1958-1

1958-1 Großfahrt der Sippe "Hinnerk von Borgh" durch Holland, Belgien, Eifel und Hunsrück 1958

Teilnehmer:
Werner Buck (Bucki)
Dietrich Richters (Bibi)
Hein-Arne zum Felde (Witzi)
Werner Schwarz (Blacky)

Dienstag, den 8. Juli 1958
Der Tag beginnt mit einem leichten Nieselregen. Pünktlich um 5.oo Uhr versammeln sich Bucki, Bibi, Witzi und Blacky am Heim. Aber einer fehlt - Alfred Klett. Nun erfahren auch die anderen von Bibi, daß Alfred krank ist, angeblich hat er eine kleine Erkältung, und nun darf er nicht mitfahren. Sein Vater war gestern abend bei Bucki gewesen und hat das Sippengut gebracht. Bibi fährt noch einmal zu ihm hin, aber es ändert nichts daran. Dr. zum Felde kommt noch einmal vorbei, um zu sehen, ob sein Sohn schon losgefahren ist. Nun erfährt auch er, daß Alfonso nicht mit darf.

Endlich geht die Fahrt los. Zuerst müssen wir noch bei Blacky's Mutter vorbei, um dort Alfonsos Fehlen Bescheid zu sagen. Um 6.05 verlassen wir Bremervörde in Richtung Bremen durch das Moor.

Noch immer regnet es. Die Fahrt geht über Spreckens, Fahrendorf, Fahrendahl, Karlshöfen, Hüttendorf nach Worpswede. Unterwegs haben wir bei km-Stein 10 und bei km-Stein 20 je eine P.P. gemacht.

In Worpswede müssen wir uns unter Kastanien unterstellen, da der Regen immer schlimmer wird. Als wir dann weiterfahren, kommt nach kurzer Zeit die Sonne hervor.

Wir gelangen über St.Jürgen und Ritterhude nach Bremen. Hier kaufen Bibi und Witzi Kohtenjacken bei der Bundeskämmerei. Es ist inzwischen 11.30 geworden. Dann geht es in Richtung Delmenhorst weiter. Um 1.oo machen wir in einem kleinen Wald Mittagspause und essen unser Brot. Um 2.oo geht es weiter. Über Wildeshausen geht es in Richtung Goldenstett. Schon etwas länger suchen wir nach einem geeigneten Kohtenplatz am Bach. Immer wieder fragt Witzi "Wie weit wollt ihr denn noch?". Auch Blacky hat keine Lust mehr. Kurz hinter Ambergen biegen wir links ab und finden endlich einen Platz an einem kleinen Bach in der Nähe von Einen. Es ist inzwischen 16.30. Bibi und Bucki holen Kohtenstangen und kommen mit zwei Birkenbäumen wieder. Beim Kohtenaufbauen fällt Bucki noch eine Kohtenstange auf den Kopf, aber schließlich steht sie doch. Dann essen wir.

Um 1/2 8 Uhr kriegen Bibi und Bucki den Vogel nach Diepholz zu fahren, um Bodo zu besuchen. Aber sie kommen um 11.30 vergeblich wieder, denn sie haben weder Bodo noch irgend einen anderen Pfadfinder getroffen.

Mittwoch, den 9. Juli 1958
Um 7.oo stehen wir auf, waschen uns und versuchen dann Feuer in der Sandkuhle zu machen. Aber vergeblich.

Um 9.30 geht es los. Es ist heute sehr schönes Wetter und so trinken wir in Vechta 1 1/2 l Buttermilch. Kurz hinter Lohne machen wir Mittagspause. Es ist sehr heiß. Danach geht es immer bergauf und bergab bis wir schließlich über Badbergen und Bersenbrück nach Fürstenau kommen. Hier ist 300. Jubel-Schützenfest. Es ist kurz vor 6.oo und wir kaufen noch ein, ein helles Brot, es war das dunkelste, das sie hatten, 6 schlechte Eier und einen Kulturfilm.

