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1960-1_4

1960-1 Schwedenfahrt der Sippe "Hinnerk von Borgh" 1960

"Wir erleben Schweden:"

Teilnehmer:

Dieter Beckmann (Becki)
Werner Buck (Bucki)
Robert Glier (Giel)
Friedrich Kirck (Fietje)
Diedrich Richters (Bibi)
Uwe Paulsen (Paul-us)
Werner Schwarz (Blacky)

Italien 1959 (Rückblick)
Nach einem heißen Tage schlagen wir unser Zelt neben einer Straße auf. Schon nach einer halben Stunde ist unser Lagerplatz voll von italienischen Jugendlichen, die uns zusehen. Woher sollen wir die benötigten Zeltstangen bekommen? Kaum hat ein Italiener diese Frage vernommen, bittet er mich, auf seinem Rad Platz zu nehmen, und mit mehreren Freunden fahren wir durch das abendliche Dorf, bis wir vor einer Sägerei halten. Dort schneidet man uns sofort Zeltstangen zurecht, die wir nicht zu bezahlen brauchen. Als wir zum Lagerplatz zurückkommen, ist dieser immer noch belagert, und inzwischen hat man uns eine Kochstelle gebaut und Feuerholz besorgt. Ein Junge versucht gerade das Holz anzuzünden. Bald ist das Essen mit Hilfe der italienischen Jungen gar. Eine Flasche Wein und Pfirsiche werden uns auch geschenkt. Nachdem wir dann zu Ende gegessen haben, lädt uns Carlo, der uns schon beim Besorgen der Zeltstöcke geholfen hat, zu einem Eis ein.....

Schweden 1960
Wir verlassen die Rollkiesstraße und betreten einen kleinen Weg, der uns an den Lelungen führen soll. Links vom Pfad erstreckt sich Moor bis an den See. Die weißen Stämme der Birken leuchten zu uns herüber. Auf der anderen Seite des Weges sehen wir Föhren, die sich gegen den klaren Himmel
abheben. Überall erblicken wir Bickbeeren neben dem Pfad. Als sich der Wald dann etwas lichtet; sehen wir "unseren" See. Dort drüben am anderen Ufer der steil abfallende Fels, vor uns die kleine Bucht, deren klares Wasser ein Ruderboot schaukelt, die glitzernde Wasserfläche - alles dies beeindruckt uns sehr. Wir umgehen die Bucht und erreichen, immer auf dem Pfad am See gehend, unseren Lagerplatz. Als wir die Affen abgelegt haben, können wir nicht umhin, zuerst einmal die Umgebung des Zeltplatzes nach Blaubeeren abzusuchen. Überall finden wir die Früchte in großen Mengen, so daß wir die Büsche gar nicht leer pflücken. Als wir die kleinen blauen Beeren kaum noch sehen mögen, bauen wir die Kohte auf und kochen unten am See.

   In den folgenden Tagen erkunden wir die Umgebung des Lagers, baden, bauen ein Floß und fischen.
   Nach drei Tagen ziehen wir weiter durch die schwedische Wildnis - eine schöne Wildnis.

Liest man die beiden Berichte von unseren Fahrten nach Italien und Schweden, fällt einem sofort dieser Unterschied auf. Im sonnigen Süden stand für uns die Begegnung mit dem italienischen Menschen im Vordergrund, im Norden war die Begegnung mit der schwedischen Natur das größte Erlebnis. Wer aber kann die Frage beantworten, welche Fahrt schöner war?

Bild S-4     Bild S-5     Bild S-6

Wann .... von ...... bis ....... ?

1. Tag: Bremervörde Hamburg - Flensburg - Frederikshavn
(480 km) Zug
2. Tag: Frederikshavn - Göteborg - Mellernd - Ingribyn
(215 km) Fähre, Zug, zu Fuß
3. Tag: Ingibyn - Håverud - Tisselskog - Lidan (Scheune, 19 km)
4. Tag: Aufbau der Kohte (1 km)
5. Tag: Lidan - Dals Långed - Åsnebo - Bågeholm (21 km)
6. Tag: Bågeholm - Laxarby - Vestra - Solsjön (11 km)
7. Tag: Ruhetag
8. Tag: Vestra - Solsjön - Bengsfors - Vestra - Solsjön (Verpflegungstransport, 15 km)
9. Tag: Vestra - Solsjön - Ödegården - Fjus (30 km)
10. Tag: Ruhetag
11. Tag: Ruhetag
12. Tag: Fjus - Backa - Tegen - Tokil - Risviken - Lukeviken (20 km)
13. Tag: Lukeviken - Årjäng (8 km)
14. Tag: Årjäng - Högelion - Ström - Lelungen - Årjäng (Erkundungsmarsch; Zug 16 km, zu Fuß 31 km)
15. Tag: Årjäng - Ström - Lelungen (19 km)
16. Tag: Ruhetag
17. Tag: Ruhetag
18. Tag: Lelungen - Lenungen - Lelungen (Verpflegungstransport, 12 km)
19. Tag: Ruhetag
20. Tag: Lelungen - Ström - Årjäng (19 km)
21. Tag: Årjäng - Mellernd - Trollhättan (140 km) Zug
22. Tag: Trollhättan - Göteborg - Frederikshavn (165 km) Zug, Fähre
23. Tag: Frederikshavn - Flensburg - Hamburg - Bremervörde (480 km) Zug

Während des Wanderns befolgten wir die Regel:
- ungefähr alle 1 - 1 1/2 Stunden eine kurze Ruhepause von 10 Min. einzulegen,
- etwa bis 17 Uhr zu wandern und dann zwei Kundschafter auszuschicken die einen geeigneten Kohtenplatz suchen sollten.
- morgens schnell das Zelt abbauen und möglichst nicht um die Mittagszeit zu wandern.
- gegen Abend auf Pfifferlinge - sie waren fast durchweg nicht zerfressen - zu achten und sie in einen Beutel zu sammeln.
- auch noch zu lächeln, wenn wir vor einem Berg standen, die Sonne stach, die Feldflaschen leer waren und die Füße brannten.

Zu Fuß und auf der Achse

Von Göteborg bringt uns die SJ, was eine Abkürzung für Sveriges Järnwegs ist und soviel wie Schwedische Reichsbahn heißt, nach Mellerud, dem Ausgangsort unserer dreiwöchigen Wanderung. Ungefähr zwei Stunden verbringen wir in den rot angestrichenen Holzwagen, deren Außenfassaden einen veralteten Eindruck machen, von innen aber sehr bequem und modern eingerichtet sind. Eine Wasserkaraffe mit hygienisch verpackten Pappbechern ist in jedem Wagen zu finden. Der Unterbau, über den die schwere Diesellock rattert, erfüllt uns allerdings mit einigem Bedenken. Die Schienen sind mit großen Nägeln an den Schwellen befestigt. Aber unser Mißtrauen ist unberechtigt.

Gleich nach Mellerud machen wir mit den schwedischen Rollkiesstraßen Bekanntschaft. Alle Augenblicke müssen wir haltmachen, um die kleinen Steine aus unseren Schuhen zu entfernen. Verstaubte Wagen kommen uns entgegen. Zu unserem Erstaunen sind es fast alles bekannte Typen. Sehr beliebt scheint der Opel zu sein, der sogar noch die Zahl der schwedischen Volvos überbietet. Der deutsche VW liegt an dritter Stelle. Diese Rangordnung finden wir während des weiteren Verlaufs unserer Reise bestätigt. Später begegnen uns auf steilansteigenden, gewundenen Straßen die kraftvollen Lastkraftwagen von Volvo. Am Führerhaus dieser mit einer grauen Schmutzkruste bedeckten Wagen ist ein kleiner Kran befestigt, der wie ein kleines Geschütz aussieht. Tag für Tag holen sie die gefällten Baumstämme aus den großen Wäldern.

Auf der Rückreise treffen wir in Trollhättan auf den Götakanal, der sich in ost-westlicher Richtung durch ganz Südschweden zieht. Von Stockholm gelangt man auf ihm in malerischer Fahrt nach Göteborg. Wir stehen neben den Schleusenanlagen, denen Trollhättan seine Berühmtheit mit verdankt. Seit dem 16. Jahrhundert sind hier vier Schleusenführungen fertiggestellt worden. Früher stürzte der Götaalv an dieser Stelle ungefähr dreißig Meter in die Tiefe. Schiffe ziehen an uns vorüber, darunter viele ausländischer Nationalität. Besonders häufig wird der kanal von deutschen und niederländischen Schiffen befahren. Auf ihrer Reise vom Väner-See bis zum Meer haben sie einen Höhenunterschied von über vierzig Metern zu überwinden.

