr kam die Sonne hoch. Kurz vor Apeldoorn, wir waren eine verkürzende Straße gefahren, haben wir Heidelbeeren (Bickbeeren) gepflückt. Der Waldboden war grün von Bickbeersträuchern und wir konnten den dicken Beeren nicht widerstehen. Als wir 2 und ein halbes Kochgeschirr, das sind etwa 4 3/4 l, gepflückt hatten, fing es plötzlich aus blauem Himmel an zu regnen. Das hatte uns zu unserem Glück gerade noch gefehlt. Wir kapitulierten vor dem Wetter, banden unsere Regenumhänge um und fuhren schnell nach Apeldoorn. In dem Wald liefen auf einmal drei ausgewachsene Wildschweine und 5 Frischlinge über den Weg. Komisch, wir traten auf einmal fester in die Pedale, denn der Keiler blieb stehen und schaute uns so komisch nach. Er lief aber bald hinter den Sauen her. In Apeldoorn war noch Markt. Wir stellten unsere Räder auf einen Parkplatz und kauften auf dem Markt ein. Was wir dort nicht bekamen, hatten wir in der Stadt gekauft. Gegen 14.30 Uhr fuhren wir weiter. Wir wollten noch bis Eerbeek. Bucki hatte uns von zu Hause geschrieben, daß es dort auch Pfadfinder gäbe, und wir bei deren Trupphaus auch kohten könnten. Das ließ sich schon hören. Gegen 17.00 Uhr kamen wir dort an. Bucki hatte uns auch die Adresse vom Trupp- und Stammesführer geschrieben. Wir fuhren aber erst zum Trupphaus. Heino wußte noch wo es war, denn er war vor zwei Jahren schon einmal dort gewesen. Dann fuhr Püster los um bei dem zuständigen Pfadfinder anzufragen wegen kohten. Es war aber niemand da. Inzwischen war ein Bus mit Wölflingen, die hier im Trupphaus schlafen wollten, angekommen. Wir fragten die Führer, es waren Akelas, daß heißt: weibliche Führer. Diese sind in Holland noch viel anzutreffen. Und die sagten ja. Als Püster wiederkam, haben wir uns erstmal unauffällig ein paar Kohtenstangen besorgt und die Kohte aufgebaut. Dann wurde es auch bald Zeit, Brote einzukaufen. Kurz vor 18.00 Uhr gingen Gunter und Caul los. Beim ersten Bäcker war kein Brot mehr zu haben. In der zweiten auch nicht, aber man sagte den beiden, daß um 18.15 Uhr noch einige Weißbrote aus dem Ofen gezogen würden. Um 10 Minuten nach 18 Uhr fuhren die beiden wieder los. Zu ihrer Überraschung war das Brot auch schon wieder verkauft. Die guten Leute von den Wölflingen waren zwei Minuten vor ihnen dagewesen und die gute Bäckersfrau hatte geglaubt, daß wir zu ihnen gehörten. Aber wir haben doch noch etwas zu essen bekommen. Caul und Gunter haben den Laden leergekauft. Alle halben Brote und drei Rosinenbrote, da war der Laden leer. Zur allgemeinen Beruhigung: das Brot hat gereicht. Als die beiden wiederkamen haben wir gekocht: Maggisuppe. Hinterher haben wir unsere erbeuteten Bickbeeren mit Trockenmilch gegessen. Wir waren so satt, daß wir sie nicht einmal alle aufbekamen. Also ließen wir sie über Nacht draußen stehen. Dann krochen wir auch bald in die Schlafsäcke, denn wir waren ziemlich müde.