In Freren finden wir bei einem Bauern an der Ahe einen Kohtenplatz. Er gibt uns auch Kohtenstangen und verkauft uns noch 4 Eier und 1/2 l Milch, Bucki hatte nämlich 2 Eier zerschlagen. Wir dürfen uns auf dem Elektroherd des Bauern Rührei kochen und essen dazu unser Brot.

Donnerstag, den 10. Juli 1958
Um 10.30 verlassen wir Freren. Wir haben uns entschlossen über Nordhorn zu fahren. Wir kommen an sehr viel Wald vorbei und da Pflücken wir jeder 1/2 Kochgeschirr voll Bickbeeren. In Lingen kaufen wir uns 2 l Milch dazu und essen beides zu Mittag.

In Nordhorn stellen wir unsere Räder an einen Zaun, und während Witzi und Blacky darauf aufpassen, gehen Bucki und Bibi Geld wechseln. Für 39,55 DM erhalten wir 35 Gulden.

Dann geht es zur Grenze. Auf deutscher Seite werden wir gar nicht angehalten und auf der niederländischen brauchen wir nur Personalausweis vorzeigen. Nun sind wir im Ausland. Wir stellen fest, daß es hier sehr gute Straßen gibt und jede hat hier einen Fahrradweg, denn Fahrradfahrer gibt es hier viele. Vor Oldenzaal treffen wir Omar und die Verdener Pfadfinder mit einem Auto. Einige Kilometer vor Hengelo holen wir Wasser und fragen dabei nach einem Zeltplatz. 2 Jungen zeigen uns einen. Wir stellen die Kohte auf und kochen Milch und Haferflocken. Danach spielen wir gegen einige Jungen Fußball und probieren holl. Fahrräder, Viez genannt, aus. Abends gingen Bibi und Witzi noch Baden.

Freitag, den 11. Juli 1958
Morgens gingen Witzi und Bucki baden. Dann essen wir und fahren los. Die Fahrt geht über Hengelo - Lochem nach Zutpken. Hier kaufen Bibi und Bucki ein und gehen zur Post. Sie bringen Käse und Weißbrot mit, welches man zusammendrücken kann und so bequem 2+3 in den Kochpott bekommt. Aber es gibt kein anderes.

Die Fahrt geht weiter nach Dieren. Ein kleiner Junge ruft "Pfadfinders". Wir fragen ihn, ob es hier nederlandsche Padvinders gibt und ein Mann erklärt uns, daß diese in Eebeck ein Heim haben. So fahren wir dorthin. Wir treffen auch richtig Pfadfinder und sie führen uns zu ihrem Heim hin. Bibi fährt zum Scoutmäter und wir erhalten die Erlaubnis auf dem "Terrein de nederlandschen Padvinders" zu zelten. Wir kochen Erbsensuppe in der Kohte und sehn uns das Heim an. Dann verschwinden wir in der Kohte.

Sonnabend, den 12. Juli 1958
Um 8.30 weckt uns der Scoutmaster und sagt, daß wir auf Privateigentum sind. So müssen wir mit unserer Kohte umziehen. Danach haben wir gründlich unter der Wasserleitung unser Zeug gewaschen. Während Bibi und Blacky dann Nudeln kochten, gehen Witzi und Bucki baden. Es gibt Nudeln. Am Nachmittag spielen wir mit den Wölflingen (Welpen) Fußball und Handball. Um 15.oo beginnen die Vorbereitungen für das Sommerlager. 4 Patrouillen zu je 5 Mann stellen sich um den Fahnenmast. Der Hauptmann spricht einige Worte und ein Junge sagt das Pfadfindergesetz auf. Dann wird die Flagge gehißt. Der Hauptmann prüft danach die fertig gepackten Kisten.