Leider müssen wir morgen schon wieder weiter. Wir wären gerne noch länger an diesem Kanal, der zu den wichtigsten Transportstraßen Schwedens zählt und ein Tor zur Außenwelt ist, geblieben. Doch in Göteborg wartet die "Princessan Christina" auf uns.

Tack so mycket

"Kan ni visa mi vägen till Bränna", ist die erste Frage, die ich in Mellerud an den Mann bringen kann. Scheinbar bin ich verstanden worden, denn man weist in die schon von uns vermutete Richtung. Von dem Gesagten verstehe ich allerdings kein einziges Wort, und nicke nur verständnisvoll mit dem Kopf. Später merken wir, daß die schwedische Sprache sehr einfach ist, kommt man doch sehr gut mit einer einzigen Vokabel aus: t a c k - danke, oder auch: "tack so mycket", was soviel wie "vielen Dank" heißt und in einer unruhigen Kohtennacht von uns in "Zack die Mücke" umgeformt wird.

Giels Wörterbuch kommt während der ganzen Fahrt nicht zur Ruhe, und gegen deren Ende haben wir es soweit gebracht, daß wir wenigstens einkaufen können. Öfters treffen wir auch auf Schweden, die Deutsch sprechen. Zumeist sind es Großstädter, die ihren Urlaub an den kleinen Seen verbringen. Schade aber, daß wir nicht perfekt Schwedisch können. Wie gerne hätten wir uns mit einem der Bauern, deren Gehöfte einsam im Wald liegen, unterhalten. Ihre Rede fließt wie ein Wasserfall an uns vorüber, und wir können nichts anderes tun als freundlich mit dem Kopf zu nicken und hinterher unser "tack" vom Stapel zu lassen.

Verständigung - sehr gut !

Hm. - - God middag - - mm - - wir möchten - - äh, könnten wir vielleicht
- hm - Unser Topf ist kaputt und wir wollen ihn nieten lassen -
Ja, kaputt! - Nieten - jaja, nieten - (dummes Volk) endlich kapiert. -
"Kostar drei Kronen" -
Waaaas, sooo teuer! - - Zu teuer! - - "Kostar 2 Kronen".
(Holt Geld hervor, bezahlt.) -
Tack, tack, ------- Adjö. ------

"kunna vi en roddbåt hava, för tre dag? vi brinnga till baka."

Unser letzter Versuch, zu einem Ruderboot zu gelangen.


Mich lockt es durch Wälder zu streifen

1. Mich lockt es, durch Wälder zu streifen,
    doch ruf ich auch dort ohne Antwort nach dir.
    Die Beeren im Tale schon reifen,
    das Echo alleine kennt die Sehnsucht in mir.

2. Mir träumte, ich hörte dich nahe,
    doch nahmst du den andern und hast ihn gefreit.
    Ach, kommst du doch wieder, du Liebste,
    ich wollte vergessen all Sorgen und Leid.

3. Und oft, in der Nähe und Ferne,
    da such ich den Weg, doch er führt so weit fort.
    Denn du bist so fern wie die Sterne,
    die Sterne, die leuchten an jeglichem Ort.

Lied aus Dalsland

Bild S-10

..... auf Dal

"In welcher Gegend Schwedens habt ihr denn im Sommer gewandert?", wurde ich nach unserer Fahrt gefragt. "Wir waren auf Dalsland" antwortete ich. "Wo liegt denn diese Insel?", werde ich dann wieder gefragt.

Lächelnd entgegnete ich: "Dalsland oder auch Dal ist keine Insel. Es liegt zwischen dem Väner-See und der Küstenlandschaft nördlich von Göteborg, dem Bohuslän. Früher konnte man Dalsland aber wirklich als Insel bezeichnen.

Als der Götakanal noch nicht den Vänersee mit dem Meer verband, als die großen Seen auf Dal noch nicht durch kleine Kanäle zu einer 255 km langen Wasserstraße verbunden waren, lebten die Menschen dort auf einer weltabgeschiedenen Insel. Sie kamen nicht nach Vänersborg und nicht nach Uddevalla, sie kamen, wenn der Winter die Seen zufror, mit dem Schlitten über die norwegische Grenze, verkauften ihr Holz in Halden und besorgten sich dort das Nötigste zum Leben und Arbeiten. Es gab mancherlei Verwirrung und Ärgernis. Endlose Grenzkommissionen ließen sich von den Einheimischen über die Felssteige führen, Militärs besichtigten kopfschüttelnd die im Sommer überall von langen Seen gesperrten Verbindungen, und man kam überein, befahrbare Wege in die Felsen zu sprengen, daß Dalsland seinen Zugang zur großen Welt bei Uddevalla haben sollte.

Aber das geschah erst im 19. Jahrhundert, und auch heute noch glaubt man manchmal beim Durchstreifen der großen Wälder zwischen den Seen irgendwo am Ende der Welt zu sein."

"Da vorne auf der Straße ein Elch!!"
"Was, - der hat ja 'ne Glocke um!"

Was da kreucht und fleucht

Auf unserer Fahrt durch Schweden haben wir auch die Tierwelt aufmerksam beobachtet. Wir wollten wissen, ob wir wohl Tiere sehen würden, die wir noch nicht kannten und die es vielleicht sogar in Deutschland nicht einmal gibt.

In Dänemark, auf der Überfahrt und auch während der ersten Tage in Schweden erlebten wir in dieser Hinsicht nichts Besonderes.
Als wir aber am 4. Tag unserer Reise eine Landzunge betraten, die in einen großen See hineinragte, flogen auf einmal weiß-schwarze Vögel vor uns auf. Es war nach unserer Meinung eine Möwenart, die man in Schweden "Lommen" nennt. Das Geschrei dieser Vögel begleitete uns noch lange in die Nachtruhe hinein. Am nächsten Morgen fanden wir bei unserem Streifzug über die Landzunge dann auch die Nester dieser Vögel.

Als ich eines Morgens unseren Wimpel aufgehängt hatte und dabei von einem Baum heruntersprang, sah ich neben mir eine schwarze Schlange. Als auf meinen Ruf hin Becki herbeieilte und die Schlange sah, waren wir beide der Meinung, daß es sich um eine giftige "Viper" handeln müsse. Andere Pfadfinderkameraden, die wir später trafen, meinten allerdings, daß es sich nur um eine Art von Ringelnatter gehandelt habe.

Auf unserer Wanderung durch Südschweden kamen eines Tages durch einen Wald, in dem sich dichtes Unterholz und viel Buschwerk befand. Da wir bei dem Bickbeerensuchen ziemlich laut waren, schreckte auf einmal ein Auerhahn mit lautem Geschrei auf. Er lief eine Strecke auf einem Pfad entlang vor uns her und flog dann über das Buschwerk hinweg in den nahen Hochwald. Dabei konnten wir ihn gut beobachten. Er hatte einen schwarz-roten Schwanz, weiße Spitzen an den Flügeln und eine goldgelbe Kehle.

In Deutschland hatte man uns viel über die Elche erzählt. Wir waren deshalb gespannt, ob wir wohl eine Begegnung mit ihm in freier Wildbahn erleben würden. Leider warteten wir vergebens, da sich die Elche fast nur noch in Mittelschweden und Nordschweden aufhalten. Trotzdem sind wir hin und wieder auf Elchspuren gestoßen. Auch sahen wir komische Losung, von der wir nachträglich erfuhren, daß es sich um Elchkot gehandelt haben müsse. Zu unserer großen Freude fanden wir am Schluß unserer Fahrt in dem Pfadfinderheim von Trollhättan einen Elch. Wenn er nur ausgestopft war und nicht mehr lebte, so vermittelte er uns aber doch ein anschauliches Bild von der Größe und Majestät dieses Tieres. Er war in dem naheliegenden Naturschutzpark gefangen worden.


Tagesablauf

6.30 Uhr Wecken, Aufsteh'n
wie der Blitz zum Waschen hin,
in die Fluten reingesprungen,
danach frei und ungezwungen
wird das Morgenlied gesungen -
und das Essen kann beginnen.
Jeder kriegt, ob große Not,
19 Scheiben Knäckebrot.
Ist das Brot dann aufgegessen,
wird für's nächste schon gesorgt,
"Hei, das wird ein prima Essen!"
"Bickbeern", war sein letztes Wort.
In den Wald zum PiIze sammeln
oder sollen die denn da vergammeln?
Nein, das wäre gleichsam Mord.
Nähert die Uhr sich dann ZwöIfe,
wird das Feuer angemacht.
Klar mit einem Streichholz immer,
Mensch, das wäre doch gelacht.
Und der Topf, der blitzeblanke,
wird mit Wasser vollgefüllt.
Und Kartoffeln, Nudeln, Pilze,
etwas Margarine noch.
Jetzt das ganze ziehen lassen -
Gut. - Glück ist der beste Koch.
Nach 'ner 1/4 Stunde Kochen
sind auch die Kartoffeln gar.
Falls sie hart sind, glaubt es nicht,
denn es ist bestimmt nicht wahr.
Jeder kriegt seine 2 Schläge
mit 'nem Schwung in's Kochgeschirr.
Alle möchten noch ein bißchen,
aber nein - der Topf ist leer.
Nun kann jeder tun und lassen,
was er will, was ihm beliebt.
Auf Erkundung wird gegangen,
andere wollen Fische fangen,
damit's nicht immer Bickbeern gibt.
Abends wird dann noch gesungen
und erzählt die halbe Nacht.
Welche gehn zum Wasserholen,
einer geht auf Mückenjagd.