18. Tag, 17. Juli 1960
Heute ist Sonntag. Darum haben wir erst einmal schön lange geschlafen, bis um 7.00 Uhr. Da kamen die Wölflinge, liefen um die Kohte und machten einen Riesenspektakel. Wir sind aber erst um 9.00 Uhr aufgestanden. Dann haben wir gefrühstückt und unsere restlichen Heidelbeeren dazu gegessen. Hinterher hatten wir alle große Wäsche. Pille und Gunter bauten aus sämtlichen Tampen und Bindfäden eine Wäscheleine und dann ging es los. Hemden, Hosen und Socken wurden in einen Eimer gesteckt und dann in der Hand geschrubbt. Als wir fertig waren, hatten wir kaum noch Seife. Als wir mit der großen Wäsche fertig waren, wurde es Zeit Mittagessen zu kochen. Wir hatten das Feuer schon an, da fing es an zu regnen. Wir das Feuerholz unter den Arm und ab in die Kohte. Da haben wir dann unseren "Fraß" zu Ende gekocht. Es gab Gehacktes mit Kartoffeln und Blumenkohl. Den Blumenkohl hatten wir schon seit dem 13. im Kochtopf. Er war gerade noch so eben zu genießen. Nach dem Essen haben wir unsere Schlafsäcke in die Sonne geschleppt und erst mal das verspätete Mittagessen verdaut. Als es Zeit zum Abendbrotessen wurde, da wurde halt geschmiert und gegessen. Hinterher kochten wir noch Tee und machten uns einen gemütlichen Abend.

19. Tag, 18. Juli 1960
Heute sind wir schon um 8.00 Uhr aufgestanden. Als wir uns beim Trupphaus waschen wollten, staunten wir nicht schlecht, als sich plötzlich 10 kleine Wölflinge mit verbundenen Augen und in Badehosen aus der Tür tasteten. Der Meutenführer, mit dem wir schon ganz gut auskamen und der deutsch sprach, erklärte uns, daß die Wölflinge, die zum erstenmal in einem Lager wären, getauft würden. Das konnten wir uns natürlich nicht entgehen lassen. Also zogen wir hinter den zitternden Wölfen hinterher. Die Wölflinge müssen an einem Tampen entlang laufen. Dieser ist natürlich in Schulterhöhe an Bäumen befestigt. Am Tampen hängen allerlei Geräte. Unterwegs werden sie mit Schokolade eingeschmiert und man erzählt ihnen, daß sie bei den Indianern gewesen wären. Damit sie nicht verhungern, bekommen sie während ihrer "Wanderung" ein Stück Honigkuchen mit Salz als Nahrung. Schließlich wird ihnen dann ein Becher voll Wasser über den Kopf gekippt. Als Abschluß folgt, immer noch mit verbundenen Augen der Mutsprung. Das könnte man bei uns im Stamm auch einführen. Nachdem wir uns gewaschen hatten und gefrühstückt, räumten wir unsere Kohte auf. Dann fingen wir bald an zu kochen. Das Feuer brannte nicht, daß Holz war naß, denn es hatte die ganze Nacht geregnet. Nach einigem Zögern fragten wir bei unseren "Genossen" im Trupphaus an, ob wir unseren Reis dort auf Gas kochen könnten. Das ging selbstverständlich. Wir kochten den Reis nicht ganz gar, um nicht zuviel Gas zu verbrauchen, denn der Meutenführer hatte uns gestern erzählt, daß die Benutzung des Hauses und das Gas sehr sehr teuer wären. Also saßen wir 3/4 garen Reis. Hinterher legten wir uns wieder auf die faule Haut. Im Laufe des Nachmittags wollten wir die Führer für heute abend zu einer Tee- runde in die Kohte einladen. Als wir unsere Einladung vorbrachten, rückten sie uns mit einer Einladung für heute abend auf den Pelz. Daraufhin verschoben wir unseren Teeabend auf morgen und nahmen die Einladung an. Pünktlich um 20.00 Uhr waren wir fertig und zogen rüber zum Trupphaus. Mit einem Freudengeheul der Wölflinge wurden wir empfangen. Dann pflanzten wir uns nieder. Es wurde gesungen und gespielt. Als wir gebeten wurden, doch auch etwas zu machen oder zu singen, haben wir letzteres vorgezogen. Nachher haben wir auch noch zwei Sketche vorgespielt. Zwischendurch gab es selbstverständlich Limonade. Als die Wölflinge schon in der "Falle" lagen wurden wir fünf noch zu einer Tasse Kaffee gebeten. Wir kamen und man sagte uns, daß man morgen früh ein Geländespiel vorhabe. Die Wölflinge (17) gegen uns (5). Wir sagten zu. Wir sagten zu, das Spiel morgen früh auch noch mit vorzubereiten. Dann gingen wir in die Kohte und in die Schlafsäcke.