Um 16.oo gehen wir mit einigen Jungen ins Zwimbad. Es kostet 40 ct. Nach Rückkehr kaufen wir ein.

Um 8.oo besuchen uns 5 Pfadfinder zu einem kleinen Treffen in der Kohte. Wir tauschen Abzeichen und Adressen. Wir reichen Pfefferminztee herum, den sie nicht kennen, ihnen aber gut schmeckt. Um 10.30 verlassen sie uns. Wir gehen noch ein Stück mit und kommen auch bei einem Haus vorbei, wo eine Hochzeit stattfindet. Kurz danach gehen wir zurück zur Kohte.

Sonntag, den 13. Juli 1958
Um 8.oo aufgestanden. Zum Frühstück gibt es Haferflocken mit Zucker. Witzi und Blacky mögen es nicht und verkaufen ihn für 10 bzw. 20 ct an Bucki und Bibi. Blacky verdient seine 10 ct von Bibi wieder, indem er einige rohe Kartoffeln ißt. Nun wollte auch Witzi sein Geld wieder verdienen, und er ißt einen 10 cm langen Birkenzweig in 1/2 Std. auf. Er bekommt dafür von Bibi 25 ct. Auch Bucki verdient sich 6 ct, indem er einen kleinen, dünnen Birkenzweig verzehrt. Wir hatten alle großen Spaß daran.
Um 11.30 fahren wir schließlich los. Auf der Rheinbrücke machen wir Rast. Hier ist eine Erinnerungstafel für die im 2. Weltkrieg gefallenen Engländer angebracht. Dann geht es weiter nach Nimwegen. Von der Waalbrücke haben wir eine gute Aussicht auf die Stadt und lassen bei starkem Wind, Papierflugzeuge fliegen. Über die Maas geht es weiter nach Grave. Hier versuchen wir Pfadfinder zu finden, aber vergeblich. Witzi ißt für 10 ct Eis mit Becher.

Dann geht es weiter in Richtung Hertogenbusch und biegen nach Zeeland links ab. Wir versuchen schon die ganze Zeit einen Kohtenplatz zu finden, aber alles vergeblich. Hinter Uden geben wir es auf und beschließen bis Lommel durchzufahren. Um 9.oo essen wir Brot. Dann geht es weiter. Etwa 1 km vor Oeghel versuchen Bucki und Bibi es noch einmal und wir haben Glück. Wir dürfen im Garten zelten. Es sollen hier zwei kleine Ferkel schlafen, aber kleine Ferkel sind ja nicht schlimm. Wir bauen schnell unsere Kohte unter einem Apfelbaum auf und pennen auch gleich danach.

Montag, den 14. Juli 1958
Um 5.30 werden wir von den "Ferkeln" geweckt. Sie erweisen sich als stattliche Schweine. Eins von ihnen hat noch ein Loch in die Kohte gerissen. Wir bauen sofort ab, während einer die Schweine mit der Kartentasche hütet, die dabei kaputt geht. Um 6.oo fahren wir los. In der Aa waschen wir uns kurz. Über St. Oedenrode ging es nach Eindhoven. Hier wechselten wir 50 DM in 580 belgische Franken um und schrieben an Becki. Um 12 Uhr ging es weiter.

In Valkensward kauften wir ein. Kurz hinter Valkensward besichtigten wir einen engl. Soldatenfriedhof mit 200 Gräbern. Dann ging es über die niederl. - belgische Grenze, die nur einen Grenzbaum hat.

Bald erreichen wir Lommel und finden den deutschen Soldatenfriedhof auf der Strecke Lommel - Leopoldsburg. Hier sind fast 40.000 deutsche Soldaten begraben. Wir hängen unsere Kohte zwischen 2 Bäumen auf und kochen uns Knorr mit Nudeln.