Giel


Auf Erkundung

Es war der "Niedere Solsjön", den wir am 6.Tag erreichten, der See, an dem die Schwedenfahrer von Walter Scherf auch gelagert haben. Hier wollten wir zwei Tage Rast machen, um unser Zeug waschen zu können. Aus diesen zwei Tagen wurden drei, und es wären bestimmt noch mehr geworden, wenn uns nicht die Verpflegungsfrage solche Schwierigkeiten bereitet hätte. Jeden Tag hatten wir etwas neues, wir angelten, gingen baden oder erforschten den See. So auch heute. Bibi und Bucki waren nach Bengtafors geklotzt, um einzukaufen und Bucki's Schuhe reparieren zu lassen. Fietje und Paulus waren zum Angeln gegangen; und wir - Becki, Blacky und ich wollten die uns noch unbekannte Seite des Sees erforschen, in der Hoffnung, auf ein Boot zu stoßen. Fänden wir keins, so wollten wir uns ein Floß bauen. Zu diesem Zweck nahmen wir eine Plastikleine mit.

Unser Weg führte uns an der Stelle vorbei, an der wir zuerst auf diesen See stießen. Plötzlich war alles blau um uns: Bickbeeren, so groß wie Marmeln, und was für Mengen! Wir hocken uns kurz hin und begannen zu essen. Nach einer Viertelstunde konnte man die blauen Dinger nicht mehr sehen. Aber überall, wohin man schaute, sah man Bickbeeren. Wir konnten nicht mehr. Wir zogen weiter, immer am Ufer des Sees entlang, mal oben am Rande der Steilhänge, mal unten am Wasser. Mancher abgestorbene Baum, der oben in den Felsen langsam verfaulte, wurde von uns in's Wasser befördert. Es machte Spaß, zuzuschauen, wie der Baum sich langsam neigte, Übergewicht bekam und hinabstürzte. Öfters mußten wir kleine Buchten umgehen. Es war immer eine mühselige Kletterei über die Felsblöcke, die mit Moos gänzlich überwuchert waren. Trat man auf das Moos, so rutschte man aus. Als wir wieder einmal eine solche Bucht umgangen hatten, sahen wir rechts durch die Bäume Wasser schimmern. Ein See, aber welcher? War das etwa der See, an dem die Kasseler zelteten? Nein, das konnte nicht angehen, so dicht konnten sie noch nicht sein. Wir gingen drauf los und stellten fest, daß dies auch nur eine der vielen Buchten war, nur eine sehr große. Quer vor der Bucht lagen ein paar Inseln, so daß der Eingang schlecht zu sehen war. Wir kletterten auf einen schmalen Felszipfel und beratschlagten: "Sollen wir die Bucht umgehen oder sollten wir rüberschwimmen?" Sofort waren wir uns einig - rüberschwimmen. Aus Baumstämmen, die wir zusammensuchten, wurde ein Behelfsfloß gebaut, auf das wir unser Zeug legen wollten. Oben auf die Stämme legten wir noch ein paar große Borke, damit das Zeug etwas höher lag.

Da wir alle Kohtenjacken anhatten, entwickelten wir ein Patent, mit dem wir nichts verlieren konnten. Der Kragen wurde nach innen eingeschlagen und die Riegel zugeknöpft, Hemd, Hose und Schuhe heineingestopft und das Ende umgeschlagen. Darüber wurden die Ärmel geknotet. So hatten wir drei Bündel, die unser Floß gut trug. Langsam wagten wir uns ins Wasser. Es war ziemlich warm und reichte uns höchstens bis zu den Schultern. Dann wurde es tiefer und wir mußten schwimmen. Becki schwamm voran, Blacky an der Seite und ich hinten. Langsam kamen wir mit unserem Floß voran. An der ersten Insel ging es vorbei und dann noch ein kleines Stück weiter. Als die nächste Insel uns die Sicht auf die Bucht freigegeben hatte, sahen wir dort am Ende einen Schuppen, der wohl zum Unterstellen eines Bootes gedacht war. Richtig, da lag ja auch ein Boot! Schnell schwammen wir noch das letzte Stück, bis zum Land, nahmen unser Zeug vom Floß und banden das Floß auseinander.

Unsere Bündel waren trocken geblieben. Weil wir kein Handtuch hatten, wurde das Hemd dazu ernannt. Schnell angezogen und hin zu dem Schuppen! Das Boot lag davor auf Land. Wahrscheinlich gehörte es einem Fischer, der nur noch zum Wochenende herauskam. Trotz des Suchens konnten wir keine Ruder entdecken. Wir fanden aber einen Zeltplatz, der wohl öfters benutzt wurde, denn Feuerholz, Zeltstäbe und Häringe lagen in der Weide. Wir ließen alles so, nur ein paar Bretter nahmen wir noch mit, um uns daraus Ruder zu schnitzen. Mit zwei Mann hoben wir das Boot ins Wasser. Es war sehr leicht und so gebaut wie alle Boote hier am See. Das Rudern war sehr mühselig, aber es ging. Zuerst nahmen wir Kurs auf unsere Angler. Die wunderten sich nicht schlecht, als wir mit einem Boot ankamen. Wir mußten ihnen kurz erzählen, wie wir zu dem Boot gekommen waren. Da es langsam Abend wurde, mußten wir zurück ins Lager, um das Abendbrot zu machen, damit unsere beiden Wanderer nicht schimpften.

- Giel -

Bild S-16

Solch ein Ständer ist rasant
an ihm hängt so allerhand
Löffel, Gabel, Kochgeschirr
und noch vieles mehr.
Obendrauf da weht ganz flott

Krepp-Papier - 400 Blatt.

 

Nach der Meldung, der Donnerbalken sei fertig,
geht Pfadfinder hin, kommt zurück und sagt:
"Da liegt wohl 'ne Verwechslung vor, da hat
doch jemand einen Barren gebaut!"

- Giel -


Ein verfallenes Ödgut

Sieh einmal den alten Schuppen an! Mühsam hält er sich noch auf seinen steinernen Beinen. Dort hinter der Wegbiegung steht das Wohnhaus. Die Fenster sind zugenagelt, keine Farbe gibt dem Haus das sonst gewohnte schmucke Aussehen der Holzhäuser, auf dem Tritt sprießt frisches Gras ..... Diese Tür ist nicht zu öffnen, aber hier findet man Einlaß. Wir treten in ein dunkles, kahles Zimmer. Der Kamin und die hölzerne Decke sind vom Rauch geschwärzt. Auch der andere Raum ist leer, nur ein Bettgestell lehnt an der Wand, die das Volk der Ameisen schon in Besitz genommen hat.

Hier haben vor fünf, vielleicht auch noch vor drei Jahren Menschen gewohnt. Die verließen den Hof, vielleicht, weil sie die Einsamkeit in den Wäldern nicht ertragen konnten, vielleicht starb der letzte Bewohner, während seine Söhne schon vor längerer Zeit in der Stadt Arbeit gesucht hatten.

Viele solcher Gehöfte gibt es auf Dal und in Wärmland, so daß Dalsland nur noch die Hälfte seiner Einwohnerzahl von 1850 hat. Vor hundert Jahren wanderte eine ganze Zahl tatkräftiger Dalsländer nach Amerika aus. Es gibt eine Vereinigung der Freunde Dalslands in Chicago, es gibt einen Heimatbund in Minneapolis .... Aber auch in den großen Städten Schwedens gibt es überall dals-ländische Heimatgilden.


Einst fuhr ich auf das Meer hinaus

Einst fuhr ich auf das Meer hinaus,
fort von meines Vaters Land,
zu suchen einen Freund da drauß'
doch keine Treu ich fand.
Nun kann ich niemals glücklich sein,
denn Trauer drang ins Herz hinein,
ich bin das Glück nicht wert.

Lied aus Värmland


Verpflegung und Preise

Während ich diese Zeilen schreibe, bin ich mit meinen Gedanken zurückgeeilt nach Schweden. Zwischen Findus, Wasie-Bröd und Bickbeeren finde ich mich wieder. Indem ich alle diese Dinge sehe, fallen mir immer neue Erlebnisse ein. Eines davon habe ich aufgeschrieben .....