20. Tag, 19. Juli 1960
Um 10 Min. vor 6.00 Uhr wurden wir vom Meutenführer geweckt. Dann zogen wir uns schnell an und begaben uns zu den Wölflingsführern. Diese erzählten uns wie sie sich den Verlauf ungefähr gedacht hatten. Nun ging es los. Wir legten Zeichen über Zeichen, bis wir an eine Stelle kamen, wo man sich prima hauen kann. Da wurde das letzte Zeichen gelegt. Dann ging es wieder zurück. Wir aßen erstmal Frühstück und räumten die Kohte ein wenig auf. Da kam der Meutenführer und sagte uns, daß wir noch einen Fehdebrief schreiben sollten und ihn heimlich an der Tür des Trupphauses mit Messern befestigen sollten. Nun mußte Gunter sich wieder mal die Finger wund schreiben. Schließlich brachten wir das Ding zustande und hefteten es an die Tür. Um 9.30 Uhr bekamen wir unsere Lebensfäden. Ein Knäuel weißes Garn. Dann fuhren wir los, schnappten uns das Totem der Wölflinge und sausten ab in Richtung "Schlachtfeld". Wir hatten eine halbe Stunde Vorsprung und deshalb Zeit genug, unsere Vorbereitungen für den Kampf zu beginnen. Zuerst machten wir uns "lebendig" und versorgten uns mit genügend Leben. Dann bauten wir unsere Posten, wo wir beim Angriff liegen wollten. Als wir damit fertig waren, fuhren Gunter und Pille nach zwei Seiten los, um zu sehen wie nahe der Feind schon angerückt wäre. Aber wir hatten noch viel Zeit, uns seelisch auf den Kampf 17 gegen 5 vorzubereiten. Nur eins war dumm. Die Wölflinge hatten ihr Halstuch als Lebensfaden und wir nur einen Wollfaden. Endlich kamen sie. Ganz lang- sam. Als die ersten dicht genug heran waren, brachen wir mit lautem Gebrüll aus unseren Verstecken hervor. Die armen Wölflinge waren zuerst ganz verdattert. Wir griffen uns gleich die nächsten und nahmen ihnen die Halstücher (ihr Leben) ab. Ganz langsam aber sicher hatten wir ihnen ihre Leben bis auf zwei abgenommen. Wir hätten sicher auch diese noch bekommen, wenn die toten Wölflinge nicht immer wieder angegriffen hätten. Schließlich hatten sie ihr Totem auch entdeckt, und nun ging es erst richtig los. Nun stürmten alle toten und lebenden Wölfe auf das Totem zu, holten es sich und warfen es vom Baum, in dem wir es versteckt hatten. Aber das war wohl nicht richtig. Gunter schnappte sich das Ding und lief damit in den Wald zu den Rädern. Diese standen für diesen Fall alle startbereit. Die Wölflinge alle hinterher und schwärmten aus. Das war gut. Eine kleine Kehrtwendung und zurück ging es. Wer sich in den Weg stellte wurde umgelaufen. Zuletzt war er ganz schön erschöpft. Da kamen Püster und mit ihm gleich 7 - 8 Wölfe. Er nahm das Totem und dann nahmen es ihm die Wölfe ab. Nun war alles verdorben. Jetzt hatten sie ihr Totem und jetzt mußten wir büßen. Wie waren jetzt nur 3 gegen 17. Caul und Heino suchten mit dem Rad im Wald nach Gunter. Nun kamen die Wölfe auf uns zu, mit 5-8 Mann hingen