Wir gehen am Abend über den Friedhof. Die Wege sind mit Gras bepflanzt und die Kreuze von beiden Seiten beschriftet. Hier wird eine große Eingangshalle aus Dolomit gebaut, an der deutsche Arbeiter arbeiten. Wenn man bedenkt, daß hier früher nur Sand gewesen ist, kann man sich vorstellen, wie schwer es war, hier etwas anzusäen. Man hat Torfmull herangefahren und an manchen Stellen sogar ganze Grasstücke eingesetzt. Es muß sehr mühselig gewesen sein, aber man hat es geschafft.

Dienstag, den 15. Juli 1958
Wir haben bis 11.oo geschlafen. Bibi und Bucki fahren nach Lommel, um Blumendraht zu kaufen, während Witzi und Blacky Eichenlaub für Kränze holen im Campingbeutel. Zu Mittag gibt es Kartoffelbrei. Danach binden Bibi und Blacky 2 Kränze, einen großen für das Ehrenmal und einen anderen für das Grab von Bibis Onkel. Am Abend bringen wir den Kranz zum Friedhof und legen ihn am Ehrenmal nieder. Dabei werden wir von einem Lehrer aus Emden photographiert, der zufällig anwesend ist. Ihn hat unser Kranzniederlegen sehr beeindruckt.

Von einem deutschen Ehepaar bekommen wir 100 frs. geschenkt und einen Tip für einen Zeltplatz bei Brüssel.
Danach hält jeder eine 3/4 Std. Ehrenwache mit Fackeln und dem Horstbanner in folgender Reihenfolge: Witzi, Bucki, Blacky und Bibi.

Vor dem Schlafengehen essen wir noch Brot.

Mittwoch, den 16. Juli 1958
Morgens regnete es in Strömen. So schlafen wir bis 11 Uhr. Wir essen geschmierte Brote. Um 1/4 vor 1 Uhr fahren Bucki und Blacky nach Valkensward (Holland) zurück um dort einzukaufen. In Holland sind die Sachen billiger als in Belgien. In der Zwischenzeit besorgen Witzi und Bibi Kartoffeln und Milch. Die anderen beiden wechseln an der Grenze Geld und kommen um 14.oo in Valkensward an. Dort wird eingekauft. Um 14.45 geht es wieder zurück. Die beiden kommen gut mit den Sachen über die Grenze und sind dann bald wieder beim Friedhof Lommel. Wir bereiten uns zum Essen Kartoffelomelett zu und faulenzen dann bis zum Abend.

Donnerstag, den 17. Juli 1958
Um 1/2 6 Uhr stehen wir auf und machen alles zur Abfahrt fertig. Um 1/4 vor 7 Uhr bekommen wir Kaffee vom Koch der Kantine. Als wir abfahren wollen, stellt Witzi fest, daß ein Häring fehlt, und erst nach langem Suchen findet Bibi ihn. Um 8. Uhr geht es endlich los. Von Lommel geht es über Mol weiter. Kurz nach Mol nimmt uns ein deutscher Lastwagen mit der Nummer "HER ..." bis nach Antwerpen mit. Da sehr wenig Platz im Führerhaus ist, klettert Witzi in die Schlafkoje.
Wir besichtigen in 2 Gruppen die Stadt, zuerst Bibi und Blacky, dann Witzi und Bucki.
Am Stadtrand essen wir. Dann geht es weiter. Vor Mechelen war auf einer Insel in einem See ein Turm. Wir wollten dorthin, kamen aber nirgends rüber.
In Mechelen fotographiert Bibi Gebäude auf dem Marktplatz. Wir fragen nach dem Schwimmbad Hobstade und erhalten hier von einer Frau Auskunft. Hier finden wir keinen Campingplatz, wo wir nach langem Reden umsonst zelten dürfen. Wir bauen zuerst 2 Kröten, da wir keine Kohtenstangen haben. Dies gefällt Bibi aber nicht und er besorgte sich zwei Latten vom Zeltplatzbesitzer. Da sie zu kurz sind, müssen sie innen aufgestellt werden. Bucki und Witzi halten nicht viel davon und wollen lieber in einer Kröte schlafen. Sie fahren zum Baden. Bibi und Blacky aber bauen die Kohte trotzdem auf und sie steht fabelhaft. Nun haben wir viel mehr Platz als in einer Kröte.