Für uns bedeutete die Schwedenfahrt eine völlige Umstellung des Magenfahrplanes und eine völlige Umgewöhnung in den Speisen. Auf viele Dinge, die uns zu Hause zur Gewohnheit geworden waren, mußten wir nun verzichten. Zum Beispiel vermißten wir Schwarzbrot, Kartoffeln und Milch, um nur ein paar Teile zu nennen. Andere Sachen waren für uns völlig neu, wie Honigkäse und Knäckebrot. Damit bin ich auch schon beim Aufzählen der Sachen, die ich gerne näher beschreiben möchte.

Als wir wieder einmal neue Verpflegung besorgen mußten, trafen wir an einer kleinen Straße auf eine Ansammlung von Häusern, unter ihnen auch eine Tankstelle und ein "Köoman". Der Laden hatte in großen Buchstaben "JOHANNSON" über dem Eingang stehen. Ein Musterbeispiel für "Klein Karstadt". Hier konnte man alles kaufen, was man brauchte. Als wir dort zum ersten Male einkauften und uns beim Kartoffelkaufen nicht richtig verstanden, führte uns die Verkäuferin durch das Lager, um sie uns zu zeigen. Was wir hier dann sahen, war erschreckend. Im Laden sah es schon recht bunt aus, aber hier erst: Nägel, Angelhaken und Gartengeschirr lag neben Waschmitteln und Mehl.

Als wir nun unseren Einkaufszettel vorlasen, holte die Verkäuferin die Sachen heran: 2 kg Strösocher, 1/2 kg Lök, Findus und Knäckebröd .... - Findus, nur ein Firmenname, aber wir wußten Bescheid. Eine Marmelade, nein, eher eine eingedickte Fruchtsaft-Essenz in rot oder gelb, unheimlich süß (50g Zucker in 100g Marmelade) und künstlich gefärbt. Tropic oder Felix war das gleiche, nur mit Apfelsinengeschmack. Wir kamen zuletzt auf Apfelmus, das uns von allem am besten schmeckte.

Die Margarine, in Värmland " Lildee" und in Dalsland "Eve" war auch nicht gerade nach unserem Geschmack, aber es gab nur diese beiden Sorten in 1/2 kg Stücken gepackt, im Gegensatz zu unseren Verpackungen in 1/4 kg Stücken.

Beim "Knäckebröd" wurde die Sache dann langsam interessant. Es gab von diesem Wasabröd unzählige Sorten in allen Geschmacksrichtungen. Wir hatten uns nach einigen wüsten Raspeleien von Wasa-, Husman-, Delikatess-, Mjölk- und Juwelbröd, für Pariser- und Grahambröd entschlossen. "Wasa-Husmann" war bei uns zuerst unterdurch, denn es war ziemlich dick, hart und spröde, "Delikatess" dagegen dünn, aber auch eher hart. Ebenso verhielt es sich mit dem "Mjölkbröd". Pariser- und Grahambröd waren hell und leicht gebacken wie Keks. Das tollste Knäckebrot, das wir je aßen, war wohl das Riesen-Wasa. 25x30cm groß, braun und hart, mit einer rauhen und einer glatten Seite. Auf dieses Brot fielen wir nur einmal rein. Die anderen Brotarten, so schön sie von außen aussahen, konnte man entweder ganz zusammendrücken, oder es stand etwas von Pfefferkuchen oder Kümmel auf dem Etikett. "T?sk-limoa", deutsches Brot, nannte sich eine Sorte großartig. Der Erfolg war auch nur eine andere Geschmacksrichtung.

Langsam füllte sich der Tresen mit Waren, und wir bezahlten: 43 skr = 45,- DM minus 3% Rabatt, Karton und Bindfaden gab es gratis. Dieses Mal hatten wir Glück, daß wir auf einen Kaufmann gestoßen waren und so die Rasttage noch verlängern konnten.

Tomaten zu drei oder vier abgepackt; Zwiebeln einzeln und Zitronen und Eier nach Gewicht, so wurden hier die Waren gehandelt. Wurst und Gemüse waren ziemlich teuer, so daß sie oft von unserem Speisezettel gestrichen werden mußten.

Eine Besonderheit auf unseren Speisezettel war der oft erwähnte Honigkäse, bei den Berlinern Karamelkäse, bei anderen Ziegenkäse und bei uns Gehwohl genannt. Richtig hieß er gradmyna. Eine leicht ins bräunliche gehende, streichbare Masse, die beim ersten Bissen prima schmeckt, beim zweiten Male abscheulich bis fürchterlich und schließlich als ungenießbar erklärt wurde (allerdings nicht von allen). Es ist eben eine Käseart, bei der man während des Essens lieber nicht an Käse denken sollte.

Etwas ungewohnt, sind die Ladenschlußzeiten. Von 9.oo-12.oo Uhr und von 13.oo- 17.oo Uhr sind die Geschäfte geöffnet.

Man kann in Schweden, wie wir es auch oft taten gut von Pfifferlingen und anderen Pilzen, sowie Bickbeeren und Fischen zeitweilig leben, nur fehlen zuletzt die Kartoffeln.

Und noch eins: zu den Würstchen gibt es süßen Senf.

Einige Preisvergleiche

Menge
Lebensmittel
skr
DM umgerechnet
DM in Deutschland
Findus (Marmelade)
7,52
1,20
0,80 - 1,25
1 kg
Käse
7,70
6,16
4,80
1 kg
Salz
0,50
0,40
0,36
1 kg
Zucker
1,57
1,26
1,28
1 kg
Margarine
3,75
3,00
2,20 - 3,00
Knäcke-Brot
0,61
0,48
0,75
Milchpulver
3,24
2,60
- -
1 kg
Makkaroni
1,20
0,96
1,10
Apfelmus
1,46
1,16
0,55
1 kg
Zwiebeln
1,30
1,04
0,70

Umrechnungstabelle

skr
DM
0,10
0,08
0,50
0,41
1,00
0,81
2,00
1,62
3,00
2,43
4,00
3,24
5,00
4,06
10,00
8,11
20,00
16,22
30,00
24,33
40,00
32,44
50,00
40,55
60,00
48,66
70,00
56,77
80,00
64,88
90,00
72,99
100,00
81,10

 


Wasa und Wasa

Auf allen Knäckebrot Packungen - sei es nun "Husman", "Möri", "Pariser" oder "Delikatess" - war" - immer eine Bezeichnung zu finden: Wasa. Als wir dieses bemerkten fragte einer von uns: "Ist das nicht der Name eines schwedischen Königsgeschlechts?"

Er hatte recht. Gustav II Wasa, der erste dieser Dynastie regierte das Land von 1521 - 1560. Er war durch Sten Stuve, einen Verwandten, an den Hof nach Stockholm geholt worden. Er wurde aber gefangengenommen und als Geisel nach Jütland geführt.

In Bauernkleidern floh er aus Dänemark, trat bei Ochsenhändlern in Dienst und erreichte so Lübeck, den mächtigen Feind des neuen schwedischen Königs Christian II. Man gab ihm ein Schiff, und er landete im Mai 1520 in Schweden.

Dann irrte er als Vogelfreier durch Schweden. Seinem Ruf zum allgemeinen Aufstand folgte man nicht. Als aber Christian II das Blutbad von Stockholm anrichtete, auf dem auch des verzweifelten Gustav Wasa's Vater hingerichtet wurde, besannen sich die Dalekarlier (die Bewohner Dalarnas, einer schwedischen Provinz nordwestlich von Stockholm) und schlugen die 6000 Mannen des Erzbischofs Trolle. Danach schlossen sie Stockholm ein.

Pfingsten 1523 wurde Gustav Wasa zum König ausgerufen. Mit Hilfe der Lübecker Hansa nahm er Stockholm und Kalmar, eroberte Finnland und hatte bald das ganze Reich in seiner Hand, Gustav Wasa brach die Macht der Geistlichkeit und führte die Reformation ein. Alle Aufstände konnte er im Keim ersticken. Auch brach er endlich die Macht der Hansa und verbündete sich handelspolitisch mit Frankreich und den Niederlanden. Aus dem schwedischen Wahlkönigtum machte er seine Erbmonarchie. Seinen Sohn Erik XIV bestimmte er zum Nachfolger.

Obwohl nach seinem Tod Bruderkämpfe folgten, wurde die durch Gustav Wasa neu gegründete Ordnung Schwedens nicht ernstlich erschüttert. Damit war der Grundstein zu Schwedens Großmachtzeit unter Gustav Adolf und seinen Nachfolger gelegt.