sie sich an dir. Du warst völlig wehrlos. Sie versuchten fortwährend, mit Tampen, Arme und Beine zu fesseln. Es ist ihnen aber bei keinem von uns richtig gelungen. Heino war bald zurückgekommen, aber wo war Caul ? Der war weg. Als die Schlacht endlich abgeblasen wurde und wir schon wieder stehen konnten, kam er auch wieder. Er sagte, er habe Gunter immer noch im Wald gesucht. Dann machten wir erst einmal Pause, ehe es zurück zur Kohte ging. Die Sonne schien ziemlich stark, und wir schwitzten alle nicht schlecht. Auf einmal fingen die Wölfe an zu heulen. Pille war immer so gelangweilt mit seinem Rad herumgefahren und hatte wohl gesehen, daß das Totem unbewacht dastand. Er hatte es im Vorbeifahren geschnappt, und war dann mit einem Kriegsgeheul davongefahren. Aber zu kloppen hatten die Wölfe wohl keine Lust mehr, denn sie fingen nicht gleich mit uns an. Als die Wölfe zu ihrem Bau zurückkehrten, zogen wir 5 uns erstmal richtig wieder an und klopften uns den Sand aus den Hemden. Dann fuhren wir hinter den Wölfen her und nahmen die ersten "schlappen" mit. Dann richteten wir einen Pendelverkehr ein, und holten die restlichen Wölflinge, so weit es ging. Püster war schon etwas eher losgefahren um einzukaufen. Er kam mit leeren Händen wieder. Die Geschäfte hatten schon zu. Aber hungern mußten wir nicht, denn wir wurden zum Essen bei den Wölflingen eingeladen, was wir dankend annahmen. Am Nachmittag gingen Heino, Gunter und Püster mit den Wölflingen zum Baden. Pille hatte seinen Fuß ungefähr wieder auskuriert, wollte aber nicht mit. Diesmal blieb Caul bei ihm. Die beiden wollten die Kohte für heute abend fit machen, was ihnen glänzend gelungen ist. Als die drei vom Baden zurückkamen, fuhren wir alle ins Dorf zum Einkaufen. Wir benötigten noch Brot und Aufstrich, und Kekse für den Teeabend. Dann aßen wir Abendbrot und sammelten noch schönes trockenes Holz für heute abend. Um 20.00 Uhr fingen wir an zu heizen. 15 Miunten später setzten wir das Teewasser auf. Denn um 20.30 Uhr, wenn die Wölflinge zur Ruhe gekommen sind, wollten unsere Gäste kommen. Püster ging ins Trupphaus, und sagte, daß unsere Gäste sich Tassen mitbringen möchten. Um 20.30 war der Tee fertig. Wir warteten. Um 21.00 Uhr, als sie noch nicht gekommen waren, wurden wir langsam ungeduldig. Vorher hatten wir uns die Zeit mit Singen vertrieben, jetzt fingen wir schon an zu schimpfen. Um 21.15 Uhr kamen sie schließlich. Nun wurde es lustig. Wir lachten fortwährend. Die Kekse schmeckten und der Tee wohl auch, denn der Topf war bald leer. Gunter flitzte los um neues Wasser zu holen. Dann kochten wir neuen Tee. Der Tee wurde aber nicht mehr alle. Um 22.30 Uhr verließen unsere holländischen Gäste uns wieder, und wir krochen in die Pennbeutel, denn morgen wollten wir noch sehr weit fahren. Vielleicht noch über die Grenze. GUT NACHT!