Freitag, den 18. Juli 1958
Um 1/2 7 Uhr stehen wir auf. Wir wollen heute zur Weltausstellung fahren. Es ist herrliches Wetter. Um 1/2 9 Uhr fahren wir los. Schon von weitem sehen wir das Atomium leuchten. In Brüssel holen wir Wasser und Brot und packen alles in Blackys Campingbeutel. Wir stellen unsere Räder an einen Zaun und gehen dann durch die Porte des Nations ein. Vorher hatten wir Eintrittskarten gelöst, pro Mann 30 Frs. (2,50 DM). Was wir hier auf der Weltausstellung alles gesehen haben, kann man gar nicht beschreiben und so wird in dem folgenden Bericht nur unser Weg durch die Expo beschrieben.

Wir begeben uns zuerst zum Pavillon der U.S.A. In der Mitte ist ein großer künstlicher See. Da die Bäume nicht abgehauen werden sollten, sieht man manchmal einen Baum in der Halle stehen, der durch die Decke nach draußen strebt. Dann geht es in den Pavillon der UDSSR. Sowie man eingetreten ist, fällt einem gleich das gr0ße Standbild von Lenin ins Auge. Als wir dort durch sind, gehen wir auf die Brücke um zu essen. Nach dem Essen führt unser Weg an Thailand, Schweiz, Jugoslawien, Portugal vorbei nach den deutschen Pavillons. Es ist ein großer Glasbau.

Nach diesem Rundgang besuchen wir den engl. und Schweizer Pavillon. Wir besorgen uns Karten und Briefmarken von der Expo und schreiben nach Hause.

Dann geht es weiter zum franz. Pavillon und zum Atomium. Da es uns zu teuer war, sind wir nicht hineingegangen. Aber auch so war es schön.

Bucki geht zur Eingangshalle und danach sehen wir uns alle die Coca-Cola Fabrik an. Sie hat einen eigenen Pavillon. Wir trinken jeder eine Coca-Cola und dann verlassen wir die Expo. Sie hat uns alle beeindruckt. Wir holen unsere Räder, aber es gibt eine Verzögerung, da Bucki seinen Fahrradschlüssel verloren hat, und wir erst sein Schloß knacken müssen.

Vor dem Königspalast sehen wir uns die beiden Posten an. Als wir aus der Stadtmitte heraus sind, beschließen wir, daß Bibi und Bucki noch zur Brüsseler Post fahren, während die beiden anderen schon zurückfahren. Wir trennen uns und Witzi und Blacky gelangen glücklich zum Zeltplatz zurück.

Bucki und Bibi fragen sich zur Post durch, aber sie ist geschlossen. Nun sehen sie sich noch das Rathaus an, das von Scheinwerfern angestrahlt wird und den Menneken Pis. Um 1/2 1 Uhr sind sie wieder zurück, und da die ganze Fahrt hungrig gemacht hat, essen sie noch schnell etwas.

Sonnabend, den 19. Juli 1958
Um 1/2 7 Uhr aufgestanden und gegessen. Um 1/2 12 Uhr fährt Bucki nach Brüssel um unsere Post zu holen. Die anderen fahren um 1/2 vor 3 Uhr von Mechelen nach Leuven um dort auf Bucki zu warten. Unterwegs hat Bibi Panne. In Leuven ist Bucki nirgends zu finden. Nach längerem Warten kommt er endlich. Er ist schon seit 3.oo hier und er hat uns auch nirgends gefunden.