Als wir aber drei Wochen "Wasa-Brod" gegessen hatten, war in uns ein Grundstein für eine Zeit gelegt, in der das Knäckebrot möglichst keine Großmachtstellung einnehmen sollte.

Sten Stuve d.J. 1512 - 1520
Christian II 1520 - 1521

Gustav II Wasa 1521 - 1560
Erik XIV 1560 - 1568 aus dem Geschlecht
Johann III 1569 - 1592 der Wasa
Sigismund III 1592 - 1599
Karl IX 1604 - 1611


Hast gesehen eine Fleckengeiß

Hast ge - sehn ei - ne Flek - ken - geiß mit 'nem Schellenband?
Sie lief da - von im Morgengraun und wird erst a - bends zum
Stall sich traun, weil sie die Schel - le nicht wie - der - fand.

Lied aus Dalsland

Unser Fahrtenschlager

"Tacktack - tack tack tack
tack - tack - tack.
Tacktack - tack tack tack
tack - tack - tack.
Tacktack - tack tack tack
tack tack - Tack tacktack
tack tacktack tack tack."

Nach der Melodie "River Kwai"


Man nehme .....

- Großfahrterfahrung - oder "Das haben wir gelernt"

1. Als Kartoffelersatz haben sich Nudeln bestens bewährt.
2. Hat man zu wenig Rührei, nimmt man Katzenstärke zum Strecken.
3. Da man auf Fahrt nie Uhu-Alleskleber mit hat, erfanden wir ein gutes
Rezept, um sich selbst Kleister herzustellen: Etwas Mehl in die Pfanne,
in der man etwas Fett zerlassen hat. Unter ständigem Rühren Milch zugießen
- fertig. Der klebt einfach alles! P.s. Der Rest kann als Fischfutter gebraucht werden.
4. Hemden wäscht man, indem man damit ins Wasser geht. Man hängt sie danach zum
Trocknen auf. Sind sie dann nicht sauber, muß man sie schon mit Seife waschen.


"James, reich' mir die Mistgabel. Ich will mein Bett machen".

"James, hier hast Du eine Kerze. Vertreibe die Mücken aus der Kohte".


Einkauf mit Hindernissen

"Fisk-Sport", diese Aufschrift sagte uns, daß wir in dem Laden, den wir eben betreten hatten, eine Angelpose erhalten würden.

Bevor wir an der Reihe waren, sahen wir uns nach einer dicken Korkpose um. Wir sollten sie für Fietje mitbringen. Aber wir konnten nirgends eine erblicken. So zogen wir das Wörterbuch aus der Tasche, um den schwedischen Ausdruck für "Pose" zu suchen, obwohl wir nicht viel Hoffnung hatten, dort einen Spezialausdruck zu finden. Zu unserer Freude enthielt unser Taschenwörterbuch doch ein schwedisches Wort für "Pose".

Als dann der Verkäufer nach unserem Wunsch fragte, verlangten wir "en ställning". Der junge Mann zögerte einen Augenblick, dann schien er aber verstanden zu haben. Er eilte auf die Angelruten in einer Ecke des Ladens zu. Wir gingen dorthin, konnten aber keine Pose erblicken. Daher schüttelten wir den Kopf und zeigten im Wörterbuch auf das schwedische Wort für "Pose''. Da ging ein Schmunzeln über das Gesicht des Verkäufers und um uns die Bedeutung des gezeigten Wortes zu demonstrieren, nahm er Haltung an. Wir hatten den schwedischen Ausdruck für Pose = Haltung gefunden. Nun konnten wir auch nicht umhin, zusammen mit dem Verkäufer zu lachen.

Als wir uns genug über unser Versehen gefreut hatten, ließen wir verschiedene Fächer öffnen, bis wir endlich eine Pose gefunden hatten. Nach der Bezahlung verließen wir lachend das Geschäft.


Fiskeguide för Dalsland 1960 (Auszug)

Sjösnamn Socken

För fiskekort
hänv.
per telefon

Pris å
fiskekort
Solsjön Laxarby Bengtsfors:
219 affärstid.
Kallhem 1.
Kr å kviken 41

Dagkort:
2 kr
Månadskort:
5 kr
Årskort
15 kr

Schade, eine Verkaufsstelle für Angelscheine haben wir leider nicht gefunden ....


Schweden, seine Landschaft

Reist man vom Norden gegen den Süden, so bemerkt man deutlich, wie das Land nach und nach milder, wohnlicher und angebauter wird. Eine andere Natur tritt ein, sobald man den hohen Teil von Jemtland im Rücken hat, denn die öde Nacktheit der Felder macht einer ausgebreiteten Waldregion Platz, welche auf viele Meilen den Wanderer begleitet, bis an die Küste des finnischen Busens nach Sundwall und weit darüber hinaus, eigentlich bis Stockholm, reicht. Schweden in seiner ganzen Ausdehnung ist meist kein Gebirgsland, obwohl der Norden weit eher diesen Charakter hat, und im Innern, wo es gegen Norwegens Grenzen empor läuft, auch wirkliches Gebirgsland wird. Dalarne, Herjedalen, das obere Jemtland und die Lappmarken sind mit hohen und wilden Gebirgszügen eingefaßt und von ihnen durchstrichen, indes ist diese eigentliche Bergregion doch weder die höchste auf der Halbinsel noch die ausgedehnteste. Von den 84 Quadratmeilen, welche mit ewigem Schnee und Eis bedeckt sind, kommen nur 16 auf Schweden, 68 auf Norwegen, und weit mehr als 1/3 der ganzen Bodenoberfläche liegt weniger als 300 Fuß über dem Meere.

Aber Schweden hat doch dieselben Grundsäulen, auf denen es wie Norwegen ruht. Es ist derselbe ungeheure Felsblock, aus welchem Skandinavien aus dem Meere aufgewachsen ist, es sind auch dieselben Gebirgsarten: Granit, Gneis, Porphyr, Grundstein, Glimmerschiefer, Kalk, welche vorherrschend angetroffen werden. Mit wahrer Verschwendung hat jedoch die Natur in Schweden so ungeheure Massen von Eisenerz abgelagert, daß diese unerschöpflichen Vorräte das Menschengeschlecht auf immer damit versorgen könnten. Ein eiserner Gürtel unter der Bodenoberfläche zieht durch das ganze Land von Lappland bis Schonen und bricht zuweilen sogar in Bergen zu Tage. Der 1800 Fuß hohe Gallivare in Lappland besteht ganz und gar aus einer fast gediegenen Eisenmasse, und diese allein wäre hinreichend für einen vielhunderttausendjährien Bedarf der Erdbewohner. Wer kann sie jedoch jenseits des Polarkreises benutzen, wo es weder Holz noch Kohlen noch Menschen gibt? Diese Schätze zu heben muß anderen Zeiten vorbehalten bleiben, wenn vielleicht durch neue große Revolutionen des Erdkörpers der Tag des Lebens für jene ausgestoßenen Zonen erscheint.

Norwegen, das mit seinen wilden hohen Westküsten, mit seinen Alpen, deren Scheitel der ewige Schnee krönt, in die Wogen des atlantischen Meeres sinkt, hat sicher durch solche gewaltige Revolution sein vorliegendes Stufenland einst verloren. Schweden aber, über welches die Schlamm- und Wassermassen hinstürzten, hat jenes behalten, ja vielleicht ist auch vieles erst später aus dem Meeresgrunde hervorgewachsen, da man weiß, wie sich die ganze schwedische Küste langsam mehr emporhebt, was in Norwegen wenigstens nicht in dem Maße der Fall ist. Dies Stufenland nun zieht weit von dem Stamm des Gebirgsstocks nach dem Becken der Ostsee und deren großen Busen nieder; je weiter man gegen Süden kommt, um so niedriger werden die Hügel, bis die Südspitze die große Provinz Schonen, fast denselben Charakter einer Ebene voll welliger geringer Hebungen und Senkungen bietet, wie das ihr gegenüberliegende Deutschland.

Schweden ist also zum aller größten Teil ein Hügelland, zum kleinen Teil wirklich gebirgig oder in seinem südlichsten Gegensatz eben. Der mildere WaId- und Bergcharakter ist daher vorherrschend, und dieser Reichtum an Wäldern und Wassern, an Flüssen, welche vom Gebirge rauschend nieder strömen, an großen Seen, welche zwischen den Senkungen sich sammeln, füllt den ganzen nördlichen und mittleren Teil und bestimmt dessen Naturverhältnisse:

Waldeinsamkeiten, stille Gehänge, eine wechselnde Scenerie großer Wasserspiegel, laubiger Berghöhen, Wiesen, Felder und niederer Felsen. Denn das ist ein bezeichnender Unterschied zwischen Schweden und anderen Hügelländern; man wird fast immer darauf aufmerksam gemacht, daß der Boden, auf dem man sich befindet, doch ein Felsboden ist, daß unter der Erddecke und deren Ton, Lehm oder Sand der Granit liegt, der an tausend Orten zu Tage bricht, in Wänden und Schichten aufsteigt, in mächtigen Lagern die Oberfläche seines narbigen Rückens zeigt und unter den ungeheuren Trümmern und Rollsteinen sich verbirgt, welche den größten Teil des Landes bedecken.