21. Tag, 20.Juli 1960
Heute haben wir bis um 8.00 Uhr geschlafen. Eine halbe Stunde später haben wir uns endlich bequemt zum Aufstehen. Dann haben wir uns gewaschen und unsere Sachen gepackt und aufgepackt. Als wir damit fertig waren, haben wir die Kohte abgerissen und unsere Lagerstelle aufgeräumt. Um 12.00 Uhr ungefähr waren wir fertig. Dann suchten wir die Wölflinge im Wald und verabschiedeten uns von jedem Einzelnen. Dann fuhren wir los in Richtung Grenze. Aufhalten konnten wir uns nirgends mehr. Wir fuhren überall durch, ohne etwas zu besichtigen. Zutphen lag bald hinter uns. Dann kam Hengelo. Nun zählten wir die Kilometer bis zur Grenze schon. Wenn wir uns noch ein wenig mehr beeilten, könnten wir in Nordhorn noch zur Post gehen. Endlich war die Grenze zu sehen. Püster wechselte unser restliches Geld wieder in DM zurück und dann gings zum Schlagbaum. Die holländischen Grenzbeamten sahen sich nicht einmal unsere Papiere an. Dann kam die deutsche Kontrolle. Caul hatte ein halbes Pfund Kaffee und wir hatten noch Tee für die Sippe. Brauchten aber beides nicht zu verzollen. Um 17.31 Uhr waren wir wieder in Deutschland. Nun ging es nach Nordhorn. Wir konnten noch gut zur Post kommen. Es war auch für jeden Post da. Dann suchten wir erst einmal die nächste Bäckerei auf, denn wir wollten ja endlich wieder deutsches Brot essen. Als wir wieder aus dem Laden kamen und das Brot verstauten, sprach uns ein Herr an. Er meinte, wenn wir mal billig übernachten wollten, sollten wir zum Polizeipräsidium fahren und nach Hauptwachtmeister Dorn fragen. Er wüßte zufällig, daß dieser zwei Zimmer mit 12 Betten für solche Fälle zur Verfügung habe. Wir überlegten. Sollten wir, oder sollten wir nicht? Als wir am Polizeigebäude vorbeifuhren hielten wir an. Wir hatten die Türklinke schon in der Hand. Da kamen wir uns irgendwie komisch vor und fuhren weiter. Kurz hinter Nordhorn fragten wir dann einen Bauern, wie es mit dem Schlafen im Heu stehe. Er sagte, wir könnten da ruhig schlafen. Er würde es aber nicht tun, denn auf seinem Hof wären sehr viele Ratten und seine Leute möchten kaum noch auf den Boden gehen. Aber geht man mal zu meinem Nachbarn dahinten. Na, wir zogen los. Der gute Mann überlegte lange, wo wir schlafen könnten. Der Boden wäre bis obenhin voll Heu. Aber auf der Hilln war noch Heu. Also schliefen wir auf der Hilln. Als wir unsere Schlafsäcke ausgebreitet hatten und soweit waren, daß wir essen konnten, kam die Bäuerin und sagte, wir sollten in die Küche kommen und dort essen. Sie hätte uns Milchsuppe gekocht, wo wir unser Brot zu essen könnten. Das ließen wir uns natürlich nicht zweimal sagen. Die Milchsuppe war bald alle und das Brot bald gegessen. Dann bedankten wir uns und krochen in die Falle.