Er erzählt, daß die Post am Sonnabend in Brüssel schon 12.oo schließt. Aber ein Trost. Unterwegs hat er von einer Frau, deren Sohn und Tochter in Deutschland bei Kassel sind, die Feldflasche voll Brause, 1 Flasche Bier, 2 Päckchen Bonbons und 4 gekochte Eier geschenkt bekommen.
Sofort wird das Bier getrunken. Dann geht es weiter in Richtung Maastricht. Wir kaufen uns Coca-Cola und essen die Eier.
Es wird Abend und dazu geht die Strecke immer bergauf und bergab
Zwischen Sint Truiden und Tonguren fragen wir nach einem Zeltplatz und bekommen die Erlaubnis in einem Obstgarten zu zelten. Wir schlagen unsere Kohte unter einem Apfelbaum auf und gehen uns dann auf dem Hof waschen. Abkochen tun wir diesmal nicht.

Sonntag, den 20. Juli 1958
Wir stehen erst sehr spät auf und packen unsere Sachen. Wir bedanken uns und fahren dann weiter. Vor der Grenze kaufen wir uns mit dem belgischen Kleingeld Coca-Cola auf Sippenkosten. Dann geht es über die belgisch - holländische Grenze, es ist wieder nur ein Grenzbaum. In Maastricht stecken wir eine Karte an der Mittelschule mit belgischen Marken ein. Vor Margrate besuchen wir einen amerikanischen Soldatenfriedhof mit den Gefallenen aus dem 2. Weltkrieg. Er ist sehr gepflegt und scheint mit mathematischen Berechnungen angelegt zu sein. Kurz danach geht es über die holländische - deutsche Grenze. Diesmal sind es 2 Grenzbäume. Die holländischen Grenzbeamten lassen uns so durch und die deutschen Beamten kontrollieren nur den Personalausweis.

In Aachen besichtigen Bibi und Bucki den Dom und Witzi und Blacky bleiben bei den Rädern. Dabei werden wir von einem Regenschauer überrascht. Bucki und Bibi kommen vom Einkauf zurück und von der Post zurück. Nur für Blacky war ein Brief da.

Von Aachen geht es weiter in Richtung Monschau. Kurz hinter Brand biegen wir ab, um an einem kleinen Bach zu kommen. Wir fragen bei einem Bauern nach einem Zeltplatz und bekommen ihn dicht am Bach. Bibi und Bucki gehen Kohtenstangen und -kreuze schlagen. Sie müssen sie auf dem Rückweg verstecken, da Leute vorbeikommen. Witzi und Bucki gehen sie nachher holen. Wir machen sie nach innen, da es ganz ansehnliche Bäume sind.

Bibi, Blacky und Bucki wollen heute zum Friseur und zur Post. Witzi bleibt allein zurück. Aber montags haben die Friseure geschlossen. Wir holen uns zusammen 1 Coca-Cola Familienflasche und 13 Negerküsse. Dann geht es zur Post. Für Bibi ist ein Brief da und für Bucki ein Paket. (Die waren auch schon am Sonntag da). Wir packen das Paket aus und verteilen die Schokolade. Da Witzi der einzige ist, der keine Post von zu Hause bekommen hat, wollen wir ihm gar nicht sagen, daß die anderen Post bekommen haben, sondern es verheimlichen und einen neuen Karton besorgen und auch den Reis und die Nudeln in eine andere Tüte füllen, damit er nicht die Tüten von Krause aus Bremervörde sieht.

Wir fahren mit der Straßenbahn nach Brand, es kostet 50 Pf. In einem Konsumladen kaufen wir ein und bekommen auch einen Karton und eine leere Tüte. Wir füllen sofort alles um und gehen dann zu Fuß zu unserem Lagerplatz zurück, wo wir Witzi schlafend vorfinden.

Wir bauen in der Inde, dem kleinen Bächlein, einen Staudamm. Dann lassen wir Streichholzschachteln und Holzstücke von der Brücke um die Wette schwimmen. Bibi ist Sieger. (?) Bis zum Dunkelwerden spielen wir weiter.