Auszug aus "Schweden im Jahre 1843" von Theodor Mügge


Dalsland:

Befolkningen understiger 15 per kvkm. (In Dalsland leben weniger als 15 Menschen pro qkm)

det hav en så omväxlande natur, att det oftast kallats
"ett Sverige i ministyr."
(Dalslands Natur ist reich an Gegensätze, so daß man es oft "Das Schweden in Miniatur" nennt)

Göteborg:

Eine wunderbare Stadt ist Göteborg, uralt. Man fand Überreste menschlicher Besiedelung aus dem Jahre 700 v. Chr. Noch im 10. Jahrhundert hielten die Wikinger dort ihre Märkte ab. Um 1619 begründeten die Holländer mit Deutschen, Engländern und Schotten den schwedischen Handelsplatz. Heute ist es Schwedens größter Hafen, ein Lebensnerv für Ein- und Ausfuhr und das Tor Schwedens nach dem Westen.

Jeder dritte Schwede hat Telefon und Radio, jeder sechste ein Auto. Der Schwede verbraucht doppelt so viel Milch wie der Deutsche, der aber trinkt dreimal soviel Bier wie der Schwede. Im Kaffeeverbrauch aber schlägt der Schwede alle Rekorde der Welt. 80% der schwedischen Wälder sind in privatem Besitz. 50 Milliarden Bäume wachsen nach Schätzungen in Schwedens Wäldern. Schwedens Wirtschaft ruht auf drei Säulen seiner Naturschätze: Holz, Erz und Wasserkraft. Die Lebensmittel sind in Schweden teurer als bei uns, die Textilien und Möbel aber dafür billiger.


Der Landstreicher und die Frau

ES WAR EINMAL ein Landstreicher, der hatte sich tief in die großen Wälder verloren, wo die Höfe so dünn gesät sind, daß er die Hoffnung beinah aufgegeben hatte, ein Obdach für die Nacht zu finden. Aber wie er so ging, sah er es auf einmal zwischen den Blumen glimmen, denn dort war eine Kate, und drinnen in der Stube hatten sie Feuer im Herd. Es würde schon guttun, sich an einem Herd zu wärmen und was in den Magen zu bekommen, dachte er, und so steuerte er auf die Kate zu.

"Da kam ihm ein altes Weib entgegen.
"Guten Abend und grüß Gott", sagte der Landstreicher.
"Guten Abend gleichfalls", sagte die Alte. "Wo seid Ihr denn zu Hause?"
"Südlich von der Sonne und östlich vom Mond", sagte der Landstreicher, "und nun will ich wieder heim, denn nun hab' ich die ganze Welt durchwandert bis auf dieses eine Kirchspiel." "So ein weitgereister Mann", sagte die Alte. "Aber was kann o einer wollen?"

Ja, er möchte ein Obdach, bis morgen früh", sagte er. "So, konnte ich mir denken", sagte die Alte. Aber da möge er nur machen, daß er weiterkomme, sagte sie, denn der Hausvater, sei nicht daheim und sie hätten kein Wirtshaus. "Ach, liebe gute Frau", bat der Landstreicher, "seid doch nicht so unfreundlich und unmöglich, denn wir sind doch wohl alle beide Menschen, und die sollen einander helfen, soviel ich weiß". "Einander helfen", sagte die Alte, "helfen", sagte sie. "Hat man schon so was gehört? Nein, einander in die Grube bringen, das pflegen die Menschen zu tun. Wer hilft mir, meinst du, obwohl ich nicht einen Bissen im Hause habe?" Nein und Punktum! Er müsse sich ein anderes Nachtquartier suchen. Aber, sieh da, der Landstreicher war so, wie solche meist sind. Er gab sich nicht auf den ersten Hieb geschlagen, wie die Alte sich auch wand und drehte, sie wurde ihn trotzdem nicht los; am Ende mußte sie doch nachgeben, so sollte er denn über Nacht auf dem Fußboden liegen dürfen.

Das war ein guter Vorschlag, und sie solle bedankt sein, meinte er. Besser in der Scheune liegen, als im Walde die Knochen erfrieren, sagte er - denn er war ein Schalk, der Landstreicher, und Reime hatte er immer parat.

Als er nun in die Stube trat, sah er, daß die alte R Trine keineswegs so bettelarm war, wie sie tat, aber sie war geizig und knickerig und ein Keifmaul übelster Art.

Nun tat er Iammfromm, könnt ihr euch vorstellen, und bat so recht beweglich, ob er nicht ein wenig Essen kriegen könne: "Woher soll ich's nehmen?" fragte die Alte. Ich habe selbst den ganzen Tag nichts in den Magen gekriegt." Aber der Landstreicher war ein Schlauberger. "Arme Frau", sagte er. "Da muß ich wohl selbst zu einem Festschmaus einladen".

"Zu einem Festschmaus einladen! " sagte die Alte. "Es ist doch jämmerlich, die Läuse häuten zu hören. Solch einer zu einem Festschmaus einladen! Womit will er denn aufwarten? "Wer viel gesehn, wird viel verstehn, und der Leute Gunst lehrt manche Kunst", sagte der Landstreicher. "Besser lablos als ratlos", sagte er, "leiht mir einen Topf, Mutter!"
Nun fing die Alte wahrhaftig an, neugierig zu werden, und er bekam den Topf.

Er goß Wasser hinein, setzte ihn aufs Feuer, und dann blies er, daß die Flammen um den Topf herumloderten. Dann holte er einen mächtigen Nagel aus der Tasche, drehte ihn dreimal in der Hand und legte ihn in den Topf. Die Alte sperrte die Augen auf.
"Was solI das werden", fragte sie. "Nudelsuppe", sagte der Landstreicher und fing an, mit dem Breilöffel im Wasser umzurühren.
"Nudelsuppe", sagte die Alte.
"Ja-ja, Nudelsuppe", sagte der Landstreicher.
Viel hatte die Frau ihr Lebtag gesehen und gehört, aber daß man von einem Nagel Suppe kochen konnte, das war ihr noch nie zu Ohren gekommen.
Das sei eine Kunst für arme Leute und sie habe Lust, ihm diese Kunst zu stehlen sagte sie. "Was man nicht hat, macht einen nicht satt", sagte der Landstreicher. Aber wolle sie die Kunst lernen, so solle sie nur zusehen, und dann rührte er wieder im Topf. Die Alte stütze die Ellenbogen auf die Knie, beugte sich vor, und ihre Augen gingen rundherum, ganz wie der Landstreicher im Topf rührte. "Das hier wird zweifellos eine gute Suppe", sagte er, "nur etwas dünn wird sie diesmal, denn ich habe schon einen ganze Woche den selben Nagel gekocht. Aber könnte man nur eine Handvoll Hafermehl dazu geben, würde es helfen". Doch was nicht zu haben, das kann keinen laben", sagte der Landstreicher, und rührte mit dem Breilöffel. Ja aber, die Alte hatte doch noch ein bißchen Mehlstaub, wenn sie es recht bedachte, sagte sie und ging nach dem Mehl, und das war fein und weiß. Der Landstreicher rührte nur immer, und die Alte starrte bald auf ihn und bald in den Topf, bis ihr die Augen beinah aus dem Kopf sprangen. "Das wird eine Suppe, die sich sehen lassen kann", sagte er und gab eine Prise Mehl nach der anderen hinein. "Aber könnte man nur ein kleines Stück Pökelfleisch und ein paar Salzkartoffeln hineinlegen, dann sollte das eine Mahlzeit für feine Leute werden, und wenn sie noch so mäklig wären". "Doch, was nicht zu haben, das kann keinen laben", sagte er. "Ach, was Ihr sagt", sagte die Alte, "und das nur von einem Nagel!" Dieser Landstreicher war ein richtiger Hexenmeister: Er konnte mehr als Brotessen. "Hätte man noch etwas Grieß und einen Tropfen Milch, könnte man den König selber zu Tisch bitten, denn solches Essen kriegt er jeden Abend vorgesetzt", sagte der Landstreicher, er müsse es wissen, denn er sei Küchenjunge beim König gewesen, sagte er. "Herrje, herrje, den König selber zu Tisch bitten", die Alte schlug sich aufs Knie und zerbrach sich den Kopf über diesen Landstreicher, was das für ein Mordskerl war! "Aber was nicht zu haben, das kann keinen laben.", sagte er. Ja aber, ein wenig Grieß hatte die Alte schon noch, und Milch sei auch da, denn ihre beste Kuh habe gerade gekalbt, sagte sie und damit ging sie nach dem einen und dem anderen. Der Landstreicher ging ans Rühren und die Alte ans Gaffen, bald auf ihn und bald in den Topf. Auf einmal nahm der Landstreicher den Nagel heraus. "Nun ist es fertig und nun wollen wir richtig schlampen", sagte er. "Aber zu so einer Suppe pflegte man beim König einen oder zwei hinter die Binde zu kippen, und mindestens ein Butterbrot gab es dazu. Und ein Tuch hatten sie auf den Tisch, wenn sie aßen". "Aber was nicht zu haben, das kann keinen laben", sagte er und streckte sich. Doch nun kam's der Alten nicht mehr drauf an, und wenn sonst nichts fehlte, um es gerade so wie der König zu haben, dann, fand sie, könne es hübsch sein, es auch einmal so zu haben und mit dem Landstreicher König und Königin zu spielen. Sie also auf dem Fleck zum Schrank und heraus mit der Schnapsflasche und den Schnapsgläsern, mit Butter und Käse, Spickbrust und FIammeri, es wurde ein richtiges Schlaraffenlandgelage! Noch nie im Leben hatte die Alte es so hübsch gehabt, und noch nie hatte sie eine solche Suppe gegessen - und diese doch nur von einem Nagel! Sie war so entzückt und so dankbar für die nützliche Lehre, daß sie gar nicht wußte, was sie dem Landstreicher zuliebe tun solIte, der ihr so eine Kunst beigebracht hatte. Aber sie aßen und tranken, bis sie beide schläfrig wurden. Nun sollte der Landstreicher auf dem Fußboden liegen. Aber das war doch einfach unmöglich! Ging das an? meinte die Alte. "Nein doch!" Ein so großer Mann müsse im Bett liegen, sagte sie. Der Landstreicher lies sich das nicht zweimal sagen. "Hier lebt man wie ein Prinz", sagte er. "Und Ihr seid die beste Frau, die mir heut begegnet ist. Ho, ho, ja, ja! Gott segne den, der zu guten Menschen kommt". Sagte er, und dann legte er sich ins Bett und schlief ein. Das erste was er bekam als er am nächsten Morgen aufwachte, war eine Tasse Kaffee. Als er gehen wollte, gab ihm die Alte einen blanken Taler. "Und Dank, tausend Dank für die gute Lehre", sagte sie, "Nun kann ich von einem Nagel Suppe kochen und mir gute Tage machen". "Ach, die Kunst ist nicht so groß, wenn man nur ein paar leckere Zutaten hat", sagte der Landstreicher, und dann ging er. Die Alte stand auf der Treppe und sah ihm nach. "So einen trifft man nicht jeden Tag", sagte sie.