22. Tag, 21. Juli 1960
Um 8.00 Uhr aufgestanden. Dann haben wir uns gewaschen und aufgepackt. Zum Kaffeetrinken gingen wir wieder in die Küche. Da war schon zu unserer Verwunderung für uns gedeckt und in der Mitte des Tisches stand ein großer Topf Milch und neben jedem Brett ein Eierbecher mit einem schön gekochten Ei. Dann schnitten wir unsere Brote auf und waren hinterher tüchtig vollgegessen. Dann fuhren wir, nachdem wir uns schön bedankt hatten, weiter. Gegen Mittag kamen wir in Lingen an. Dort gingen wir zur Post um nach Hause zu schreiben. Dann ging Gunter zum Friseur und die andern 4 zogen in die Stadt. Um 12.30 Uhr trafen wir uns wieder bei unseren Rädern und fuhren weiter. Vor Löningen machten wir gegen 16.00 Uhr noch einmal Rast in einem Wald. Dort standen sehr viele Steinpilze. Wir fingen an zu suchen und hatten unseren Kochtopf (12 ltr.) innerhalb von 10 Minuten übervoll. Dann fuhren wir bald weiter. Etwa 10 Km hinter Löningen schlugen wir uns in einen Wald zum kohten. Wir bauten aber keine Kohte auf, sondern Kröten, weil das sicherer war. Dann fuhren Caul und Pille los, um Wasser und Kartoffeln beim nächsten Bauern zu besorgen. Inzwischen baute Püster eine Feuerstelle und suchte Feuerholz, während Gunter und Heino die Pilze fertigmachten. Als die beiden wiederkamen, fingen wir sofort zu kochen an. Es gab wieder einmal Labskaus. Hinterher briet Caul die Pilze. Gunter aß keine mit, denn er fühlte sich schon den ganzen Tag nicht gut. Dann gingen wir bald in die Schlafsäcke.

23. Tag, 22. Juli 1960
Heute um 7.30 Uhr aufgestanden. Um 8.30 Uhr waren wir wieder reisefertig. Und weiter ging es. Gunters Rad hatte wieder einen Platten. Als wir es ein paarmal aufgepumpt hatten, platze uns der Kragen. Das Rad einfach auf den Kopf gestellt und den Schlauch aus dem Mantel gezogen. Das Loch war leicht zu finden, denn es zischte da nur so heraus. Also wurde ohne viel Umstände der Flicken raufgeklebt und weiter gefahren nach Cloppenburg. Da haben wir eingekauft. Als wir an einer Imbißbude vorbeifuhren, sahen wir ein Schild: 1 Teller Erbsensuppe mit Einlage 0,75 DM. Wir überlegten, dann gingen wir hinein und bestellten einen Teller und weils so gut schmeckte, noch einen. Dann noch ein Glas Frisco hinterher und dann ging es weiter, durch Wildeshausen nach Bremen. Wir hatten überlegt. Morgen ist Sonnabend und wenn wir morgen durch Bremen fahren, wird es wohl schlecht sein durchzukommen. Also fuhren wir heute durch. Es ging ganz gut. Wir fragten uns langsam durch. Hinter Bremen, es war noch in Lilienthal, fragten wir einen Bauern, ob wir dort schlafen könnten. Es ging. Wir schliefen im Kuhstall, wo wir uns Strohmatten ausgerollt hatten. Um 21.00 Uhr war es im Kuhstall ruhig.

Letzter Tag, 23. Juli 1960
Um 6.00 Uhr wurden wir geweckt, als der Bauer mit seinem Trecker von der Diele zum Melken fuhr. Wir schliefen alle wieder ein. Gegen 8.00 Uhr wurden alle langsam wach. Dann wurden wir mit einem Topf Kakao aus den Schlafsäcken gelockt. Die Bäuerin hatte uns einen Topf gekocht. Da mußten wir uns wohl oder übel bequemen, aufzustehen. Nun ging es ans Brote schmieren. Wir hatten noch genug Aufstrich. Auf einem Feinbrot verschmierten wir 4 Scheiben Käse, eine halbe Mettwurst, Margarine und 1 Glas Marmelade. Wie das schmeckte, kann sich wohl jeder vorstellen. Dann packten wir auf, rollten die Strohmatten zusammen und verabschiedeten uns von dem Bauern. Nun ging es ganz gemütlich nach Hause. Wir fuhren durchs Moor. In Spreckens ging zu allem Glück Gunters Kette ab. Und dann passierte es noch 2 Mal. Um etwa 20 Minuten nach 12.00 Uhr waren wir wieder in Bremervörde, das heißt, wir waren am Ortsschild. Dann fuhren wir alle auf dem kürzesten Weg nach Hause.

Das war das Ende der Hollandfahrt der Sippe "CHRISTOPH V. ISSENDORF"

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