Dienstag, den 22. Juli 1958
Heute geht unsere Fahrt wieder weiter in Richtung Bundeslager. In Kornelimünster überrascht uns ein Regenschauer. Die Fahrt geht weiter über Mulartshütte, Rott und an der Dreilägertalsperre vorbei. Wir haben eine schöne Durchsicht auf den See. Nun müssen wir eine sehr schlechte Straße bis zum Jägerhaus hinauf schieben. Alles stöhnt und jammert. Aber dafür ist die Aussicht herrlich. Wir glauben sogar die amerikanischen Flaggen des amerikanischen Soldatenfriedhofes von Margraten zu sehen. Aber alle Qual hat einmal ein Ende und vom Jägerhaus an können wir wieder fahren. Es geht über Lammersdorf, Simmerath und Kosternich.

Wir sehen links das Tal der Ruhrtalsperre. Wir haben eine tolle Abfahrt nach Eiruhr. Es geht 4 km in Schleifen bergab. Und dazu der Anblick des immer größer werdenden Dorfes. Wir sehen uns den Brückenneubau an, der wegen der Talsperre vorgenommen werden muß. In der Nähe sind einige Kirschenbäume und wir können nicht widerstehen. Dann geht es in Richtung Schleiden weiter. Wir suchen einen Zeltplatz, aber überall stehen Verbotsschilder der belg. Armee. Wir müssen fast ganz bis zur Abzweigung nach "Kamp Vogelsberg" bergauf schieben. Es ist schon dunkel und jetzt fängt es auch noch an zu regnen. Um 10 Uhr fragen wir bei einem Bauern in Herhahn und wir dürfen in der Scheune schlafen. Bibi kocht in der Küche Nudeln mit Gulasch. Die anderen spielen inzwischen mit der Katze im Stroh. Dann essen wir und machen unser Lager auf den gepreßten Strohballen fertig und schlafen.

Mittwoch, den 23. Juli 1958
Um 8 Uhr stehen wir auf und waschen uns in der Waschwanne. Wir bekommen Kaffee von der Bäuerin. Wir bedanken uns und müssen nach Schleiden über Gemünd wegen einer Umleitung fahren. Es geht in Schlangenlinien bergab. Es ist eine schöne Aussicht auf Schleiden. Nach Schleiden müssen wir lange Zeit bergauf schieben. Vor Blankenheim sehen wir uns die Ahrquelle an und sehen von weitem die Jugendherberge. Unsere Fahrt führt entlang der Ahr. Es geht immer etwas bergab. In Ahrdorf kaufen wir ein. Nach Müsch suchen wir einen Kohtenplatz und finden bald einen an der Ahr. Bibi schlägt Kohtenstangen, Witzi und Blacky holen Milch und Bucki knöpft die Kohte. Wir hauen die Häringe krumm, denn 20 cm unter der Erde ist eine Steinschicht. Mit Mühe bekommen wir sie in die Erde. In der Kohte kochen wir uns Schokoladensuppe. Sie schmeckt gut. Wir wollen morgen das andere kalt essen.

Donnerstag, den 24. Juli 1958
Wir beschließen heute einen Ruhetag zu machen. Wir waschen uns und unser Zeug in der Ahr. Blacky und Witzi fahren zum Friseur nach Ahrweiler. Danach fahren Bibi und Bucki und kaufen auch ein. Wir kochen Kartoffelsuppe mit Würstchen. Im Dunkeln gehen Bibi und Bucki an der Straße Kirschen pflücken.