rrrrrrrrrrrrr ------------- rrrrrrrrrrrr

Pfadfinder: "Seid doch mal ruhig, ich gIaube, hier schreit ein "Elch".
Die andern: "Meinste die Motorsäge?

Kommt eine müde Wanderin an unserer Kohte vorbei.
Pfadfinder sitzt vor der Kohte,
Sie fragt ihn:"sprechen Sie deutsch?"
Er: "Ja, ein bißchen."


Zeugen der Bronzezeit

Der Wald liegt hinter uns, wie sind wieder in bewohnten Gegenden. "Rechts von der Rollkiesstraße zeigt sich in der Ferne die Spitze des Kirchturm von TisseIskog.

Als die Straße uns dann wieder ganz dicht an die Bahnlinie heranführt, erblicken wir ein grünes Schild. Es weist uns den Weg hinab zum See. Wir gehen vorbei an einem der schwedischen Holzhäuser und sehen sie dann: neben dem Weg sind sie auf den vielen, kleinen, grauen Felsbuckeln mit roter Farbe nachgemalt worden. Wir stehen vor Steinzeichnungen der Bronzezeit. Die vorgeschichtlichen Künstler haben hier schematisch und manchmal sogar abstrakt Schiffe, Menschen, Tiere, Hände und Füße dargestellt. Hier sieht man einen Mann die Axt schwingen, dort wird eine Schlange erschlagen. Wir finden aber auch sonderbare Zeichen, Symbole, die für die bronzezeitlichen Menschen Bedeutung kultischer Art hatten. Sonnenkreise, Spiralen, Punkte in unregelmäßiger Anordnung und Ornamente reihen sich nebeneinander. Obwohl beim Hinuntergehen in die Uferwiesen einige mißbilligende Äußerungen wegen der Primitivität der gesehenen Zeichnungen fallen, muß man doch die Leistung der bronzezeitlichen Menschen anerkennen. Wieviel Arbeit hat es wohl gekostet, die Figuren in den harten Fels hineinzumeißeln und zu bohren! Einer von uns meint, daß man bei einer solchen Beschäftigung ja am Ende gar nicht weiß, woran man arbeitet; man würde es ja vergessen.

Allmählich wird der Untergrund immer feuchter, wir nähern uns den Ravarpen. Überall erblicken wir auf dem Granit die etwa hand-großen Silhouetten und Symbole. Merkwürdigerweise ist der Fels fast überall nur im Osten bearbeitet worden. Wir finden keine Erklärung dafür.

Am Seeufer liegt der größte Felsblock, welcher auch eine reiche Bearbeitung aufweist. Dieses können wir aber erst erfahren, nachdem wir eine Rutschpartie auf den tückischen hellgrauen Flechten hinter uns haben.

Als wir dann auf dem Rückweg noch einmal an den Zeichnungen vorbeigehen, denken wir an die Zeit zurück, in der hier vor nunmehr fast 3500 Jahren Menschen gelebt haben. Sie gehörten der nordischen Bronzezeit an, die um das Jahr 1500 v. Chr. begann und etwa ein Jahr später endete.

Es ist ungewiß, welches Volk das Kupfer mit dem Zinn zuerst im Verhältnis 9:1 mischte. Irgendwo aus den Ländern Vorderasiens kam die Bronze und brauchte viele Jahrhunderte ehe sie auch diesseits der Alpen die Steinwerkzeuge ablöste.

Für Skandinavien ist die Bronze jedoch ein Luxus geblieben, denn die alpinen Kupferlager und die Zinnseifen in den spanischen Gebirgsflüssen Iagen weit im Süden, und das begehrte Metall konnte nur durch andere, sehr wertvolle Dinge, wie Bernstein eingetauscht werden.

Nach den unbeholfenen, tastenden Versuchen einer ersten Periode, in der noch die steinzeitlichen Ornamente vorherrschten, begann die lang währende Blütezeit, die mit einer kurzen, wirren, zerrissenen Verfallsperiode rätselhaft zu Ende ging. Die folgenden Jahrhunderte sind unkünstlerisch, leer und arm an Funden. Aber das Jahrtausend der Bronzezeit erreichte eine große künstlerische Höhe.

Auch die Völker Mitteleuropas schufen wundersame Dinge, aber der Norden ist fraglos der Führer dieser Epoche.

Wenn auch die Steinzeichnungen von Tisselskog nicht in der Blütezeit des bronzenen Jahrtausends entstanden sind, haben wir doch durch sie einen kleinen Eindruck der künstlerischen Fähigkeiten des Vormenschen erhalten.

Als wir wieder beim ersten Felsbuckel angekommen sind, nahmen wir die Affen auf den Rücken und dann geht es weiter durch die Wälder Dalslands.

Jedesmal, wenn ich an einer Telephonzelle vorbeigehe, muß ich innerlich unwillkürlich grinsen. Ich stelle mir dabei immer vor, daß die Zelle besetzt ist. Es ergibt dann ein lustiges, für uns Deutsche ungewohntes Bild, denn die Zellen sind bis zu einer Höhe von etwa 50 cm über dem Erdboden offen, so daß man nur die Beine des Telefonierenden sehen kann.

Unser Zug hält in Fredericiä. Auf dem Bahnsteig preist ein Verkäufer seine Waren an. Ein Pfadfinder winkt ihn heran und verlangt ein Eis. Der Verkäufer hält eins hoch und sagt: "femtio (5o), Pfadfinder darauf: "Was, 50 Kronen (= 30 DM), die habe ich nicht mehr!"

Paßkontrolle:
Wir zeigen unsere Pässe vor.
Pfadfinder hat seinen unten im Affen verpackt.
Fluchend packt er ihn aus; lächelnd der Beamte: "Den wollte ich doch gar nicht sehen!"