Freitag, den 25. Juli 1958
Heute geht es wieder weiter. Wir müssen wieder zurück nach Müsch und fahren dann in Richtung Cochem. Wir fahren am Nürburgring vorbei und können ihn auch sehen. Vor Kelberg essen wir zu Mittag.
Wir nähern uns der Mosel. Dann geht die Strecke plötzlich mit 12% Gefälle zur Mosel hinunter. In einer Kurve halten wir an und genießen die schöne Aussicht auf Mosel und Cochem. In Cochem müssen wir unsere Räder Treppen hinunterschieben. Bucki, Witzi und Blacky besteigen die Berge bis zur Burg hinauf. Wir fahren an der Mosel entlang weiter. Kaufen unterwegs ein. Wir finden keinen Kohtenplatz, nur Campingplätze. Da schlagen wir unsere Kohte etwa 5 km vor Alf am Weinberg unter einem Apfelbaum auf. Bucki holt 2 Flaschen 1956er St.Aldegunder (St. 3,00 DM) aus dem Dorf. Es ist schon dunkel. Wir essen Brot und jeder bekommt 1/2 Fl. Wein.

Sonnabend, den 26. Juli 1958
Wir stehen trotz des Weines um 1/2 6 Uhr auf und fahren ohne Essen und Waschen kurz nach 6 Uhr ab. Wir suchen eine Waschstelle, finden aber keine. Es geht über Alf und Zell. Hier verlassen wir die Mosel und fahren in den Hunsrück hinein. Hier finden wir eine prima Waschstelle an einem Bach. Es gibt hier Forellen und der Schiefer im Bach ist zu Rinnen ausgewaschen. Wir waschen uns und essen geschmiertes Brot. Dann lassen wir wieder Seifendosen um die Wette schwimmen.

Um 1/2 12 Uhr fahren wir weiter. Es geht immer bergauf. In Altlay sollen Witzi und Blacky Wasser holen, wollen es aber nicht immer tun. Sie bleiben stehen. Bucki und Bibi holen Wasser für sich und schieben dann weiter. Blacky und Witzi bleiben zurück. Sie holen sich nun auch Wasser und nach einer Pause schieben sie hinterher. Bucki und Bibi warten schon auf die beiden. Kurz nach dem Dorf sehen wir mehrere Kirschbäume an der Straße. Wir sparen das Mittagessen, denn wir stürzen uns sofort auf die Bäume und schlagen unsere Bäuche voll. Dabei wird ein großer Ast zum besseren Pflücken abgebrochen. Wir schieben bis Hunsrück-Höhenstraße weiter bergauf. Blacky bekommt Bauchschmerzen von den vielen Kirschen. Wir fahren auf der Höhenstraße entlang und entdecken an der linken Seite einen US-Flugplatz. Wir beobachten die Düsenjäger beim Start, beim Flug und bei der Landung. Wir verfehlen die Straße nach Leutzenhausen und müssen über Büchenbeuren fahren. Vor Rhaunen ist eine schöne steile Abfahrt und nach Rhaunen eine nicht so schöne steile Auffahrt. Wir müssen lange schieben. In Bundenbach studieren wir Bibis Karte aus der "Spur". Wir haben wieder eine tolle Abfahrt zum Hahnenbach hinab, aber auf einem Sandweg. Bibi und Bucki gehen das Gelände erkunden und finden die Cuxhavener, bzw. "Geusen" mit dem Führer Rainer Geveke. Wir schieben unsere Räder durch den Bach und bauen unsere Kohte auf dem Lagergelände des Gaues auf.

Sonntag, den 27. Juli 1958
Wir stehen nicht ganz so früh auf, waschen uns und frühstücken. Wir schleppen Kohtenstangen und -kreuze für den Gau heran, da nicht mehr soviel vorhanden sind. Inzwischen sind Karl und Fritz eingetroffen. Wir messen zusammen das Lagergelände aus. Die Kohten sollen in einem Halbkreis um den Gaffelmast aufgebaut werden. Danach geht es Mittagessen.

?????? Bericht unvollständig ??????
Leider ist es uns nicht gelungen durchzuhalten.

[Bild, Blick auf einen Teil vom Bundeslager]


Direkt übertragen aus "Chronik der Sippe Hinnerk von Borgh II" , (Buch II)

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