S32

Dalsland - Värmland

Nach einer langen Bahnfahrt verließen wir in Mellernd den Zug und befanden uns nun auf Dal, dem Land der 999 Seen. Schon gleich hinter dem Marktflecken machten wir mit den Rollkiesstraßen, die es überall in Schweden gibt, Bekanntschaft. Diese Straßen haben meistens einen festen Untergrund, auf dem jedoch lose kleine Steine liegen. Wir mußten sie immer wieder aus unseren Schuhen herausholen. Für die schlechten Straßen, die uns noch manchen Seufzer entlockten, wurden wir reichlich durch die Landschaft entschädigt. Wir wanderten durch ein riesiges Waldgebiet, das nur von den vielen Seen Dalslands unterbrochen wird. In den größeren Seen, die häufig durch Kanäle verbunden sind, - der Dalslandkanal, welcher den Vänersee mit Norwegen verbindet, hat eine Länge von 255 km - wird Holz geflößt. Riesige Holzmengen liegen im Wasser. Die Baumstämme sind geschält und auf eine bestimmte Länge zurechtgesägt. Sie werden zusammengebunden und von Schleppern zu einer der vielen Papierfabriken gezogen, um dort verarbeitet zu werden. Die Fabriken liegen direkt an den Seen.

In den Gegenden, in denen Holz geflößt wird, trifft man noch öfters auf Menschen, biegt man aber von den Rollkiesstraßen in den Wald auf kleine Wege ab, so merkt man erst, wie einem, aber auch herrlich es auf Dal ist. Dort gibt es kaum Dörfer, meistens nur Ansiedlungen mit 10 bis 20 Häusern. Die Gebäude sind aus Holz, da es hier das billigste Baumaterial ist. Aber auf solche Dörfer trifft man nur sehr selten. Meistens fanden wir einzelne Bauernhöfe, die an den Seen lagen.

Unser Weg führt uns fast geradeaus in nördlicher Richtung durch den Wald. Aber unter dem schwedischen Wald muß man sich etwas anderes vorstelIen, als unter dem deutschen Wald. Bei uns ist der Wald durchgeforstet, hier aber ist es anders. Kein Mensch kümmert sich um die Bäume. Sie wachsen ohne Pflege, und wenn sie alt und morsch sind, wirft sie der Sturm um und sie vermodern langsam. Zwischen den Bäumen wuchert das Gestrüpp meterhoch und kein Weg führt hindurch, nur manchmal ein Pfad, den man auch erst nach längerem Hinsehen als solchen erkennt. In dieser Wildnis wachsen Waldfrüchte in großen Mengen. Der ganze Boden ist mit Bickbeerbüschen bedeckt. Wir fanden außerdem noch andere Beeren und Pilze. Während man bei uns nach langem Suchen einige Pfifferlinge, Stein- und Butterpilze gefunden hat, hatten wir schon nach kurzer Zeit einen großen Beutel nur mit Pfifferlingen gesammelt. Hatte man eine Kolonie Pfifferlinge, es waren meistens 10 - 20, gefunden, sah man schon einige Schritte weiter wieder Pilze. Die meisten Waldfrüchte müssen verfaulen, weil keiner kommt, um sie zu pflücken.

Jedesmal, wenn man an einen See kommt, reißt man von neuem seine Augen über den herrlichen Augenblick auf, obwohl man es schon viele Male gesehen hat. Wir waren immer wieder gefesselt von der Schönheit der Natur. Das Wasser der Seen ist klar und die Felsen schieben sich oft weit ins Wasser hinein. In dem Wasser spiegeln sich die Bäume und die an vielen Stellen aufragenden Felswände. Die kleinen, rotgestrichenen Holzhäuser der Bauern oder Fischer schmiegen sich an die Hänge an und über den See hört man das unheimliche Schreien der Storlommen, der Polartaucher. Verschwindet die Sonne hinter dem Wald und wird es dämmerig, so sehen die windgeschorenen Kiefern gespenstisch aus.

Dann waren wir plötzlich in Värmland. Wir hatten es gar nicht gemerkt und zuerst konnte man auch in der Landschaft keinen Unterschied feststellen. Auch hier der riesige Wald und die vielen Seen. Aber dann bemerkten wir doch einige Unterschiede. Wir mußten öfter bergauf, und bergab gehen, denn das Land war hügeliger geworden. Links und rechts von unserem Weg, lagen immer häufiger große Moore. Daher hatte der Ausspruch der Schwedenfahrer mit Walter Scherf "Bleibe auf Dal, da geht es ordentlich zu. In Värmland hausen die Mücken" auch seine Berechtigung. Daher können wir jedem Värmlandfahrer nur empfehlen, sich mit der Salbe US 622 zu versorgen!


Kleines Boot auf weitem See

Kleines Boot auf weitem See
Hell die Nacht und ohne Stunde
Silbern macht der Mond die Runde
Und das Wasser glänzt wie Schnee

Vögel singen leis und sacht
Wälder dunkeln in der Ferne
Hoch am Himmel blühn die Sterne
Ganz unnahbar dieser Nacht

Wellen netzen scheu den Strand
Schiffe wiegen sich in Träumen
Und von himmelsnahen Bäumen
ist das Ufer überspannt

S34

- Jedem das Seine -

"Pampa", das war sein letztes Wort,
dann trugen ihn die Mücken fort.

"Wieso?", das fragt man sich, "warum?",
man ist doch schließlich nicht ganz dumm.

Wo habt ihr denn meine beiden "Wasas" gelassen?

Jede Wette geht er ein,
daß er "Findus" ißt mit dem Löffelein,

"Honigkäse, was'n Gedicht,
wie, den mögt ihr nicht??".

Oh, welch eine böse Falle,
der schwarze Zwirn ist wieder alle.

"Wenn ich bloß wüßte,
was Pose auf schwedisch heißt!"

?
Von Göteborg geht es mit dem Zug in das wildeste Wald- und Felsenland. Ist dies vorüber, heult er durch die größte Ebene nördlich des Vänersees. Wir stehen am Fenster und entziffern an jedem Bahnübergang die merkwürdigen Schablonen, die "Livsfarlig lednung" heißen, lebensgefährlicher Übergang, und denken, ob das auch die Kühe und Pferde in den Weiden wissen, sehen breite, rotbraune Gehöfte , oft strohgedeckt, oft von Moos dicht überzogen, und sehen sogar Birken und Fichten auf dem altersgrauen First wurzeln.

?
Auf Dal heißen alle Berge Fjäll, als seinen es Hochgebirge. Mehr als 250 m sind sie nicht hoch, aber es sind die Spitzen eines gewaItigen Gebirges, das vor Urzeiten tief eingesunken ist. Und der alte Gebirgscharakter ist geblieben.

?
Glaube mir, ich hab's erfahren:
Du wirst ein mehreres in den Wäldern finden als in den Büchern;
Bäume und Steine werden dich lehren, was kein Lehrmeister Dir zu hören gibt.

Bernhard v. Clairvaux (gest. 1153)

S35

An schmalen Straßen finden wir vielfach blaue Schilder mit einem "M". Es heißt, "möte", Begegnung, und zeigt, wo man mit seinem Wagen einem entgegenkommenden Auto gelassen in's Auge schauen kann.

An den Straßen sehen wir oft Plakate, die zur Feier der Mitsommernacht am Wochenende um den 23. Juni aufriefen. Diese Feier wird in ganz Schweden gefeiert.

Unser Finanzierungsplan

Einnahmen
DM
Ausgaben
DM
Eigenmittel
975,00
Fahrtkosten
800,00
Zuschuß vom Kreis
100,00
Lebensmittel
355,00
Zuschuß von der Stadt
75,00
Ausrüstung, Karten, usw.
85,00
Fahrtenzuschuß
50,00
Sonstiges
25,00
Sippenkasse
65,00
- -
- -
Summe:
1.265,00
 
1.265,00

Für unsere Verpflegung gaben wir in Schweden im Durchschnitt 2,40 DM an einem Tag aus,
während wir in Italien mit 1,70 DM pro Tag auskamen.


S36

Summt der Regen am Abend ins Tal, träumt mein Zelt von den Lommen.
Über den Strom, über Klippen und Rohr, ist ihr Rufen gekommen.
Jäh aus Wind wie ein heiseres Lied und schrill in pfeifenden Wehen,
rudern die Lommen der Dämerung zun nachtwärts, heim zu den Seen.
W. Scherf


Ack, här vi sutto
Ack, här vi sutto invid stranden
av den svaIlande forsens fall,
där fåglar sjungs, där vågor brusa
och vindar susa i björk och tal.

Ach, hier saßen wir
Ach, hier saßen wir an dem Ufer
des Sturzes der schäumenden Stromschnelle,
wo Vögel singen, wo Wasser brausen
und Winde sausen in Birke und Fichte.

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